Mal zu viel Wasser, mal zu wenig! Der Klimawandel sorgt für lebensfeindliche Wetterextreme. dpa/Patrick Pleul

Im Bundestagswahlkampf geht es aktuell vorrangig um die Kosten, die der Klimaschutz verursachen könnte, kaum geht es mal um die Kosten, die anfallen, sollte die Klimakrise immer weiter voranschreiten. Unwetter und Überschwemmungen wie jüngst in Nordrhein-Westfalen werden sich genauso häufen wie lebensbedrohliche Dürren, sagen Experten. Laut einem Bericht der Weltbank wird die Lage in den nächsten 30 Jahren sogar so schlimm, dass rund 216 Millionen Menschen ihr Zuhause verlieren werden - immerhin 2,7 Prozent der aktuellen Weltbevölkerung. 

Klimakrise treibt Migration an

Der Klimawandel soll also dutzende Millionen Menschen in die Migration zwingen. Er sei ein „zunehmend starker Antreiber“ der Migration, heißt es im Bericht der Weltbank. Als Gründe dafür werden Wasserknappheit, ein Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion durch Dürren (oder Unwetter), sowie der steigende Meeresspiegel angeführt, die aktuell bewohnte Gebiete in lebensfeindliche Gegenden verwandeln können. 

Sollte die Zahl der Emissionen auf der Welt nicht signifikant sinken und der Entwicklungsunterschied in der Welt als Spätfolge des Kolonialismus nicht angeglichen werden, könnten in Afrika südlich der Sahara 86 Millionen Menschen zu Migranten werden, weil ihre Heimat aufgrund des Klimawandels nicht mehr bewohnbar sei, heißt es in dem Bericht.

Lesen Sie auch: Wenn Corona auf der Seele brennt: SO wirkt sich die Pandemie auf Kinder aus – und so können Sie helfen!>>

Klimakrise: So viele Menschen würden ihr Zuhause verlieren

Auch in Ostasien und der Pazifikregion würden 49 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen, in Südasien rund 40 Millionen, in Nordafrika 19 Millionen, in Lateinamerika 17 Millionen und in Osteuropa und Zentralasien noch einmal fünf Millionen. 

Die Weltbank betont, dass diese Migrationsbewegung sich allerdings nur auf Binnenmigration, also die Migration innerhalb eines Landes, beschränken würde. Doch das ändert nichts daran, dass all diese Menschen bevor sie sich aufmachen, einen sicheren Ort zum Leben zu finden, ihr Zuhause zurücklassen müssen. Und: Sollten nicht umgehend Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise ergriffen werden, könnten Migrations-Hotspots entstehen, heißt es in dem Bericht. 

Wenn der Klimawandel gestoppt wird, behalten mehr Menschen ihr Zuhause

Die Zahlen seien jedoch nicht in Stein gemeißelt, wie sich Jürgen Vögele, Vizepräsident für nachhaltige Entwicklung der Bank, zitieren lässt. Mit sofortigen und abgestimmten Schritten zur Minderung von Emissionen und der Unterstützung von Maßnahmen zu einer grünen und nachhaltigen Entwicklung könne die Klimamigration deutlich reduziert werden. 

Lesen Sie auch: Alleskönner Backpulver: Hätten Sie gewusst, wer das Pulver erfunden hat? Und drei weitere Fakten über das Backtriebmittel >>

Die Autoren des Berichts rufen die Regierungen der Welt eindringlich zum Handeln auf. Der Bericht mache deutlich, wie hoch der Tribut sei, den die Menschheit für den Klimawandel zahlen müsse. Schließlich sei das Problem 2050 ja noch nicht vorbei - sondern würde noch schlimmer werden.