Kommt die nächste Welle auf uns zu? Die Coronavirus-Mutante B1.1.7. macht Gesundheitsexperten Sorge. Foto: Imago/Christian Ohde

Mit entgegengesetzten Vorschlägen zu möglichen Lockerungen haben sich zwei Corona-Experten zu Wort gemeldet. Alexander Kekulé hält es für falsch, die bisherige Strategie im Kampf gegen die Corona-Pandemie fortzuführen. Der Virologe will den harten Lockdown durch gezieltere, kleinteilige Maßnahmen ersetzen. Technische Möglichkeit würden es erlauben, „viel selektiver vorzugehen, als einfach nur pauschale Lockdowns zu verhängen“, so Kekulé in der Welt. Überall, wo Menschen zusammenkommen, müssten Masken getragen werden. „Da gibt es insbesondere in der Arbeitswelt noch viele Lücken, von Taxifahrern über Paketzusteller im Treppenhaus bis zu Handwerksbetrieben und Büros.“

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Ziel sollte es sein, „einen stabilen Gleichgewichtszustand herzustellen, bei dem wir eine Inzidenz von deutlich unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner halten. Dieser Puffer ermöglicht es uns, ein sozial und wirtschaftlich halbwegs normales Leben zu führen und trotzdem das Virus in Schach zu halten.“

Lauterbach sieht Mutanten-Virus-Welle ab März auf uns zuschwappen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigt sich trotz sinkender Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen hingegen skeptisch, ob baldige Lockerungen der staatlichen Beschränkungen möglich werden. Grund sind die um sich greifenden, wahrscheinlich deutlich ansteckenderen Virusmutanten, wie der Mediziner auf Twitter schrieb. In eigenen Berechnungen komme er zu dem Ergebnis, dass bei derzeitiger Ausbreitung der Mutanten die Fallzahlen nur noch bis Ende Februar sinken dürften, dann komme eine dritte Welle der Pandemie.

Die britische und südafrikanische Variante des Coronavirus gelten als ansteckender, auch in Deutschland sind sie aufgetaucht. Lauterbach schrieb, nach seiner Einschätzung hätten sie Stand heute einen Anteil von rund 20 Prozent. Auch andere Experten hatten sich skeptisch geäußert, ob Lockerungen der Corona-Einschränkungen sinnvoll sind, auch wenn die Infektionszahlen hierzulande sinken.

Somit sei die Entscheidung bei den Bund-Länder-Beratungen an diesem Mittwoch „extrem schwer“, schrieb Lauterbach: Die Bevölkerung erwarte Lockerungen, weil die Fallzahlen sinken. Epidemiologisch gesehen „müssten wir sogar verschärfen“, weil eine dritte Welle mit „Turbo-Virus“ drohe, warnte er. Zusätzlich gefährdeten Lockerungen den Impferfolg, weil bei einigen Mutanten Impfungen weniger gut wirkten.

Weiter schrieb Lauterbach: „Die politisch schlechteste Lösung wäre: Warten, bis die dritte Welle beginnt, weil dann die Bevölkerung reif für die schlechte Nachricht wäre. Das wäre falsch. Weil die verlorene Zeit nicht einholbar ist. Es bliebe nur Lockdown bis Ostern. Jetzt sind Mut und Transparenz gefragt.“