Der Handel mit Hundewelpen wird zum immer größeren Problem. Auch in Würzburg flog vor kurzer Zeit ein Welpen-Händler auf. Foto: zVg/ Tierheim Würzburg

Es ist ein Fall, der fassungslos macht: Wie jetzt bekannt wurde, flog am vergangenen Wochenende an der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark ein Welpen-Schmuggler auf. 25 Hundewelpen hatte der 33-Jährige in seinem Kleinbus, mit dem er aus Polen kam. Der Mann hatte für die Hundebabys allerdings keine Papiere. Das dänische Veterinäramt übernahm deshalb die kleinen Hündchen – und schläferte sie kurzerhand ein.

Laut zuständigen Behörden war der Fahrer des Kleinbusses kein registrierter Hundezüchter, er konnte die Papiere der Tiere auf Nachfrage nicht vorlegen. Zudem seien die Welpen zu jung gewesen, um überhaupt von der Mutter getrennt zu werden. Es heißt, der 33-jährige Transporteur hätte sich geweigert, die Hunde nach Polen zurückzubringen. Deshalb wurde das dänische Veterinäramt hinzugezogen, die Welpen wurden eingeschläfert.

Laut Veterinäramt sollte damit eine Ausbreitung der Tollwut verhindert werden – denn woher die Hunde stammten, sei nicht klar gewesen. Gegenüber der Zeitung „Nordschleswiger“ teilte Chefveterinärin Signe Hvidt-Nielsen mit, man könne lebende Tiere nicht auf Tollwut testen, weil dafür eine Hirnprobe benötigt werde. „Es ist auch nicht möglich, die Tiere zu impfen und danach zu testen. Dazu müssten die Hunde vier Wochen isoliert werden, denn Tollwut braucht lange, bis es ausbricht. Wir sind der Meinung, dass es unverantwortlich ist, so kleine Hunde so lange zu isolieren – auch vor dem Hintergrund, dass die Welpen geschwächt waren.“

Die Reaktionen auf das Vorgehen der Behörden fallen erwartet heftig aus. Neben den Tierschützern von Peta, die eine Demonstration planen, äußerte sich etwa Karsten Sörensen von der CDU Flensburg. Die Tötung der wehrlosen Welpen mache ihn fassungslos und traurig, das Vorgehen der Behörden sei nicht zu entschuldigen. „Im Rahmen einer Amtshilfe wäre über die Stadt Flensburg jederzeit Hilfe für die Tiere geleistet worden“, sagt er. Auch im Netz wird heftig debattiert. „Bitte? Wie krank ist das denn. Fällt mir nix mehr zu ein. Kranke Menschen“, schreibt eine Nutzerin in einer Facebook-Gruppe der Stadt Flensburg. Eine andere fragt: „Welcher Tierarzt gibt sich für so eine Schandtat her?“ Viele geben jedoch nicht dem Amt, sondern den Hunde-Händlern und deren Kunden die Schuld. „Der Verantwortliche ist der Fahrer, der diese armen Welpen viel zu früh von der Mama getrennt hat. Jeder, der einen Welpen von solchen Tierquälern kauft, ist für das Leid mitverantwortlich.“

Besonders erschütternd: Nicht einmal die Tierschützer des nahe gelegenen Flensburger Tierheims wurden hinzugezogen – dabei hätten sie die Welpen aufgenommen, sagte Stefan Bargmann, der Leiter des Tierheims. Der Flensburger Tierschutz sei jederzeit, 24 Stunden am Tag, für das Tierwohl einsatzbereit. Und sicherlich wären die kleinen Welpen auch gut vermittelbar gewesen, hätten schnell ein neues Zuhause gefunden.

Tierschutzorganisationen wie Peta und Vier Pfoten warnen in der letzten Zeit wieder verstärkt vor dem illegalen Welpenhandel, der durch die Corona-Krise kräftig Aufwind bekam – viele Menschen nutzten die ungeplante Pause und die Zeit im Homeoffice, um sich einen Hund zuzulegen. Doch die süßen Welpen, die aus Polen, Tschechien, Bulgarien, Ungarn und Rumänien kommen, werden in Hunde-Fabriken unter katastrophalen Bedingungen vermehrt und kilometerweit transportiert. Das Problem: Die Tiere sind oft krank. Wer einen solchen Welpen kauft, riskiert eine lange Kette an Tierarztbesuchen, im schlimmsten Fall den Tod des Hundes.

„Gerade in Berlin fallen immer wieder Käufer auf die Händler herein“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei Vier Pfoten, dem KURIER. „Und das, obwohl es mehr als in anderen Städten Aufklärungsarbeit gibt. Aber der Kauf eines Welpen verläuft nicht rational, sondern emotional. Die süßen Bilder im Internet und dann der Anblick der Welpen sorgen dafür, dass der Beschützerinstinkt einsetzt.“