Noch nie wurden in einem Jahr wohl so viele Witze über Klopapier gemacht wie in diesem Corona-Jahr. Foto: dpa/Axel Heimken

Witze über Hamsterkäufe, Corona-Leugner oder Politiker, die mit ihren beschlossenen Regelungen überfordert wirken, gelten mittlerweile als fester Bestandteil in deutschen Humorhaushalten. Bekanntlich ist Lachen immer noch die beste Medizin. Doch darf man in der Corona-Krise wirklich über alles lachen? Wo sind die Grenzen? Und ist der Humor ein anderer geworden?

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„Humor schafft eine gewisse Erleichterung und emotionale Distanz. Wir können Sorgen und Ängste so leichter bewältigen“, sagt Eva Ullmann, Leiterin des Deutschen Instituts für Humor, über den grundsätzlichen Umgang in schwierigen Zeiten. Auch Chin Meyer, Kolumnist des Berliner KURIER, findet, dass „Humor jede Krise besiegt“. „Er hebt das Problem auf eine Metaebene und schafft eine innere Distanz, aus der heraus die Krise ihren Schrecken verliert“, sagt er.

Der Kabarettist meistert diese Zeit, in der er nicht auf der Bühne stehen kann - klar - mit: Humor. „Gepaart mit Verzweiflung. Was auch wiederum gut für den Humor ist“, sagt er. Corona berge viel komisches Potenzial. So schrieb Meyer neulich: „Lange Schlangen vor den Geschäften, die Grenzen nach Meck-Pomm dicht, die Supermarkt-Regale leer und die Laune auf dem Tiefpunkt – es wirkt ein wenig wie der Endsieg des real existierenden Sozialismus. Honecker würde sich im Grabe umdrehen, wenn er geahnt hätte, dass er nicht die Stasi, sondern bloß das Virus gebraucht hätte…“

Humor hilft in Krisensituationen - auch in der Zeit der Corona-Pandemie. Foto: dpa/Rene Ruprecht

Ein böser, bissiger Humor sei laut Ullmann gerade in Pandemiezeiten wichtig. „Denn viele Menschen fühlen sich in Krisen ohnmächtig. Aggressiver, schwarzer Humor kann ihnen ein Gefühl von Handlungsfähigkeit vermitteln“, sagt Ullmann. Für Meyer ist schwarzer Humor die „Königsdisziplin“. Aber nicht jeder könne ihn ertragen. „Dafür braucht es einen gut trainierten Sinn für Humor. Oft hat es auch etwas mit der zeitlichen Distanz zu tun“, sagt er. Es gelte die Formel: Humor ist Schmerz plus Zeit.

Über Gewaltverbrechen, Morde oder Corona-Tote würde er keine Witze machen. Allerdings komme es auch immer auf die Verpackung an. „Witze über Diego Maradona würde ich zurzeit nur begrenzt reißen. Bei Karl Dall sieht das schon wieder anders aus – der fände es vermutlich schrecklich, wenn seiner nicht in Scherzen gedacht würde“, sagt Meyer. Für ihn dürfe man während der Pandemie „über alles, worüber man auch in anderen Zeiten Witze macht“, scherzen. Ullmann hingegen hält Witze für gefährlich, die Lügen verstärken. „Wenn sich Humor auf Falschinformationen draufsetzt, ist das nicht produktiv für die Bewältigung einer Krise“, sagt sie. In einer Zeit, in der ohnehin viele Falschnachrichten kursierten, sollten solche Witze nicht verbreitet werden.

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Und wie hat sich der Humor in der Krise verändert? Für Ullmann finde er vor allem online und in den sozialen Medien statt. Dort wären beispielsweise zur Osterzeit jede Menge Witze zum Klopapier gepostet worden. Oder auch ein Spruch wie: „Der Osterhase ist systemrelevant“. Sowas dürfe man in diesem Jahr natürlich machen. Meyer hingegen sieht nicht, dass sich der Humor verändert habe. „Wohl aber die Art und Weise, wie Humor wahrgenommen wird. Der ‚Sinn für Humor‘ wirkt etwas abgeschwächt“, sagt er. Der Niedergang des Humors gehe einher mit einem Anstieg der Angst – sie bedingten sich gegenseitig. Wo Angst ist, könne kein Lachen sein – und umgekehrt. Der Kabarettist ist sich sicher, „dass wir gerade in der Krise unseren Sinn für Humor schärfen und trainieren müssen“. Vielleicht, indem wir jeden Tag einen neuen Witz finden?