Das Schreckens-Video zeigt, wie ein Mann mit verbundenen Augen 2013 in Damaskus abgeführt. Später ist zu sehen, wie er und andere Männer erschossen werden. AP

Jahrelang klammerte sich Familie Sijam an die Hoffnung, dass sie eines Tages ihren 2013 verschwundenen Sohn Wassim wieder in die Arme schließen kann. Sie glaubte, dass er in einem Gefängnis der syrischen Regierung festgehalten wird, nachdem er vor fast einem Jahrzehnt an einem Kontrollpunkt verschwunden war. Diese Hoffnung verlor sie, als sie ein kürzlich aufgetauchtes Video sah: Er zählte zu Dutzenden Männern, die von syrischen Geheimdienstlern erschossen wurden.

Ermordeter Syrer hinterließ zwei Kinder

„Es hat uns in unserem Kern erschüttert“, sagte Siham Sijam über das Video von 2013. „Sie haben ihn kaltblütig getötet. Keine Mutter kann sich damit abfinden zu sehen, dass ihrem Kind so etwas angetan wird“, sagte Siham, die jetzt mit ihrer Familie in Deutschland lebt. Wassim,  Vater von zwei Kindern, wäre jetzt 39 Jahre alt.

Familien sehen auf dem Syrien-Video, wie ihre Verwandten ermordet werden

Das Video hat nicht nur die Sijams persönlich tief getroffen.  Seit die Aufnahmen im Internet kursieren, haben sich Tausende das Video angeschaut, um herauszufinden, ob sich ihre vermissten Angehörigen unter den Opfern befinden.

Das Video war von einem Milizionär aus Syrien geschmuggelt worden. Zwei Forscher an der Uni Amsterdam klärten die Echtheit und identifizierten Tatort und einige Täter.

Der Clip ist sechs Minuten und 43 Sekunden lang und trägt den Zeitstempel 16. April 2013 – zwei Tage, nachdem Wassim an einem Kontrollpunkt am Rande von Damaskus verschwand. Die Aufnahmen zeigen Mitglieder des syrischen Militärgeheimdienstes, die rund 40 Gefangene an den Rand eines Grabens mit alten Autoreifen führen, sie hineinstoßen und erschießen. Dann setzen sie die Leichen in Brand.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Syrian Network for Human Rights sind 102.207 Menschen seit Beginn des Bürgerkriegs immer noch vermisst. Der Gruppe zufolge ist die syrische Regierung mit 86.792 für die meisten Fälle verantwortlich.