An der University of Southern California (USC) sind hunderten von Studentinnen schlimme Dinge passiert.  Foto: AFP/Frederic J. Brown

Es ist ein trauriger Weltrekord. Die University of Southern California (USC) in Los Angeles zahlt ehemaligen Studentinnen insgesamt 1,1 Milliarden Dollar an Schmerzensgeld – weil sie vom Uni-Gynäkologen George Tyndall sexuell missbraucht wurden. Die Universität soll von den schlimmen Machenschaften des Arztes gewusst und sie über Jahrzehnte gedeckt haben.

Der Oberstes Gerichtshof von Los Angeles segnete am Donnerstag den zweiten Teil einer Vergleichssumme ab, der an 710 Opfer geht. Die Frauen erhalten 852 Millionen Dollar, oder 1,2 Millionen Dollar pro Person. Dazu hatte USC bereits 2018 mit weiteren Missbrauchs-Opfern von Tyndall einen Vergleich über insgesamt 215 Millionen Dollar geschlossen. Die Rekordsumme ist sogar noch höher, weil es noch weitere 50 Vergleiche mit Ex-Studentinnen gab. Die genaue Summe wird vor der Öffentlichkeit geheim gehalten.

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Tyndall hatte zwischen 1989 und 2016 die Frauenarztklinik auf dem USC-Campus geleitet. Bis die „Los Angeles Times“ einen Bericht von Vorwürfen von sexueller Belästigung und Missbrauch veröffentlichte. Ehemalige Mitarbeiter der Klinik berichteten, dass Uni-Offizielle bereits in den 90er Jahren erfuhren, dass der Arzt Fotos von den Genitalien der Studentinnen machte – und nichts unternahmen. Die Bilder wurden später in einem Schrank in Tyndells Büro entdeckt.

Missbrauchte unzählige Studentinnen: Uni-Gynäkologen George Tyndall.  Foto: AP Photo/Richard Vogel

Im Enthüllungsartikel kamen Dutzende von Ex-Studentinnen zu Wort, die angaben, dass Tyndell bei ihnen unnötige gynäkologische Untersuchungen durchgeführt und sie unsittlich berührt hatte. Darunter auch Nicole Haynes (46): “Ich bin 1995 wegen einer Lebensmittelvergiftung in die Klinik gekommen und Tyndell hat darauf bestanden, eine gynäkologische Untersuchung bei mir durchzuführen. Ich fühlte mich hinterher wie vergewaltigt, habe aber nichts gesagt. Bis heute.“

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Eine Uni-Krankenschwester verriet, ihren Boss 2016 bei der Universitätsleitung gemeldet zu haben. Weil sie beobachtet hatte, wie Tyndell bei einer Unterleibsuntersuchung „die Studentinnen immer wieder völlig unnötig und mit Absicht an deren Vaginas berührt hat“. Anstatt den Arzt bei der Polizei oder der Medizinischen Aufsichtsbehörde anzuzeigen, gab die Uni nach einer internen Untersuchung Tyndell die Möglichkeit, frühzeitig in Pension zu gehen. Mit vollem Gehaltsausgleich. Erst durch den Zeitungsartikel begann die Polizei Ermittlungen und verhaftete den 74-Jährigen wegen sexueller Gewalt und Nötigung in Hunderten von Fällen. Er hat sich für nicht schuldig bekannt und wartet noch auf seinen Prozess.

USC-Universitätspräsidentin Carol Folt, die nach dem Skandal eingesetzt wurde, entschuldigte sich öffentlich bei allen Opfern: „Es tut mir so unendlich leid, dass die Frauen Schmerz durch einen Arzt, dem sie vertraut haben, erleiden musste. Ich bin so dankbar für alle, die den Missbrauch aufgedeckt haben. Wir hoffen, dass der Vergleich den Frauen, die von George Tyndall missbraucht wurden, ein wenig Gerechtigkeit zukommen lässt!“