Eine Straße im südfranzösischen Saint-Martin-Vesubie wurde durch das Unwetter weggespült. Foto: Valery Hache / AFP

Nach Unwettern mit sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen werden in Südfrankreich mehrere Menschen vermisst. Nach derzeitigen Erkenntnissen gebe es acht Vermisste und drei mutmaßlich Vermisste, teilte die Feuerwehr am Sonnabend der Nachrichtenagentur AFP mit. Mehrere Dörfer im Hinterland der Côte d’Azur waren von der Außenwelt abgeschnitten. Premierminister Jean Castex kündigte einen Besuch des Katastrophengebiets an. Auch aus Italien wurden schwere Überschwemmungen mit mindestens einem Toten gemeldet.

Unter den Vermissten waren nach Feuerwehrangaben zwei Feuerwehrleute, deren Fahrzeug während eines Einsatzes von den Fluten mitgerissen wurde. Ein zunächst vermisster Polizist wurde wohlbehalten aufgefunden. In einem Dorf rund 50 Kilometer nördlich von Nizza wurden zudem zwei Bewohner vermisst, die sich vor dem steigenden Hochwasser auf das Dach ihres Hauses geflüchtet hatten – das Haus stürzte nach Behördenangaben ein und die zwei Menschen verschwanden in den Fluten.

Rettungskräfte an der Promenade in Nizza. Foto: Imago Images/ Arie Botbol

Als gesichert gilt eine Vermisstenanzeige erst dann, wenn Zeugen das Verschwinden des Betroffenen gesehen haben. Im Falle der mutmaßlich Vermissten gibt es dagegen keine konkreten Angaben zum Verschwinden. Premierminister Castex kündigte an, die Region gemeinsam mit Innenminister Gérald Darmanin zu besuchen, sobald die Bedingungen dies ermöglichten. Der Staat stehe an der Seite der Betroffenen und Helfer, schrieb Castex im Onlinedienst Twitter.

Dutzende Menschen wurden nach Feuerwehrangaben vor den Überschwemmungen in Sicherheit gebracht. Ein Vertreter der Präfektur Alpes-Maritimes sprach von einer „noch nie da gewesenen Lage“, große Gebiete seien von Überschwemmungen betroffen und mehrere Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.

Auch im südfranzösischen Roquebilliere wurden Häuser weggespült. Foto: Valery Hache / AFP

In dem Dorf Saint-Martin-Vésubie stürzte eine Brücke ein. Ein Parlamentsabgeordneter vor Ort berichtete, die Tankstelle des Ortes sei von den Fluten mitgerissen und mehrere Häuser stark beschädigt worden. In der Region waren laut dem Netzbetreiber Enedis Tausende Haushalte ohne Strom. Massive Störungen gab es auch im Telefonnetz.

An mehreren Orten drohten Erdrutsche, sodass auch am Sonnabend viele Straßen gesperrt blieben. Am rund zehn Kilometer von Bollène-la Vésubie entfernten Turini-Pass mussten mehrere Feuerwehrautos warten, bevor sie in das Katastrophengebiet weiterfahren konnten, wie ein AFP-Korrespondent beobachtete. Mehrere der Feuerwehrautos waren mit Booten beladen.

Ein Haus bei Vercelli  (Italien) wurde von den Fluten fortgerissen. Foto: Vigili del Fuoco / AFP

Ausgelöst worden waren die Überschwemmungen durch schwere Regenfälle in der Region um Nizza. Für die Küstenmetropole wurden gefährliche Flutwellen vorhergesagt. Der Fluss Var trat über die Ufer. Der Flugverkehr nach Nizza wurde eingestellt, sämtliche Bahnhöfe in der Region geschlossen. Im Süden Frankreichs gibt es immer wieder verheerende Überschwemmungen. Bei schweren Unwettern im Herbst vergangenen Jahres kamen an der Côte d’Azur 14 Menschen ums Leben.

Heftige Regenfälle und Überschwemmungen gab es in der Nacht zum Sonnabend auch in den italienischen Regionen Ligurien, Lombardei und Venetien. Im nordwestitalienischen Aostatal starb ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz. Im Piemont wurde ein Vermisster gemeldet, ein weiterer Mensch wurde in der Nähe der italienisch-französischen Grenze vermisst.

In Venedig bestaunten Einheimische und Touristen das jährliche Hochwasser „Acqua Alta“, das am Sonnabendmittag seinen Höhepunkt erreichen sollte. Mobile Deiche sollten das Hochwasser in diesem Jahr auf maximal 1,35 Meter begrenzen. Im November vergangenen Jahres war in der Lagunenstadt ein Rekord-Hochwasser von 1,87 Metern gemessen worden.