Im Werk von Dr. Oetker laufen Pizzen vom Band. Foto: dpa/Jens Büttner

Kaum zu glauben für Jüngere, dass es früher keine Pizza in Deutschland gab. Heute ist Pizza ein Massenprodukt, ein globales Nationalgericht – für jeden Geschmack und Geldbeutel adaptierbar. In der Corona-Krise ist sie in aller Munde. Millionen bestellten sie nach Hause oder machten sie sich selber. Denn: Pizza geht immer. Die deutsche Tiefkühlindustrie erwartet 2020 „einen neuen Höhepunkt“ im Absatz von Tiefkühlpizza. „Tendenz steigend.“ Wir erklären die Pizza in neun Stichworten.

50 Jahre Tiefkühlpizza: Mit der Sorte „Pizza alla Romana“ für damals etwa 3 D-Mark („belegt mit echt italienischem Mozzarella- und Provolone-Käse, Mortadella, Tomaten und Paprika“, „backofenfertig im praktischen Alu-Teller“) brachte der Lebensmittelhersteller Dr. Oetker 1970 die erste Tiefkühlpizza in den deutschen Handel. Bis heute boomen Tiefkühlpizzen. So isst jeder Bundesbürger im Jahr laut Branchenverband Tiefkühlinstitut umgerechnet 13 Stück. Vor zehn Jahren waren es erst zehn, vor 20 Jahren fünf und vor 30 Jahren drei.

Pizzatag: Bei irgendeinem Lieferservice ist immer Pizzatag und es wird mit Angeboten gelockt. Davon abgesehen gibt es eine Reihe kurioser Feiertage und Marketing-Gags rund um die Pizza . Beispiele: In den USA ist am 9. Februar „National Pizza Day“, den manche auch zum Internationalen Pizzatag ausrufen wollen. Am 9. Oktober ist zudem „Bier-und-Pizza-Tag“, der diese Kombination feiern soll, und am 25. Oktober ist „Welttag der Pizzabäcker“ (World Pizza Makers Day).

Die erste deutsche Tieflkühlpizza aus dem Jahr 1970. Foto: dpa/Dr. August Oetker KG Firmenarchiv

Pizzaiuolo: Die Kunst und Tradition des Pizzabäckers aus Neapel – also des neapolitanischen „Pizzaiuolo“ (auch Pizzaiolo oder weiblich der Pizzaiola) – erkannte die Unesco 2017 als Immaterielles Kulturerbe an. Darauf ist die süditalienische Metropole stolz.

Pizzeriapionier: 2022 ist es 70 Jahre her, dass in der Bundesrepublik die erste Pizzeria eröffnet wurde. Der 2015 mit 93 Jahren gestorbene Italiener Nico di Camillo aus den Abruzzen eröffnete sie 1952 mit seiner deutschen Frau Marianne „Janina“ Schmitt in Würzburg. Erst kamen überwiegend amerikanische Soldaten, dann brachten die ihre deutschen Freundinnen mit. Als mit wachsendem Wohlstand die Reisewelle begann, war das „Sabbie di Capri“ (Sand von Capri) für Fans italienischer Küche ein Stück Bella Italia am Main.

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Pizzaketten: Die Fachzeitschrift „Food Service“ erstellt ein Umsatz-Ranking der Pizzaketten in Deutschland. Auf Platz eins lag 2019 – vor der Corona-Krise – mit 235 Millionen Euro Umsatz Domino’s, die auch Hallo Pizza übernommen haben. Dahinter lagen die Pizza-Restaurantkette L’Osteria (210 Millionen Euro), gefolgt von der 2020 in die Insolvenz geschlitterten Kette Vapiano, deren wesentliche Teile inzwischen an ein Konsortium unter Führung eines ehemaligen Vorstandsmitglieds verkauft wurden. Dahinter kamen mit Abstand Ketten wie Call a Pizza , Smiley’s, Pizza Hut und Freddy Fresh.

Pizzateig: Er besteht aus Wasser, Salz, Bierhefe und feinem Weizenmehl. Der aufgegangene Teig wird dann als Scheibe mit etwa 25 Zentimeter Durchmesser mit kräftigem Rand ausgezogen und im Holzofen bei mehr als 450 Grad gebacken. Längst haben sich verschiedene Varianten und auch niedrigere Temperaturen etabliert. Im Zuge des Eiweiß- und Low-Carb-Trends gibt es auch Protein-Pizzateig-Rezepte mit Magerquark oder aber Böden aus Blumenkohl, Ei und Käse, Thunfisch oder Huhn sowie natürlich glutenfreie Varianten – ein großer Hype.

Mit Mehl bestäubter Pizzateig. Foto: Imago-Images/Matttilda

Pizzaruhe: Wie lange der Hefeteig einer Pizza ruhen soll, ist zu einer Art Kulturkampf geworden. Viele angesagte Restaurants werben inzwischen mit 24-Stunden- oder gar 72-Stunden-Teig. Viele Rezepte im Internet sind dagegen eher für einen Pizza -Quickie gemacht, bei dem das Gehenlassen an einem warmen Ort nur 30 Minuten oder ein paar Stündchen dauert. Expertenweisheit: Je länger der Pizzateig langsam gehen könne, desto lockerer, luftiger und geschmackvoller werde er.

Pinsa: Bislang ist Pinsa in Deutschland noch recht unbekannt. Gastronomen sind sich aber sicher, dass der Mehlmixfladen mit langer Gehzeit der nächste Foodtrend wird. Die Pizza-Neuinterpretation ist außen knusprig und innen fluffig. Sie besteht aus Weizenmehl sowie leichtem Reismehl, stabilisierendem Sojamehl und für die Bekömmlichkeit Sauerteig. Auf ein Kilo Pinsateig-Mehl kommt fast ein Liter Wasser, deutlich mehr als bei der klassischen Pizza. Pinsateig soll bis zu fünf Tage im Kühlschrank ruhen, was ihn leichter verdaulich macht. Der Teig mit den Luftblasen kann wie eine Pizza, aber auch ohne Tomate, also weiß, oder gar süß oder auch erst nach dem Backen belegt werden. Dass die Pinsa eine etwa 2000 Jahre alte Tradition hat, ist als Flunkerei enttarnt. „All das ist ein frei erfundener Mythos“, klärt Bessem Lamari von der „Pinsa Manufaktur“ in Stuttgart auf. Tatsächlich ist die Pinsa eine Erfindung aus dem Jahr 2001, entwickelt vom italienischen Backwarenunternehmen Di Marco.

Die Pinsa könnte zum neuen Pizza-Trend werden. Durch die Mischung verschiedener Mehle ist sie besonders fluffig. Foto: dpa/Florian Luxemburger

Schokopizza: Nicht alles rund ums Thema Pizza ist ein Erfolg. Dr. Oetker nahm seine Schokoladen-Tiefkühlpizza („Pizza Dolce al Cioccolato“) 2019 nach etwa zwei Jahren wegen geringer Nachfrage wieder vom Markt. Über die süße Variante des sonst herzhaften Produkts war in sozialen Medien heiß diskutiert worden.