Nicht zu vorschnell entscheiden!

Waschmaschine reparieren oder ersetzen?

Streiken kann eine Waschmaschine aus vielen Gründen. Und hat der Haushaltshelfer erst mal ein gewisses Alter erreicht, sind viele Besitzer geneigt, bei Schäden den Daumen zu senken. Dabei sollte auch bei älteren Geräten die Entscheidung nicht zu leichtfertig sein.

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Bildquelle: Flux Kontext Fast

Meist passiert es unspektakulär: Seit Jahren hat die Waschmaschine zuverlässig ihren Dienst verrichtet, hat unzählige Ladungen und noch mehr Flecken bearbeitet und jedes Haushaltsmitglied beherrscht die Bedienung blind.

Dann aber tut sich nichts mehr. Kein Knall, kein Rauch, kein bestens sichtbarer Totalschaden, sondern meistens eine stumme oder gar schleichende Dienstverweigerung. Für viele Haushalte ist das der Moment, an dem ein neues Gerät sehr schnell verführerisch wirkt.

Dabei zeigt sich im Alltag immer wieder, dass viele Waschmaschinen vorschnell ersetzt werden, obwohl sie trotz Streik und mehreren Jahren auf der Trommel technisch noch längst nicht am Ende sind.

Warum wir heute Waschmaschinen schneller abschreiben

Waschmaschinen unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. Schon seit einigen Jahren sind sie deshalb zwar leiser, sparsamer und wäscheschonender als je zuvor - aber auch komplexer und empfindlicher.

Die Folge: Wo die einfacher gehaltenen Geräte früherer Generationen oft zwei oder gar drei Jahrzehnte und länger ihren Dienst klaglos verrichteten, gilt heute eine durchschnittliche Lebensdauer von nur zehn Jahren als normal - bei häufigem Gebrauch sogar nur die Hälfte.

Hinzu kommt eine Besonderheit von Waschmaschinen:

Bei einer kaputten Waschmaschine hingegen hilft in der Praxis nur noch der Gang zum nächsten Waschsalon - denn Handwäsche, egal ob mit oder ohne Waschbrett, ist aufgrund des Aufwands wirklich nur bei geringsten Kleidermengen eine realistische Lösung.

Dadurch ist bei einem Waschmaschinenschaden die Bereitschaft besonders groß, das Problem einfach

„wegzukaufen". Allerdings verschwimmen dabei schnell echte Totalschäden und normale Verschleißerscheinungen miteinander.

Der große Unterschied: Echter Totalschaden oder bloßer Verschleiß?

Wenn das Problem nicht so offensichtlich ist wie eine große Pfütze auf dem Boden, kann vieles für den Schaden verantwortlich sein. Aber: Abgesehen von Schäden tief in der Elektronik (etwa auf den Platinen) sind viele Waschmaschinendefekte nicht struktureller Natur, sondern betreffen überbeanspruchte oder schlichtweg gealterte Bauteile.

Vergleichbar mit Bremsscheiben oder Keilriemen am Auto sind das Komponenten, die nicht ewig halten sollen und können - die Mehrheit aller Waschmaschinenschäden und bei korrektem Erkennen durchaus durch Austausch behebbar, sofern man sie korrekt interpretiert.

Typische Waschmaschinenprobleme nach zehn Jahren

Wie schon erwähnt: Wenn eines der tausenden Mikro-Bauteile auf der Platine aufgibt oder ein massiver Lagerschaden eintritt, ist eine alte Waschmaschine meist wirklich ein Fall für den Schrott. Häufiger sind es jedoch eher Schäden folgender Natur:

Derartige und andere Alterserscheinungen sind nicht nur häufig, sondern treten markenübergreifend auf. Auch bei den in vielen Berliner Haushalten beliebten Bauknecht-Geräten kann das der Fall sein. Aber: Da es sich um Verschleiß- bzw. Standardteile handelt, ist passender Ersatz für die Geräte häufig noch zu bekommen - selbst für bereits ältere Waschmaschinen.

Die große Frage: Wer repariert mir das?

Was den Neukauf ebenfalls verführerisch macht, ist die Einfachheit: Recherchieren, Modell aussuchen, Preisvergleich, liefern lassen - je nach Händler bis an den endgültigen Standort inklusive Anschluss-Service.

Eine Reparatur samt Diagnose scheint dagegen deutlich komplexer. Aber, das sei deutlich unterstrichen, sie kann sich finanziell lohnen, wenn man bedenkt, dass Neugeräte von namhaften Herstellern kaum unter 500 Euro beginnen. Dazu einige Gedanken:

·     Selbstreparatur

Anleitungen für solche Reparaturen finden sich im Netz an zahlreichen Stellen. Zudem genügt vielfach Basiswerkzeug. Häufig hapert es nur am Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten - wobei man dank Anleitungen definitiv kein Profi-Heimwerker sein muss.

·     Repair-Cafés

Berlin hat eine sehr hohe Dichte von Repair-Cafés. Selbst wenn man sich die Reparatur allein nicht zutraut, findet sich dort oft Hilfe von Menschen, die mehr Erfahrung mit Waschmaschinen haben.

·     Fachwerkstatt

Sogar der teuerste Weg - der zur Fachwerkstatt - kann günstiger als ein Neukauf sein, wenn wirklich nur Verschleißteile ausgefallen sind. Denn was Reparaturen teuer macht, sind langwierige Fehlersuchen und Diagnosen. Das ist aber häufig nur bei komplexen Elektronikproblemen der Fall.

Das heißt, es gibt tatsächlich fast immer eine Lösung. Und selbst wenn neue Waschmaschinen geringere Verbräuche haben, ist eine Reparatur meistens auch ökologisch sinnvoller. Denn bis ein Neugerät seinen Produktionsfußabdruck abgearbeitet hat, können Jahre vergehen - wodurch ein weniger optimiertes älteres Gerät dennoch besser dastehen kann.

Das heißt, es gibt tatsächlich fast immer eine Lösung. Und selbst wenn neue Waschmaschinen geringere Verbräuche haben, ist eine Reparatur meistens auch ökologisch sinnvoller. Denn bis ein Neugerät seinen Produktionsfußabdruck abgearbeitet hat, können Jahre vergehen - wodurch ein weniger optimiertes älteres Gerät dennoch besser dastehen kann.

Fazit: Erst prüfen, dann entscheiden

Nicht jeder Defekt an der Waschmaschine muss ein Abschied sein. Viele Geräte zeigen nach zirka zehn Jahren nur das, was man von intensiv genutzter Alltagstechnik erwarten darf - Verschleiß.

Wer diese Tatsache anerkennt und die typischen Alterserscheinungen zu erkennen weiß, kann sich definitiv selbst helfen. Zumal eines feststeht: Durch gute Pflege lassen sich selbst diese unvermeidlichen Verschleißerscheinungen deutlich nach hinten verschieben.

Ein jahrelang bewährter Haushaltshelfer muss deshalb keinesfalls automatisch ein Fall für den Schrott sein. Ähnlich wie beim Auto reicht manchmal ein kleines Ersatzteil für nur wenige Euro, um die Waschmaschine für weitere Jahre anstandslos laufen zu lassen.

Die Recherche und Erstellung des Beitrags wurden durch eine externe Redakteurin vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.