Das Video dokumentiert den schockierenden Vorfall: Polizisten lassen den Festgenommenen im Kofferraum ersticken. Twitter/terra

Videos, die Polizeigewalt demonstrieren sollen, sind meistens mit Vorsicht zu genießen: Mitunter zeigen sie eine Situation, ohne den Kontext zu berücksichtigen – zum Zweck, mutmaßlich institutionelle Gewalt anzuprangern. Doch im vorliegenden Fall wird die in einem Video gezeigte Szene durch zahlreiche Augenzeugenberichte gestützt.

Mann erstickt im Kofferraum, während er gewaltsam von Polizisten festgehalten wird

Es geht um einen unfassbaren Fall von Polizeigewalt in Brasilien, der die Öffentlichkeit in dem Land und darüber hinaus erschüttert. In dem Video ist zu sehen, wie ein 38 Jahre alter Mann erstickt, während er von Polizisten gewaltsam in einem Dienstwagen festgehalten wird. Wie die Polizei inzwischen bestätigte, kam dabei Tränengas zum Einsatz.

Das Video verbreitete sich rasch in den sozialen Medien. Darauf ist zu sehen, wie Beamte versuchen, den Mann in den Kofferraum eines Vans zu zwängen. Das Opfer schreit, seine Beine ragen aus dem Kofferraum heraus. Plötzlich steigt weißer Rauch auf, das Opfer bewegt sich nicht mehr. Laut Gerichtsmedizin starb der Mann an akutem Atemversagen.

Unklar ist, was genau dem afrobrasilianischen Mann aus der Stadt Umbaúba im Bundesstaat Sergipe von der Polizei vorgeworfen wurde. Die Familie spricht in der Tageszeitung „Folha de São Paulo“ von Folter und Mord.

„Polizisten haben ein Auto in eine Gaskammer verwandelt und einen psychisch kranken Mann hingerichtet“

Nach Angaben der Witwe litt der Mann an Schizophrenie, habe die Krankheit aber durch Medikamente unter Kontrolle gehabt. Er sei niemals aggressiv gewesen, wird sie zitiert. Zahlreiche Menschen versammelten sich am Donnerstag in Umbaúba, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Sie sperrten eine Bundesstraße und zündeten Reifen an.

Der Fall löste eine Welle der Empörung aus. Der Präsident des Forums Öffentliche Sicherheit, Renato Sérgio Lima, warf der Polizei vor, gegen alle Vorschriften gehandelt zu haben. Tränengas dürfe nur bei gewaltsamen Massenunruhen im Freien eingesetzt werden, niemals in geschlossenen Räumen, sagte Lima. „Polizisten haben ein Auto in eine Gaskammer verwandelt und einen psychisch kranken Mann hingerichtet“, schrieb die Abgeordnete und Menschenrechtsaktivistin Renata Souza auf Twitter. Der Bundesstaatsanwalt von Rio de Janeiro, Eduardo Benones, verglich den Fall mit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd vor zwei Jahren im US-Bundesstaat Minnesota.

Die Polizei erklärte in einer Stellungnahme, angesichts des Widerstandes des Mannes sei der Einsatz von Tränengas das „einzige verfügbare Mittel“ gewesen. Brasilien ist eines der Länder mit der weltweit höchsten Rate an Polizeigewalt. 2020 wurden laut dem Forum Öffentliche Sicherheit rund 6.400 Menschen von Polizisten getötet.