Das Archivbild vom 18. November 1994 zeigt die Bergung der Bugklappe der gesunkenen Fähre „Estonia“ durch den norwegischen Eisbrecher „Nordica“ nahe der Insel Utoe vor der finnischen Küste.  dpa/Jaakko Avikainen

Knapp 27 Jahre nach dem Untergang der Ostsee-Fähre „Estonia“ haben Ermittlungsbehörden aus Estland und Schweden mit neuen Untersuchungen am Wrack des Schiffes begonnen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Seit Freitag findet bis zum 18. Juli eine Vorstudie statt, bei der das Wrack und der Meeresboden mit Echolot- und Sonargeräten untersucht werden. Auch ein Unterwasserroboter mit Kamera kommt zum Einsatz. Die Daten, die mithilfe von Experten der Stockholmer Universität SU erhoben werden, sollen später visualisiert werden, was mehrere Monate dauern kann. Umfassendere Untersuchungen sind dann im nächsten Frühling geplant.

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dpa/epa/Lehtikuva
Die Ostsee-Fähre „Estonia“ war 1994 auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm gesunken.

Gedenkzeremonie für die Opfer des Schiffsunglücks

Wie die schwedische Havariekommission mitteilte, trafen das schwedische Schiff „Electra af Askö“ und die estnische „Eva 316“ in der Nacht zum Freitag für die Vorstudie an der Unglücksstelle ein. Auf einem weiteren Schiff der estnischen Grenzwache hielten Bischöfe aus Finnland, Schweden, Estland und Lettland mittags zunächst eine Gedenkzeremonie für die Opfer ab, ehe bis zum Abend Untersuchungen mit einem sogenannten Multibeam-Echolot durchgeführt wurden. Wegen hohen Seegangs wurden die Arbeiten rund um das in knapp 80 Metern Tiefe liegende Wrack am späten Abend zunächst abgebrochen. Wie es am Sonnabend weitergehen sollte, war von den Wettervorhersagen abhängig. 

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Schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Die „Estonia“ war in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm vor der finnischen Südküste gesunken. 852 Menschen starben, nur 137 überlebten, womit der Untergang als schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg gilt. Laut dem offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 war das abgerissene Bugvisier die Ursache für den Untergang. Bis heute gibt es aber Zweifel an der Unglücksursache. Überlebende und Hinterbliebene fordern seit langem, dass die Untersuchungen wieder aufgenommen werden.

Dokumentarfilmer hatten vergangenes Jahr enthüllt, dass sie mit einem Tauchroboter unter anderem ein mehrere Meter großes Loch im Schiffsrumpf entdeckt haben. Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack als Ruhestätte unter Schutz und darf gemäß einem verhängten Grabfrieden nicht aufgesucht werden. Schweden hat nach den Enthüllungen gesetzliche Änderungen auf den Weg gebracht, damit Behörden die Funde genauer untersuchen können. Diese Änderungen sind Anfang Juli in Kraft getreten.