Das Geheimnis ihres Erfolgs:

Warum hinter Bezos, Musk und Co. kein Zufall steckt

Die reichsten, erfolgreichsten Menschen des Planeten hatten zwar auch Glück. Vor allem aber eine immer erstaunlich ähnliche Denk- und Handlungsweise.

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Bildquelle: Flux Kontext Fast

Jeff Bezos, 2025 knapp 240 Milliarden Dollar schwer. Was er Mitte der 1990er gründete, gilt heute rund um den Globus als Archetypus des gigantischen Online-Warenhauses. Auch, dass Bezos sich damals von seinen Eltern jede Menge Geld leihen musste, ist Teil dieses Mythos. Dabei ist der Amazon-Gründer nicht der Einzige:

Elon Musk, Bill Gates, Bernard Arnault, Bill Gates und die ganzen anderen Superreichen auf der bekannten Forbes-Liste - die Namen wechseln, die Faszination bleibt. Spätestens, wenn ein neues Mitglied in diesen illustren Millliardärskreis erhoben wird, flammt dieselbe Debatte neu auf: Genie oder Glück? Vision oder Rücksichtslosigkeit? Strukturelle Vorteile oder persönliche Leistung?

Das Problem: Meist streitet man sich dabei über die Personen an sich. Interessanter ist jedoch die oft verkannte, tatsächlich jedoch erstaunliche Ähnlichkeit ihrer Denk- und Handlungsmuster.

Denn jenseits aller Unterschiede lassen sich bei extrem erfolgreichen Unternehmern tatsächlich wiederkehrende Muster und andere Gemeinsamkeiten erkennen. Keine Geheimrezepte, keine Garantien - aber Charakteristika, die sich zu auffällig oft wiederholen, um einfach als Nebensächlichkeit abgetan zu werden.

Die Langfristigkeit als Grundhaltung

Bezogen auf das, was ein Durchschnittsverdiener in seinem ganzen Arbeitsleben anhäufen kann, sind diese Persönlichkeiten zwar definitiv extrem schnell extrem reich geworden. Wer das jedoch als Beweis dafür sieht, dass Musk und Konsorten von Anfang an auf schnelles Geld aus waren, liegt völlig falsch.

Das Gegenteil ist der Fall: Eine fast schon unzeitgemäß wirkende Geduld.

Amazon etwa schrieb über Jahrzehnte kaum Gewinne, sondern reinvestierte fast alles. Tesla galt lange als exotisches Spielzeug für Technikenthusiasten und SpaceX als finanzielles Himmelfahrtskommando. Der öffentliche Druck war enorm, der Spott allgegenwärtig.

Der entscheidende Unterschied liegt hier vor allem in einem starken Durchhaltewillen gepaart mit der Akzeptanz langer Durststrecken: Erfolg wird von diesen Machern nicht als kurzfristiger Zustand verstanden, sondern als Ergebnis kumulativer Entscheidungen.

Das mag banal wirken, ist in der Praxis aber selten. Die meisten Organisationen sind strukturell auf schnelle Erfolge angewiesen - allein schon, weil Investoren, Medien und Märkte diesen Druck aufbauen und verstärken.

Enorme Frustrationstoleranz als Credo

Dass bei so viel Langfristigkeit irgendwann Selbstzweifel aufkommen, darf als normal angesehen werden. Außerdem scheiterte nahezu jeder der bekannten Namen, bevor er große Erfolge feierte - technisch, finanziell oder in Sachen Ruf, teilweise sogar mehrfach.

Andere würden angesichts solcher Rückschläge irgendwann aufgeben. Die meisten Superreichen hingegen zeigten (und zeigen) eine ungewöhnlich hohe Frustrationstoleranz und Hartnäckigkeit. Während wir Normalverbraucher solche Rückschläge meist als persönliche Niederlage ansehen und Fehler als Makel, sehen solche Charaktere darin nur eines: Lehrreiche Erfahrungen.

Bei ihnen sind Ergebnis und Selbstwert voneinander entkoppelt. Dadurch bewerten sie Fehlschläge nicht als existenzielle Krisen - und können dadurch jene Offensivität pflegen, die für Innovation unverzichtbar ist.

Risikoakzeptanz - aber asymmetrisch

Mit Millionen und Milliarden von Investorengeldern gefühlt zu „zocken", ohne Garantie auf Erfolg, wird meistens mit abnorm hoher Risikobereitschaft erklärt. Ganz falsch ist das zwar nicht, aber unvollständig. Ja, definitiv haben diese Menschen eine große Wagnistoleranz. Aber sie gehen keinesfalls blinde Risiken ein.

Vielmehr handelt es sich dabei um ein sogenanntes asymmetrisches Risiko. Das sind Szenarien, bei denen die möglichen Verluste in keinem Verhältnis zum potenziellen Gewinn stehen. Typisch dafür ist:

Damit unterscheiden sich die Supererfolgreichen völlig davon, wie man sie landläufig wahrnimmt - als knallharte Draufgänger oder gar Glücksspieler. Ja, die Entscheidungen wirken tatsächlich gewagt, sind jedoch meist sehr nüchtern kalkuliert. Bleibt der Erfolg aus, ist ein Rückweg möglich. Gelingt das Wagnis, multiplizieren sich die Effekte - meist ins Enorme.

Distanz zu sozialen Normen

Viele extrem erfolgreiche Unternehmer polarisieren die Gemüter. Das gilt definitiv nicht nur für Elon Musk, sondern im Prinzip für fast jeden von ihnen - und das nicht nur aufgrund des immensen Reichtums. Und tatsächlich lässt sich häufig eine geringe Bindung an gängige soziale bzw. gesellschaftliche Konventionen beobachten. Allerdings hat das nichts mit Provokationslust zu tun oder einem generell „verschrobenen" Charakter. Dahinter steckt meist nur Priorisierung.

Wer den Willen hat, dermaßen erfolgreich zu werden, der muss nahezu zwangsläufig
  • wenig Rücksicht auf etablierte Branchenkonventionen nehmen;
  • traditionelle Karrierepfade und Herangehensweise ablehnen;
  • damit leben können, als „schwierig" oder „sonderbar" zu gelten.

Gesellschaftlich wird das häufig als Arroganz oder Kälte gelesen. Praktisch betrachtet ist es hingegen ein häufiger Nebeneffekt und - teilweise - Grundbedingung radikaler Zielorientierung. Harmonie ist dann fast zwangsläufig nachgeordnet und wo Konventionen das Vorankommen bremsen, werden sie umgangen.

Radikaler Fokus

Nahezu sämtliche Wirtschaftsratgeber raten zur Diversifikation zwecks Risikostreuung. Hinter extremem Erfolg steht meist das genaue Gegenteil:

Eine über sehr lange Zeiträume erfolgende Konzentration auf wenige Kernpunkte à la:
  • Zentrales Produkt oder Kerntechnologie;
  • Jahrelange Arbeit an demselben Grundproblem;
  • Systematisches Abschneiden bzw. Vermeiden von Nebenprojekten.

Das mag nach außen riskant wirken, monoton, teilweise sogar manisch verbissen. Tatsächlich erzeugt diese Herangehensweise aber eine technologische, organisatorische und strategische Tiefe, die nötig ist, um sich wirklich „vom Rest“ abzuheben.

Nüchterner Umgang mit Arbeit

Über die die Art, wie solche Supererfolgreichen selbst arbeiten und welche Maßstäbe sie an ihre Teams anlegen, sind die Ansichten der meisten Normalverbraucher meistens negativ. Oft fallen Begriffe wie „Ausbeuter" und „Selbstverleugnung".

Doch auch hier ist eine nüchternere Sicht auf die Dinge sinnvoll. Denn viele dieser Menschen eint, dass sie schlichtweg keinerlei romantisierte Vorstellung von Arbeit haben. Was wir als Arbeit definieren und mit Begeisterung oder Selbstverwirklichung assoziieren, ist für sie meist mit einer Art innerem Zwang zur Problemlösung verbunden.

Diese ganzen Charakteristiken von:

All das ist daher ebenfalls nur logische Konsequenz. Von außen mag das nach Selbstausbeutung wirken, tatsächlich ist es jedoch ebenfalls nötig, wenn man höchste Ansprüche an das Ergebnis stellt. Natürlich müssen diese Charaktere auch Spaß dabei empfinden, er steht jedoch nicht so im Fokus wie bei anderen Menschen.

Fazit

Die aufgelisteten Muster sollten keineswegs als Anleitung verstanden werden - und schon gar nicht als Erfolgsgaranten.

Einerseits

Startbedingungen, Timing, Marktumfeld und, ja, auch Zufall sind ebenso entscheidend. Nicht jeder, der langfristig denkt, Risiken eingeht und fokussiert arbeitet, wird automatisch supererfolgreich.

Andererseits

Umgekehrt gilt jedoch ebenfalls: Kaum ein unternehmerischer Multimilliardär, globaler Marktführer oder disruptiver Akteur schaffte es ohne diese Eigenschaften an die Spitze.


Ein nüchterner Blick auf diese Gemeinsamkeiten mag für manche den „Glücksmythos" etwas entzaubern, aber er verhindert ebenfalls eine naive Sicht, dass es nur auf einige wenige Erfolgsformeln ankäme. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus diesem Artikel: Nicht die Zig-Milliarden Reichtümer dieser Personen sind erklärungsbedürftig, sondern die extreme Konsequenz, mit der sie ihre Prioritäten setzen.

Die Recherche und Erstellung des Beitrags wurden durch eine externe Redakteurin vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.