Virologin Jana Schroeder bei Markus Lanz Screenshot/ZDF

Es sind viele Mythen im Umlauf was Kinder und das Coronavirus angeht. Coronaleugner und andere Gegner der Infektionsschutzmaßnahmen schieben die kleinsten unserer Gesellschaft gerne vor, wenn es darum geht, auf Öffnungen zu drängen und missbrauchen sie für ihre Zwecke. Einer der hartnäckigsten Mythen: Kinder spielen für den Verlauf der Pandemie keine Rolle. Doch damit räumte eine Virologin am Dienstagabend bei Markus Lanz nun auf – mit Fakten.

Markus Lanz' Corona-Talk mit Jana Schroeder und Peter Tschentscher

Markus Lanz hatte sich neben der Virologin Jana Schroeder auch Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher eingeladen. Mit ihm redete Lanz über seine Maßnahmen. Denn in Hamburg herrscht eine Ausgangssperre, der Einzelhandel hat geschlossen, Schulen sind aber offen. Das liegt daran, dass immer wieder zu hören ist, dass Schulen keine Pandemietreiber seien. Doch dem steht ein Fall aus einer Hamburger Schule aus dem September 2020 deutlich entgegen. In dem gut erforschten Beispiel gingen 32 Infektionen auf einen einzigen Schüler zurück.

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Lanz konfrontierte Tschentscher und sagte: „Die politische Erzählung, Schulen sind keine Infektionstreiber, ist doch so nicht mehr zu halten.“ Dem konnte Virologin Jana Schroeder nur zustimmen. Und das belegte sie mit Zahlen: So liege die aktuelle Inzidenz in Schroeders Heimatstadt Münster bei rund 100, in der Gruppe der Kinder liege sie aber mehr als doppelt so hoch bei 222! Das sei ein deutliches Zeichen, dass man sich dieser Bevölkerungsgruppe widmen sollte, zumal diese Gruppe aktuell noch nicht geimpft werden könne.

Zwar sei es richtig, dass Kinder nur selten schwer erkranken, gab Schroeder zu, dafür infizieren sie sich aber aktuell sehr oft. Und infizierte Kinder können das Virus weitertragen oder selbst später an Long-Covid oder dem Pims-Sindrom (Überreaktion des Immunsystems) leiden. Zudem sei noch immer nicht abzusehen, ob eine Coronainfektion vielleicht auch bei Kindern Spätfolgen auslöse, von denen man heute noch nichts weiß.

Schroeder sagte, dass die Gesellschaft für Virologie bereits im August 2020 darauf hingewiesen habe, dass man die Gefahr von Infektionen bei Kindern nicht ausschließen dürfe. Doch das sei in den Diskussionen um Schulöffnungen untergegangen. Es sei dabei ausschließlich um die sozialen Folgen, die verpasste Bildung und das Betreuungsproblem für berufstätige Eltern gegangen, moniert Schroeder und fordert „ein Ehrlichmachen in der Debatte“. Es sei nicht so, „als würde das Infektionsgeschehen vorbeigehen an den Schulen“, sagt die Wissenschaftlerin.

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Schroeder fordert, dass die Politik eine Strategie mit einer „gewissen Solidarität den Kindern gegenüber“ entwickelt. Die Inzidenzen müssten so weit heruntergebracht werden, „dass Kinder sicher in die Schule gehen können“. Es dürfe nicht die Frage gestellt werden, ob Schulen zu oder auf sind. Die entscheidende Frage sei, ob die Schulen sicher sind und da gebe es leider Defizite. In den allermeisten Schulen gebe es keinen Luftfilter und auch das digitale Lernen habe sich kaum weiterentwickelt. Und dann sind da noch die Infektionszahlen und die sind einfach viel zu hoch.