Feuerwehrleute ruhen sich an der Elbe nahe des Örtchens Schmilka in der Sächsischen Schweiz aus.
Feuerwehrleute ruhen sich an der Elbe nahe des Örtchens Schmilka in der Sächsischen Schweiz aus. AFP/Michal Cizek

Dichte Rauchschwaden hängen über den Wäldern, nach und nach frisst sich das Feuer durch ganze Landstriche: Die Bilder der Brände in Teilen Deutschlands machen fassungslos. In Brandenburg stehen riesige Gebiete in Flammen … und auch im Nationalpark Sächsische Schweiz brennt es seit Tagen. Szenen, die man sonst nur aus weiter Entfernung kennt, ereignen sich plötzlich vor der eigenen Tür. Und bringen eine unbändige Angst mit sich.

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Ich wuchs in Schmilka auf, einem kleinen 100-Einwohner-Dorf in der Sächsischen Schweiz – und kann im Moment nur zuschauen, wie die Flammen die Wälder meiner Kindheit vernichten. Der ausgetrocknete Boden, die toten Borkenkäfer-Wälder (naturbelassen, weil’s ein Nationalpark ist): Das Feuer findet reichlich Nahrung, kann seine Macht ungehindert entfalten. Und plötzlich sehe ich überall Fotos aus meinem Heimatort.

Die Bilder der Waldbrand-Katastrophe sind nur schwer zu ertragen

Luftbilder, auf denen zu sehen ist, wie Rauch aus den Wäldern steigt. Bilder der Hubschrauber, die immer wieder fliegen, die Wasser aus der Elbe holen und es in die Bäume kippen. Fotos vom Nachbarort Hrensko auf der tschechischen Seite, wo die Flammen bereits am Hang über den Häusern angekommen sind – und wo tschechische Feuerwehrleute alles dafür tun, eine noch größere Katastrophe zu verhindern.

Die Lage beim Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz hat sich verschärft.
Die Lage beim Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz hat sich verschärft. dpa/Sebastian Kahnert

Ziemlich genau 20 Jahre ist es her, dass die Jahrhundertflut 2002 große Teile der Landschaft an der Elbe zerstörte, vielen Menschen alles nahm. Nun ist man wieder machtlos. Jeden Tag verfolge ich, wie weit die Flammen schon sind. Wie nah kommen sie dem Dorf? Müssen die Menschen evakuiert werden? Wie wird es danach aussehen im Wald? Waldbrände habe ich in meiner Kindheit einige erlebt – aber so nah war die Gefahr noch nie. Freunde und Familienmitglieder schildern mir, dass man auf „gepackten Koffern“ sitze, dass die Geräusche der Hubschrauber für Beklemmung sorgen. Dass der Rauch am Donnerstagmorgen plötzlich alles bedeckte wie eine Glocke – und aufgrund des Brand-Geruches an Schlaf nicht mehr zu denken war.

Nachdem es am Mittwoch eigentlich nach etwas Entspannung klang, habe sich die Lage nun wieder verschlechtert, heißt es. Die Situation sei angespannt, sagte Thomas Kunz, Sprecher des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. 300 Einsatzkräfte seien bemüht, die Feuer einzudämmen. Diese Zahl werde aber je nach Lage weiter aufgestockt. Derzeit seien sieben Löschhubschrauber im Einsatz, zudem machen zwei Hubschrauber auch mit Wärmebildkameras Aufklärungsflüge. 250 Hektar Waldfläche stehen in Flammen.

Unsere Feuerwehrleute sind die Helden dieser Katastrophe

Ich würde gern helfen, etwas tun – doch selbst wenn ich dort wäre, könnte ich nur zusehen. Umso dankbarer bin ich unseren Feuerwehr-Helden. Hunderte Retter leisten Unfassbares in den Wäldern, ob in Sachsen oder bei den großen Bränden in Brandenburg. Sie geben alles, um die Dörfer zu schützen, setzen dafür ihre Gesundheit, ihr Leben aufs Spiel. Auch diese Bilder gehören dazu: Feuerwehrleute, die nach stunden-, nach tagelanger Arbeit auf den Wiesen an der Elbe liegen, um auszuruhen. Die auf den Gehwegen neben ihren Löschfahrzeugen schlafen. Sich eine kurze Pause gönnen, bevor sie wieder in den Kampf gegen die Flammen ziehen.

Ein Feuerwehrmann in Uniform steht nahe des tschechischen Grenzortes Hrensko auf einem niedergebrannten Waldstück.
Ein Feuerwehrmann in Uniform steht nahe des tschechischen Grenzortes Hrensko auf einem niedergebrannten Waldstück. dpa/CTK/Hájek Vojtìch

Sie sind die Helden dieser Katastrophe – und wir alle sollten dankbar sein, dass es sie gibt. Das wird in solchen Situationen noch deutlicher als je zuvor. Auch hier zeigt sich viel Solidarität: Hilfs-Aktionen entstehen, Privatleute spenden Getränke, Müsliriegel, Obst und Würstchen, kümmern sich um die Versorgung. Das ist wirklich toll. Zugleich machen solche Bilder nachdenklich: Wie kann es sein, dass Feuerwachen kaputtgespart werden, dass es stets und ständig an Personal und an Ausrüstung zu fehlen scheint? Erst kürzlich berichteten wir über den Sanierungsstau in Höhe von 331 Millionen Euro – nur für Berlins Feuerwachen.

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Aber auch: Wie kann es sein, dass bei einem Dürre-Sommer wie diesem Wälder nicht für den Besucherverkehr gesperrt werden? Zwar gibt es viele vernünftige Menschen, aber leider auch genauso viele, die auf Verbote pfeifen. Die im Wald rauchen, beim Übernachten zwischen den Felsen sogar Lagerfeuer entzünden. Dass Eigenverantwortung hierzulande nicht funktioniert, lernen wir schließlich immer wieder – zu groß ist das Interesse an der eigenen Entfaltung, zu gering das Bewusstsein für die anderen Menschen. Die Region lebt vom Wander-Tourismus. Aber: Lohnt es sich, dafür so viel schützenswerte Natur zu opfern?

Am Donnerstagmorgen legten sich die Rauchschwaden der Waldbrände wie eine Glocke über das Tal.
Am Donnerstagmorgen legten sich die Rauchschwaden der Waldbrände wie eine Glocke über das Tal. dpa/Robert Michael

Noch schlimmer: Wie kann es sein, dass Menschen solche Brände sogar absichtlich legen? Laut Experten ist spontane Selbstentzündung in Wäldern unwahrscheinlich – und die Polizei ermittelt bereits. Ich hoffe, dass die Täter geschnappt werden. Wie kann es sein, dass Gaffer die Löscharbeiten behindern? So wurde berichtet, im benachbarten Bad Schandau sei wegen zu vieler Schaulustiger der Betrieb der Kirnitzschtalbahn eingestellt worden. Die angereisten Gaffer hatten trotz Verbots betroffene Waldgebiete aufgesucht und Löscharbeiten behindert. Auch hier gilt: Abstrafen! Man kann nur einmal mehr hoffen, dass wir aus dieser Katastrophe etwas lernen werden, in allen Bereichen. Nur wird es dann für große Teile unserer so wichtigen Wälder zu spät sein.