Lava fließt auf der Reykjanes-Halbinsel im Südwesten Islands aus dem Vulkan Fagradalsfjall.  Foto: dpa/Marco di Marco

Ein isländischer Vulkan hat bei seinem ersten Ausbruch seit 900 Jahren den Himmel in ein feuriges Rot getaucht. Nachdem sich der Lavastrom am Sonnabend unter Regenschauern langsam abschwächte, stiegen blaue Gase und Dampfwolken über dem Vulkan Fagradalsfjall rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Reykjavik auf. Am Sonntag schien er langsam wieder zur Ruhe zu kommen.

Filmaufnahmen zeigten dramatisch wirkende Aufnahmen von brodelnder Lava, die sich in das Geldingadalur-Tal ergoss. Die Lava habe sich nur auf einem Gebiet von weniger als einem Quadratkilometer ausgebreitet, teilte der Wetterdienst IMO mit. Ganz in der Nähe befindet sich ein beliebtes Ziel von Touristen, die geothermische Blaue Lagune.

Da das Gebiet rund um den Vulkanausbruch unbewohnt ist, drohte für die Bevölkerung laut Behörden und Experten keine unmittelbare Gefahr. Das Tal sei der „ideale“ Ort für eine Eruption, sagte der Geophysiker Magnus Tumi Gudmundsson von der Isländischen Universität vor Journalisten. Er verglich die Senke mit einer „Badewanne, in die die Lava langsam auslaufen kann“.

Rot erleuchteter Himmel nach einem Vulkanausbruch am Berg Fagradalsfjall. Foto: Imago/T. Seeliger

Der Berg Fagradalsfjall liegt auf der Halbinsel Reykjanes, unweit des internationalen Flughafens Keflavik und des kleinen Fischereihafens Grindavik. Der 54-jährige Hafenbeamte Sigurdur Kristmundsson sagte, dass die Einheimischen freudig erregt über den Ausbruch seien. „Niemand ist in Gefahr“, sagte er und fügte hinzu: „Also glaube ich, dass die Leute aufgeregt sind und keine Angst haben.“

Wer östlich des Vulkans lebt, musste die Fenster schließen

Die Polizei ordnete für östlich des Vulkanausbruchs lebende Einwohner an, alle Fenster zu schließen und die Gebäude nicht zu verlassen. Dies wurde mit möglichen Schwefeldioxid-Emissionen aus dem Vulkanausbruch begründet, die gesundheitsgefährdend, wenn nicht lebensgefährlich sein könnten.

Der Vulkan liegt unweit der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Foto: dpa/Department of Civil Protection

Der Zugang zu dem Gebiet war vorübergehend gesperrt worden, wurde inzwischen aber wieder freigegeben. Die isländische Katastrophenschutzbehörde riet jedoch von mehrstündigen Wanderungen über die nächstgelegene Straße ab. Solche Ausflüge sei nur für jene empfehlenswert, die es gewohnt seien, sich unter schwierigen Bedingungen im Freien zu bewegen, warnte die Behörde.

Mehrere Erdbeben könnten den Vulkanausbruch begünstigt haben

Der Fagradalsfjall war in der Nacht zum Sonnabend infolge mehrerer Erdbeben ausgebrochen. Der Lavastrom ergoss sich aus einem etwa 500 bis 700 Meter langen Bodenriss in Geldingadalur in der Nähe des Berges Fagradalsfjall, wie auf Video-Aufnahmen der Küstenwache zu sehen war.

Foto: dpa/Marco di Marco Laut dem Meteorologischen Dienst des Inselstaats wurden zwar nur leichte seismologische Ausschläge gemessen. Dennoch riss die Oberfläche des Vulkans auf einer Länge von 500 Metern auf und kleine Lavafontänen spritzten in die Höhe.

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Das betroffene Vulkansystem Krýsuvík war nach Behördenangaben in den vergangenen 900 Jahren inaktiv. Die Region steht jedoch seit einigen Wochen unter verstärkter Beobachtung, nachdem am 24. Februar ein Erdbeben der Stärke 5,7 in der Nähe des Berges Keilir registriert worden war. In der Folge kam es zu einer ganzen Serie kleinerer Erschütterungen. Insgesamt wurden mehr als 50.000 Erdbeben gemessen, die höchste Zahl seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen 1991.

Island hat 32 aktive Vulkansysteme, im Schnitt ereignet sich alle fünf Jahre ein Ausbruch. Im April 2010 hatte die Eruption des kleineren Vulkans Eyjafjallajökull einen Monat lang den Flugverkehr in Europa lahmgelegt. Mehr als 100.000 Flüge wurden damals gestrichen, gut zehn Millionen Reisende saßen zum Teil tagelang auf Flughäfen fest.