Der Virologe Prof. Alexander Kekulé. Foto: imago images/Müller-Stauffenberg

Deutschland macht sich nach und nach frei von Corona-Beschränkungen, Restaurants und Ausflugslokale haben auf, man darf ins Fitnessstudio und auch die Urlaubs-Sehnsucht vieler Bundesbürger könnte sich bald wieder erfüllen. Die zum 14. Juni auslaufende weltweite Reisewarnung, also quasi das Reiseverbot, soll nicht verlängert, sondern ersetzt werden durch Reisehinweise. Gelockert werden solle auch bei den Kitas, so wird gefordert. Experte Alexander Kekulé mahnt zur Vorsicht.

Der Virologe warnt angesichts der vielen neuen Lockerungswünsche: „Da riskiert man letztlich am Ende des Tages immer Tote – ob man Urlaub fordert, ob man Altenheimbesuche fordert“, sagte Alexander Kekulé im Podcast „Kekulés Corona-Kompass“ vom „MDR“. Gleiches gelte für die Forderung nach Schul- und Kitaöffnungen. Dabei nehme man Opfer in Kauf. „Das muss man so brutal sagen.“ Man könne aber auch nicht um jeden Preis alle Opfer verhindern. „Das wäre gesellschaftlich nicht vertretbar.“ Ein perfekter Schutz sei nicht möglich.

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Was die geplanten Grenzöffnungen betrifft, sagte Kekulé bereits vor einer Woche im MDR, dass er diese für „ein bisschen zu schnell“ hält. Er äußerte die Befürchtung, dass das Corona-Virus langfristig immer wieder über die Grenzen eingeschleppt werde. Aus virologischer Sicht seien Grenzöffnungen verantwortbar, wenn es auf beiden Seiten der Grenze ähnlich viele Corona-Nachweise gebe und auch die Kontrollmechanismen ähnlich seien, argumentierte der Virologe der Universität Halle. Bei Österreich sei das sicher der Fall, bei Frankreich eher nicht. „Frankreich ist wesentlich schlechter aufgestellt bei der Nachverfolgung durch die Gesundheitsämter als Deutschland“, warnte Kekulé.

Kekulé pocht auf weitreichende Schutzmaßnahmen

Was die Kitas betrifft, ging es um die Forderung mehrerer medizinische Fachgesellschaften nach umgehender und unbeschränkter Wiederöffnung. Kekulé äußerte Verständnis für das Anliegen und betonte, dass man aufpassen müsse, „dass die Kollateralschäden unserer Maßnahmen nicht schwerer werden als die Schäden durch die Erkrankung selbst“. Auch gesundheitliche Schäden von Kindern im Lockdown zählten dazu. Er sehe aber nicht, wie man aus den vorhandenen Daten schließen könne, dass Kinder nicht maßgeblich an der Verbreitung des Virus beteiligt seien. „Es kann schon sein, dass wir irgendwann rauskriegen, das mit den ganzen Schulschließungen hätten wir nicht machen müssen – aber bis jetzt gibt es dafür keine Evidenz.“

Kekulé pocht auf weitreichende Schutzmaßnahmen auf dem Weg aus dem Lockdown. Er plädierte etwa dafür, ältere Menschen für ihren Alltag mit professionellen Infektionsschutzmasken (FFP2-Masken) auszustatten, und für „breite Verfügbarkeit von Tests“ - auch für Besucher in Altenheimen.