Im russischen Jakutien löschen Freiwillige einen Waldbrand. dpa/Ivan Nikiforov

Die verkohlten Stiefel erinnern Albert Wassiljew noch an seinen gefährlichen Kampf gegen die Flammen. Der 49-Jährige hat ihn ohne größere Blessuren überstanden. Die Feuer in seiner Heimat Jakutien im Osten Russlands wüten aber noch, wenn auch nicht mehr so schlimm wie im Sommer. Wassiljew hatte sich als Freiwilliger gemeldet, um zu verhindern, dass die Brände ganze Dörfer vernichten. „Ich bin Vater von fünf Kindern, und ich wollte auch nicht, dass sie giftigen Rauch einatmen“, sagt er. Der für Mensch und Tier gefährliche Qualm hat sich nun zumindest aus Wassiljews Heimatstadt Jakutsk verzogen.

Brandgebiete weit abseits der Zivilisation

„Wir können endlich wieder durchatmen“, sagt er. Tausende Einsatzkräfte haben über Wochen mit Wasser, Spaten, Traktoren und Löschflugzeugen gegen die Naturgewalt gekämpft. Doch besiegen konnten sie die Feuerfront nicht. Viele Brandgebiete liegen weit abseits der Zivilisation – ein Löscheinsatz wäre dort nur schwer möglich oder einfach zu teuer.

Während Europa mit bangen Blicken auf die Brände in Griechenland, Italien und Türkei schaute, rollte die Feuerwalze über Teile Russlands. Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt, dass in den vergangenen Monaten eine Fläche verbrannt ist, die halb so groß wie Deutschland ist – mehr als 17,6 Millionen Hektar. Staatschef Wladimir Putin hatte das Ausmaß unlängst als beispiellos bezeichnet.

Ohne die Freiwilligen, wäre der Schaden noch größer

Auf mehr als 250.000 Hektar brennt es der Forstschutzbehörde zufolge aktuell noch immer. Ohne die vielen Freiwilligen wäre die verbrannte Fläche landesweit wohl noch viel größer. Erst spät hatte Putin Verstärkung in den Katastrophengebieten angeordnet. Zu dem Zeitpunkt hatten sich die Menschen vor Ort aber schon selbst Hilfe organisiert.

Albert Wassiljew steht in einem Wald in der russischen teilrepublik Jakutien, wo er immer wieder gegen Waldbrände kämpft. dpa

Am schlimmsten betroffen ist die Teilrepublik Jakutien im Osten Sibiriens mehr als 4000 Kilometer von Moskau entfernt. Als dort Anfang Juli die Luft immer stickiger wurde, entschloss sich Wassiljew zu handeln. Er habe nicht länger zusehen wollen, wie die Behörden die Kontrolle über die Lage verloren. Der Brandschutz in Russland steht ohnehin massiv in der Kritik: Umweltschützer monieren, dass Gesetze, Geld und Personal zum Schutz des Waldes fehlten.

Der Einsatz der Freiwilligen war gefährlich

„Meine Bekannte schlug deshalb vor, eine Freiwilligen-Feuerwehr zu gründen“, erzählt Wassiljew. „Der Einsatz ist gefährlich gewesen.“ Vor allem wenn die Flammen die Baumwipfel erreicht und sich über den Köpfen der Einsatzkräfte ausgebreitet hätten. „Nicht kontrollierbar“, meint der Unternehmer. „Am Anfang fehlte es an Ausrüstung und Kommunikation zwischen den Gruppen.“ Übernachtet wurde meist in Zelten. Frauen versorgten die Männer mit warmen Mahlzeiten.

Zunächst diente Wassiljews Büro in Jakutsk als Anlaufstelle für die ehrenamtlichen Löschtrupps. In seiner Garage wurde die Ausrüstung gelagert. 1200 Freiwillige hätten sich in der Region insgesamt gemeldet. Die Behörden versprachen ihnen umgerechnet 2,50 Euro pro Stunde. „Die Entschädigung wurde noch nicht ausgezahlt“, erzählt er. In der Regel fließe das Geld zum Jahresende. Der Familienvater geht mittlerweile wieder als Vermieter von Räumen seinem Job nach.

Klimawandel begünstigt Waldbrände in Russland

Wald- und Flächenbrände sind in den Sommermonaten in dem flächenmäßig größten Land der Erde nicht ungewöhnlich. Bedingt durch die Trockenheit auch im Zuge des Klimawandels haben sie in diesem Jahr aber einen Negativrekord erreicht. Der Rauch der Feuer zog Tausende Kilometer bis nach Kasachstan und an den Nordpol. Hunderte Dörfer und viele Städte Russlands lagen über Wochen in dichtem Qualm. Grenzwerte von giftigen Stoffen in der Luft wurden vielfach überschritten.

Jakutien, wo die Temperaturen im Winter auf minus 40 Grad und tiefer fallen, die Sommer dagegen drückend heiß sein können, ist nur dünn besiedelt. Hauptaufgabe der Feuerwehr war es, Dörfer vor den Flammen zu schützen. Dutzende Häuser sind dennoch niedergebrannt. Der Wiederaufbau sollte noch vor dem Winter abgeschlossen sein.

Neben Handwerkern sind nun auch Tierärzte gefragt. In sozialen Netzwerken sind Videos etwa von Katzen mit verbranntem Fell zu sehen. Bewohner zeigen verkohlte Überreste von Hunden, die an der Kette einen qualvollen Tod sterben mussten. Viele Haustiere konnten nicht gerettet werden. Wie viele Wildtiere den Sommer nicht überlebt haben, weiß niemand.

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Umweltschützer hoffen, dass mit dem Herbstregen demnächst bald alle Brände in den Wäldern und Steppen von allein gelöscht sind. Gefahr droht allerdings noch: Wenn Torfbrände unter der Erdoberfläche selbst im Winter weiter glimmen – und im Frühjahr neue Feuer auslösen.