Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier applaudiert dem Virologen Christian Drosten, den er zum Tag der Deutschen Einheit im Schloss Bellevue mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet hat.  Foto: dpa/Michael Sohn

An ihm haben sich viele Menschen festgehalten, als sie im März nicht wussten, wohin mit sich. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité avancierte mit seiner unaufgeregten und geduldigen Art zu einem der Helden in der Corona-Krise. Nun ehrte ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. 

Zwei Tage vor dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit wurden neben dem Berliner Virologen 14 weitere Bürger aus zehn Bundesländern mit dem Orden ausgezeichnet. Unter ihnen waren unter andere der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) und der Pianist Igor Levit. Steinmeier sagte in seiner Ansprache, er wollte anlässlich des 3. Oktobers Menschen auszeichnen, die „sich um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft verdient gemacht haben“. 

Der Pianisten Igor Levit erhielt den Verdienstorden für sein Engagement gegen Antisemitismus und die Ausgrenzung von Minderheiten. Foto: dpa/Michael Sohn

Es gehe um sieben Frauen und acht Männer, „die anderen zur Seite stehen; die mithelfen, Mauern abzutragen; die dafür sorgen, dass wir miteinander im Gespräch bleiben“. Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, „wie viel Solidarität und Gemeinsinn in unserer Gesellschaft steckt“, hob Steinmeier hervor. Allerdings sei auch mancherorts der Ton im öffentlichen Raum rauer geworden. Steinmeier rief dazu auf, sich an wissenschaftlichen Befunden zu orientieren, „statt sich von Fake News oder Verschwörungsmythen treiben zu lassen“.

Die Preisverleihung an Drosten begründete das Präsidialamt damit, dass der Virologe „weltweit anerkannte Erkenntnisse zum Corona-Infektionsgeschehen“ beigetragen habe. Besonders bekannt wurde er durch seinen Podcast im NDR, in dem er anfangs täglich, später etwas seltener die neusten Erkenntnisse über das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 zusammenfasste und auch für Laien versuchte verständlich zu machen. Darin erklärte er auch, wie Wissenschaft funktioniert, wie die Prozesse ablaufen, dass es bei der Erschaffung von Wissen immer wieder Widersprüche geben kann und der Stand am heutigen Tage morgen durch eine andere Studie widerlegt werden kann.

Die Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim erhielt für ihren multimedialen Einsatz zur verständlichen Vermittlung von Wissenschaft das Verdienskreuz am Bande. Foto: dpa/Michael Sohn

Neben Drosten, Pusch und Levit wurden auch der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsperger für seinen Einsatz für Toleranz und Weltoffenheit, insbesondere gegen Homophobie und Sexismus und Birgit Brandtscheit aus Sachsen-Anhalt für den Aufbau der „Zerbster Tafel“ geehrt. Die weiteren Ordensträger sind Schauspielerin Sandra Hüller, die Aktivistin für Behindertenrechte Hannah Kiesbye, die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, die frühere DDR-Regimekritikerin Elke Schlegel, der Schriftsteller Ingo Schulze, die Rassismuskritikerin Leila Younes El-Amaire, der frühere THW-Präsident, Albrecht Broemme, die baden-württembergische Notärztin Lisa Federle, der Naturschützer Kai Fröbel, Toralf Herzog, der in Mecklenburg-Vorpommern ein Corona-Abstrichzentrum einrichtete.