Ein haarsträubender Streit um Dreadlocks überschattet die Klimademo. AFP/Stan Honda

Sie demonstrieren für das Klima, aber manchen geht es um mehr: Einige Aktivistinnen und Aktivisten der Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future haben sehr rigide Vorstellungen davon, welche Frisur zu einer Demo passt und welche nicht. Betroffen von diesem irren Zoff ist die Musikerin Ronja Maltzahn aus Hannover. Sie wurde von der Klimaschutzbewegung Fridays for Future erst zu einem Auftritt eingeladen, und dann wegen ihrer Haare wieder ausgeladen!

Dreadlocks: Ausdruck der Rastafari-Bewegung Jamaikas – „kulturelle Aneignung“ durch Weiße?

„Mit diesen Schuhen nicht!“: Solche Sprüche erwartet man eher von Türstehern snobbistischer Diskos, doch bei den Klimabewegten geht es nicht nur um Äußerlichkeiten: Für sie haben Dreadlocks, wie sie Ronja Maltzahn trägt, eine besondere Bedeutung. Ursprünglich stammt die Dreadlock-Frisur von der Rastafari-Bewegung in Jamaika: Sie bildeten eine kleine Minderheit innerhalb der schwarzen Unterschicht. Musikalischer Ausdruck der Rastafari ist der Reaggae, der mit seinen musikalischen Abwandlungen weltweit populär wurde. So auch die Dreadlocks, die zunächst bei schwarzen Menschen außerhalb der Karibik populär wurden, später auch bei Weißen, die an den pflegeleichten Filzlocken Gefallen fanden.

Doch was früher als cool galt, wird heutzutage als „kulturelle Aneignung“ gebrandmarkt. So argumentieren die Klimabewegten der örtliche Fridays for Future-Gruppe in Hannover: Beim Klimastreik gehe es um Antikolonialismus und Antirassismus. Deshalb halte man es nicht für vertretbar, „eine weiße Person mit Dreadlocks auf unserer Bühne zu haben.“

Fridays for Future stellen Sängerin Ronja Maltzahn vor die Wahl: Dreadlocks ab oder Auftrittsverbot

Reichlich oberlehrerhaft schreibt FridaysforFuture Hannover hinterher: „Wir hoffen, dass du dich damit auseinandersetzt...“ und schließt die Nachricht mit einem unerhörten Angebot: Ronja Maltzahn könne natürlich auf der Demo auftreten, wenn sie sich bis Freitag dazu entscheide, die Drealocks abzuschneiden.

Statt sich ihre Dreadlocks abzuschneiden, veröffentlichte Ronja Maltzahn die dreiste Ausladung auf Instagram und Facebook. Die Musikerin zeigt sich geschockt: „Schade, dass wir aufgrund von äußerlichen Merkmalen davon ausgeschlossen werden. Wir möchten keinen Menschen aufgrund von seiner / ihrer kulturellen Herkunft diskriminieren, sondern vielmehr kultureller Vielfalt eine Bühne geben, sie wertschätzen und zelebrieren.“, schreibt sie.

Auf Twitter warfen viele User den Veranstaltern Doppelmoral vor: Denn eine der bekanntesten Aktivistinnen für Menschenrechte und Klimaschutz, Carola Rackete, trägt Dreadlocks, wurde dennoch als Ikone gefeiert.