Neben seinem Gewehr trug Kyle Rittenhouse ein olivgrünes Shirt und eine Kappe mit US-Flagge. Foto: Adam Rogan

Das Bild des Milchbubis, der in seinen mit blauen Gummihandschuhen eingepackten Händen ein riesiges Gewehr hielt, ging um die Welt. Er war Teil einer weißen Bürgerwehr, die schwer bewaffnet gegen die teils gewalttätigen „Black Lives Matter“-Proteste in Kenosha (US-Staat Wisconsin) zu Felde zog, um nach eigener Aussage Eigentum der Bürger zu beschützen. Doch Kyle Rittenhouse wirkte mit seiner Waffe nicht deeskalierend ein. Er tötete zwei Menschen. Nun soll er wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt werden.

Rittenhouse lebt in Antioch, rund 30 Auto-Minuten von Kenosha entfernt, bei seiner Mutter. Er war offenbar bereits den gesamten Dienstag in Kenosha gewesen. Videos vom Tage zeigten ihn zunächst, wie er ein Graffiti von einer Wand entfernt, später zeigen ihn Bilder in einer Gruppe bewaffneter Männer – und mit der Polizei. Einige Beamte lobten ihn für seinen Einsatz, gaben ihm etwas zu trinken.

Kyle Rittenhouse beim Säubern einer Wand. Foto: AP/Pat Nabong

Und dann gibt es die Videos, die ihn offenbar bei einem Mord zeigen: Auf den Bildern ist zu sehen, wie Rittenhouse vor einer Gruppe Demonstranten wegläuft. Zuvor wurde ein Mann in den Kopf geschossen. Vieles spricht dafür, dass es Rittenhouse war. Als der stürzt, greift ein Mann mit Skateboard den Bewaffneten an, der schießt um sich, steht auf und läuft weiter. Kurz darauf ist die Polizei zu sehen, sie lässt Rittenhouse passieren, obwohl er als 17-Jähriger in Wisconsin keine Waffe tragen darf und Demonstranten berichteten, dass ihnen selbst Regenschirme als potenzielle Waffe abgenommen worden seien. Erst am frühen Morgen des nächsten Tages nehmen die Beamte Rittenhouse in seiner Heimat fest. Seither sitzt er in der Jugendstrafanstalt in Lake County in Haft. 

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Dem 17-Jährigen wird zweifacher Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Die Opfer sind drei Männer, die alle nach Kenosha gekommen waren, um gegen Polizeigewalt demonstrierten, nachdem ein Polizist mehrfach auf den Afroamerikaner Jacob Blake geschossen hatte. Anthony Huber (26), der Mann, der bei dem Versuch, Rittenhouse mit seinem Skateboard zu stoppen, erschossen wurde, hinterlässt eine Freundin und eine Stieftochter. Über Joseph Rosenbaum (36), der Mann der den Kopfschuss erlitt und Gaige Grosskreutz (26), der eine Schusswunde am Arm erlitt, ist nicht viel bekannt.

Anthony Huber (26) war ein talentierter Skateboarder. Foto: Twitter

Derweil werden immer mehr Details über den mutmaßlichen Killer Rittenhouse bekannt. In seinen Social-Media-Profilen zeigt sich laut „New York Times“ keine Verbindung zu „White Supremacy“-Gruppen, allerdings zeigte er sich dort als Waffennarr, fanatischer Trump-Anhänger, der bei Auftritten des Präsidenten in der ersten Reihe stand, und Unterstützer der „Blue Lives Matter“-Kampagne, die sich als Gegenbewegung zur „Black Lives Matter“-Kampagne inszeniert und Polizisten, die tragischerweise im Einsatz sterben, mit rassistische Polizeigewalt gleichsetzen möchte.

Inzwischen haben sich allerdings sowohl die Polizei, als auch Präsident Trump von Rittenhouse distanziert. „Wir sind nicht verantwortlich für das private Verhalten von Menschen, die zu Kundgebungen gehen“, sagte die scheidende Trump-Beraterin Kellyanne Conway US-Medien.