Das Telegramm hat ausgedient, die Post wird im neuen Jahr 2023 den Service nicht mehr anbieten.
Das Telegramm hat ausgedient, die Post wird im neuen Jahr 2023 den Service nicht mehr anbieten. imago/Gerhard Leber

„Ankomme morgen um 14 Uhr“ – wer früher eine Nachricht blitzschnell und sicher versenden musste oder wollte, wählte das Telegramm. Jedes Wort zählte teuer, man fasste sich kurz! Falls Sie in Zeiten von E-Mail und SMS noch ein Telgramm schicken wollen, müssen Sie sich sputen. Die Post stellt den Telegramm-Service zum Jahresende ein.

Das Angebot sei zuletzt kaum noch genutzt worden, begründete ein Unternehmenssprecher den Schritt. Privatkunden hätten den Telegramm-Dienst fast gar nicht mehr genutzt. Firmen hätten zuweilen Telegramme noch für Mahnungen oder als Zeichen der Anerkennung für langjährige Mitarbeiter bei Firmenjubiläen geschickt, aber auch das sei immer seltener geworden.

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Im 19. Jahrhundert erfunden, war das Telegramm bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine der schnellsten Möglichkeiten, wichtige Informationen zu übermitteln. Der im Post oder Telegrafenamt persönlich oder telefonisch diktierte Text wurde dabei meist per Fernschreiber zu einem Post- oder Telegrafenamt in der Nähe des Empfängers übermittelt und dann per Bote zugestellt.

Fasse dich kurz: Der teure Nachrichten-Dienst führte zum besonderen Sprachstil

Da sich der in der Regel recht hohe Preis für ein Telegramm nach der Zahl der Worte richtete, entwickelte sich gar ein eigener Sprachstil mit Kurzformen statt kompletten Sätzen. Eine typische Formulierung war etwa: „Ankomme Samstag 20 Uhr Oma“. Mit der Verbreitung des Telefons und erst Recht mit dem Aufkommen von Internet und Smartphone verlor das Telegramm aber dramatisch an Bedeutung.

Das ist allerdings auch kein Wunder: Denn die Preise für ein Telegramm waren trotz des Bedeutungsverlustes weiter gesalzen. Ein Mini-Telegramm mit bis zu 160 Zeichen kostete zuletzt mindestens 12,57 Euro, ein Maxi-Telegramm mit bis zu 480 Zeichen 17,89 Euro – in der einfachen Variante. Mit Schmuckblatt wurden 21,98 Euro fällig.

Das Telegramm ist allerdings nicht das einzige in die Jahre gekommene Telekommunikationsangebot, von dem sich die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland im kommenden Jahr verabschieden müssen.

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Auch Telefonzelle und Münzfernsprecher haben ausgedient

Ende Januar schaltete zudem die Deutsche Telekom ihre letzten verbliebenen öffentlichen Telefone ab, wie sie im Oktober ankündigte. Bereits seit Ende November kann man an den rund 12.000 übrigen Geräten nicht mehr mit Bargeld zahlen. Ende Januar endet auch die Möglichkeit, die Telefonsäulen mittels Telefonkarten zu nutzen.

Der erste „Fernsprechkiosk“ war 1881 in Berlin aufgestellt worden. Zu Hochzeiten gab es in Deutschland mehr als 160.000 Telefonzellen. Doch sie verschwanden in den vergangenen Jahrzehnten allmählich aus dem Stadtbild, weil sie spätestens mit der Verbreitung des Mobilfunks kaum noch jemand nutzte.

Keinen einzigen Euro Umsatz

Fast jedes dritte öffentliche Telefon habe im letzten Jahr keinen einzigen Euro Umsatz gemacht, berichtete die Telekom im Oktober. Auch der Durchschnittserlös je Standort liege nur noch bei wenigen Euro im Monat. Das stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten für den Unterhalt. Bis die letzten Telefonsäulen und Telefonhäuschen abgebaut sein werden, wird es nach Unternehmensangaben aber wohl 2025 werden.