Erst nach der Übergabe des Geldes fällt vielen Senioren auf, dass sie einen Fehler gemacht haben. Foto: Imago/imagebroker

Es passiert immer und immer wieder: Obwohl die Sicherheitsbehörden viel Aufklärungsarbeit leisten, fallen immer wieder arme Senioren auf dreiste Enkeltrick-Betrüger herein. Erst am Wochenende hatten die kriminellen Abzocker mit ihrer miesen Masche Erfolg, räumten das Konto einer 86 Jahre alten Rentnerin leer. Die Polizei warnt vor den Tätern.

Der aktuelle Fall ereignete sich in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern. Laut Polizei rief der Täter eine 86 Jahre alte Frau an, telefonierte fast zwei Stunden lang mit ihr. Im Laufe des Gesprächs gab er sich als ihr Enkel auf und erzählte ihr, dass er dringend Geld benötige, um Steuern auszugleichen. Mit seiner dreisten Masche gelang es ihm, die Seniorin nach Bargeld in ihrem Haus auszufragen – und sie dazu zu bringen, dass sie das Geld am Telefon vorzählte. Dann vereinbarten die beiden einen Ort für die Übergabe.

Die Suche nach den miesen Enkeltrick-Betrüger blieb bisher erfolglos

Bei der Übergabe tauchte dann jedoch eine Frau auf, sie gab sich als Freundin des angeblichen Enkels aus. Sie nahm insgesamt 18.000 Euro von der alten Dame entgegen. Der Sohn des Opfers schaltete die Polizei ein, doch die Suche nach den Tatverdächtigen blieb bisher erfolglos. Das Geld ist futsch.

Erst Anfang Mai war es eine 80 Jahre alte Frau in Ribnitz-Damgarten, die auf die Masche hereinfiel. Dabei gab eine Anruferin vor, die Enkelin der 80-Jährigen zu sein und 23 000 Euro für einen schnellen Hauskauf mit günstigem Rabatt zu benötigen. Als die Seniorin erklärte, sie habe nur 13 000 Euro im Haus, sollte aber auch dies reichen. Die Anruferin versprach, das Geld auch sofort zurück zu überweisen und lotste dafür einen angeblichen Notar ans Telefon. Dieser rief die 80-Jährige mehrfach an, um zu verhindern, dass diese zu anderen Kontakt aufnimmt. Eine Stunde nach dem ersten Anruf war ein Mann als Bote da, nahm das Geld und ging. Erst danach habe die Seniorin ihre echte Enkelin angerufen und der Betrug flog auf.

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Es geht alles einfach so schnell – nicht umsonst warnt die Polizei immer wieder vor den dreisten Abzockern. Es hilft schon, den Ablauf zu erkennen – denn die Enkeltrick-Betrügereien laufen immer gleich ab. „Klassischerweise lässt der Täter bei dem Anruf seinen Namen erraten (z.B. ,Hallo Oma! …weißt Du nicht wer dran ist?‘) und baut durch diesen erregten Irrtum sofort Vertrauen auf“, heißt es etwa auf einer Beratungsseite der Hamburger Polizei.

Die Täter bauen bei ihren Anrufen zeitlichen und psychischen Druck auf

Nach einem kurzen Gespräch wird dann eine angebliche Notsituation geschildert. „Die Täter bauen bei ihren Anrufen immer einen immensen zeitlichen und psychischen Druck auf, stellen ihr Anliegen als äußerst dringlich dar und setzen auf unbedingte Geheimhaltung“, heißt es weiter. Und: Wird die Übergabe des Geldes vereinbart, ist der angebliche Enkel verhindert – und kündigt an, einen Kollegen oder einen Partner zu schicken.

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Die Polizei rät deshalb: „Fordern Sie immer Ihr Gegenüber auf, selbst seinen Namen zu sagen. Seien Sie immer dann besonders misstrauisch, wenn Sie am Telefon zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen befragt werden.“ Finanzielle Bitten sollten immer genau überdacht werden. Betroffene sollten außerdem gezielte Nachfragen stellen. Vielleicht sogar auflegen und den eigenen Enkel unter der bekannten Telefonnummer anrufen – um festzustellen, ob es sich wirklich um Angehörige handelt. Außerdem sei es wichtig, nie Geld an unbekannte Personen zu übergeben. Und: „Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen. Damit entziehen Sie den Tätern die Grundlage, auf Sie aufmerksam zu werden“, rät die Polizei.