Illustration einer Jägerin von vor 9000 Jahren in den Anden Foto: Matthew Verdolivo, UC Davis IET Academic Technology Services

Auch Frauen machten in der Steinzeit Jagd auf Großwild. Das schließen Forscher aus der Untersuchung frühzeitlicher Grabstätten. Die Annahme, dass nur Männer Jäger gewesen seien, sei damit überholt, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“.

2018 entdeckten Forscher bei archäologischen Ausgrabungen in den Anden in Peru ein Grab mit menschlichen Überresten. Analysen der Knochen und des Zahnschmelzes zeigten, dass dort eine Frau bestattet war. In dem Grab befand sich zudem eine Jagdausrüstung mit Projektilspitzen und Werkzeugen zur Tierverarbeitung. Da Grabbeigaben in der Regel Gegenstände waren, die die Menschen im Leben begleitet haben, liege es nahe, dass die Frau Jägerin war, so die Forscher.

Arbeitsteilung in der frühen Geschichte war wahrscheinlich gerechter

Doch ist die Jägerin ein Einzelfall? Mit Blick auf frühere Aufzeichnungen identifizierten die Forscher weitere Grabstätten aus dem späten Pleistozän und frühen Holozän in Nord- und Südamerika. Von den insgesamt 429 Verstorbenen waren 27 mit Jagdutensilien bestattet worden, elf davon waren Frauen. Die Stichprobe zeige, „dass die Teilnahme von Frauen an der frühen Großwildjagd wahrscheinlich nicht außergewöhnlich war“, teilen die Forscher mit.

„Die Studie präsentiert eine einzigartige Reihe von Beweisen für die regelmäßige Beteiligung von Frauen an der Großwildjagd“, sagte auch Steven Goldstein vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, der nicht an der Untersuchung beteiligt war. Es sei bereits zuvor bekannt gewesen, dass Frauen sich indirekt an der Jagd beteiligt hatten, etwa bei Netz- und Treibjagden. Sie hätten außerdem mitunter Jagdwaffen hergestellt oder an Jagd-Zeremonien mitgewirkt. Belege für direkte Projektiljagd seien selten. Ethnohistorisch böten die Inupiat in Alaska das einzige wirkliche Beispiel für Frauen, die mit Waffen an der Jagd teilnahmen: auf Wale.

Von den insgesamt 429 Verstorbenen waren 27 mit Jagdutensilien bestattet worden, elf davon waren Frauen. Foto: Randall Haas / UC Davis / AFP

„Eine archäologische Entdeckung und die Analyse früherer Bestattungspraktiken hebt die langgehegte Hypothese vom Mann als ‚den Jäger‘ auf“, sagte Studienleiter Randy Haas von der University of California Davis, USA. Die Ergebnisse seien angesichts der Diskussionen über geschlechtsspezifische Arbeitsweisen und Ungleichheiten durchaus aktuell.

Die Arbeitspraktiken in den jüngeren Jäger-Sammler-Gesellschaften seien stark geschlechtsspezifisch gewesen. Dies führe einige zu der Annahme, dass heutige sexistische Ungleichheiten in Bezug auf Bezahlung oder Rang irgendwie „natürlich“ seien, sagt Haas. Aber es sei jetzt klar, dass die Arbeitsteilung nach Geschlecht in der tieferen Vergangenheit unserer Spezies grundlegend anders war – „vermutlich gerechter“.