Weniger als drei Stunden, bevor er an seiner Oxford High School ein Blutbad anrichtete, musste der Amokschütze von Michigan beim Schuldirektor erscheinen, zusammen mit seinen Eltern Jennifer und James Crumbly. Laut Polizei ging es um nicht genauer beschriebene „Verhaltensprobleme“. Um 12.45 Uhr kehrte Ethan Crumbly dann allein zu seiner Schule zurück – mit einer halbautomatischen Pistole, die er von seinem Vater gestohlen hatte.

Wurde Ethan Crumbly in der Vergangenheit von seinen Mitschülern drangsaliert und gemobbt?

Laut der Polizei gibt es keine offiziellen Aufzeichnungen der Schuloffiziellen darüber, dass der Zehntklässler von seinen Mitschülern jemals gemobbt oder gehänselt wurde. Das hatten andere Schüler nach der Tat behauptet. Zu einem Motiv schweigt der Teenager eisern. Staatsanwältin Karen McDonalds enthüllte bei der ersten Anhörung vor dem Haftrichter, dass die Ermittler ein Tagebuch im Rucksack des Teenagers gefunden hatten. In dem habe Crumbly detailliert beschrieben, wie er andere Schüler an seiner Schule erschießen will. 

Am Wochenende vor der Tat hatte der 15-Jährige auf Instagram zwei Fotos der Sig Sauer 9mm-Pistole seines Vaters gepostet. Er behauptete, dass die Waffe ihm gehört und prahlte: „Ich habe meine neue Schönheit heute bekommen. SIG Sauer 9MM. Fragt mich, ich beantworte alle Fragen.“

Für seinen Amoklauf am Dienstag hatte er drei Magazine mit jeweils 15 Kugeln und noch weitere einzelne Kugeln in der Hosentasche mit dabei. Crumbly feuerte insgesamt 30 Mal. Dabei kamen seine Mitschüler Tate Myre (16), Hana St Juliana (14) und Madisyn Baldwin (17) ums Leben. Justin Shilling (17) starb Mittwochmorgen im Krankenhaus. Sechs weitere Schüler im Alter von 14 bis 17 und eine Lehrerin liegen im kritischen Zustand im Krankenhaus.

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Ethan Crumbly soll nach Erwachsenenstrafrecht wegen vierfachen Mordes und einer Terrorattacke angeklagt werden

Die Staatsanwaltschaft entschied, Crumbly nach dem Erwachsenenstrafrecht wegen vierfachen Mordes und einer Terrorattacke anzuklagen. Bei einer Verurteilung droht dem Teenager eine lebenslange Haftstrafe. Auch die Eltern könnten auf der Anklagebank landen. Staatsanwältin McDonald: „Es ist die Pflicht von Waffenbesitzern, ihre Waffen zu sichern und die Munition an einem anderen Ort sicher zu verschließen. Wer das nicht tut, der trägt eine Mitverantwortung und wird von uns zur Rechenschaft gezogen!“ Vater James Crumbly, ein Software-Ingenieur, scheint ein Waffennarr zu sein. Bei einer Razzia fanden die Cops mehrere langläufige Pistolen im Haus, die sichergestellt wurden.

AP/dpa/Paul Sancya
Schüler umarmen sich bei einer Gedenkfeier an der Oxford High School.

Polizeichef Michael Bouchard: „Wir wissen nicht, ob der Schütze seine Opfer gekannt hat oder nur wahllos geschossen hat. Er hat bislang jede Aussage verweigert. Seine Eltern haben ihm einen Anwalt besorgt, der ihm aufgetragen hat, zu schweigen.

Obwohl die Behörden das Gegenteil sagen, ließ Mitschüler Treshan Bryant in einem Interview mit dem TV-Sender „ABC7“ verlauten: „Ich kenne ihn vom Sehen. Er ist ein Kid, das von anderen ständig geärgert und gemobbt wurde. Und das ist dann die Reaktion, die folgt!“