Ein Auto wird auf der Straße des 17. Juni in Berlin geblitzt. Jetzt nicht den Stinkefinger zeigen: Das kann 5000 Euro kosten. Imago/Schwarz

Kann man einen Blitzer beleidigen? Man muss fast den Eindruck haben: JA – jedenfalls wenn man liest, zu welcher Strafe das Amtsgericht Passau  einen Autofahrer verurteilte, der einem Blitzer den Stinkefinger zeigte. 5000 Euro muss er jetzt berappen. Was ansonsten Beleidigungen im Straßenverkehr kosten. 

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Ganz klar: Mann sollte den Finger unten lassen, wenn man etwas gegen den Blitzer hat, der vor einem auftaucht. Denn im vorliegenden Fall hatten die Polizisten, die sich im Blitzerfahrzeug befanden, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, wie das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft Passau sowie die Passauer Verkehrspolizeiinspektion am Mittwoch mitteilten.

Der Autofahrer wurde wegen Beleidigung in zwei Fällen zu 50 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt

Neun Monate lang hatte sich das Ermittlungsverfahren gegen den 53-Jährigen aus Passau demnach hingezogen. Ende Mai kam es sogar zur Gerichtsverhandlung – in der er den zuvor eingelegten Einspruch gegen einen Strafbefehl nach Gerichtsangaben aber zurückzog und ihn dann doch akzeptierte. Er wurde wegen Beleidigung in zwei Fällen zu 50 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt.

Zu seinen Gunsten sprach aus Sicht des Gerichts, dass der Verurteilte in der Vergangenheit noch nicht kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten war. In einem Brief an die beiden Polizisten hatte er den Angaben zufolge den Vorfall bedauert und sich entschuldigt.

Es handle sich aber „um keine Bagatelldelikte“, hieß es in der Pressemitteilung. Und das Urteil hätte „noch drastischer“ ausfallen können. Der Strafrahmen für Beleidigung sieht Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr vor. „Je nach Art und Weise des Vorfalls oder bei bereits vorbestraften Personen kann sogar eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung für eine Beleidigung in Betracht kommen“, teilten die Behörden mit.

Ein Einzelfall sei der Fall nicht. Erst am Pfingstmontag hätten Radfahrer, die an einem Blitzerfahrzeug in Passau vorbeifuhren, die Menschen in dem Wagen „aufs Übelste“ beschimpft.

Eine „alte Sau“ kostet 2500 Euro

Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf den Straßen wird immer aggressiver. Es wird geschimpft, gerüpelt und gehupt, der Stinkefinger gezeigt, beleidigt. Doch Vorsicht, das kann bei einer Anzeige teuer werden. Nicht nur beim Zeigen eines Stinkefingers.

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In den vergangenen Jahren sind die Strafen, die Gerichte unter Berufung auf den Bußgeldkatalog verhängten, angestiegen. Eine „alte Sau“ und ein „fieses Miststück“ kosten 2500 Euro, eine „Schlampe“ 1900 Euro, die Scheibenwischer-Geste 1000 Euro. Und einen Polizisten sollte man auch nicht duzen: Das kann 600 Euro kosten. Etwas preiswerter ist es, wenn man zu einem Polizisten „du Mädchen“ sagt – 200 Euro. Die Höhe der Strafe richtet sich dabei auch nach dem Einkommen des Delinquenten.