Jens Söring (53) bei seiner Ankunft in Hamburg im Dezember 2019, umgeben von Unterstützern. Foto: dpa/Boris Roessler

Ein Ehepaar war im März 1985 in Virginia (USA) auf bestialische Weise ermordet worden. Im April 1986 wurden Jens Söring und seine Freundin Elizabeth Haysom, deren Eltern die Todesopfer waren, verhaftet und verurteilt. Aber war Söring wirklich der Täter?

Jens Söring (53) behauptet heute immer noch und wie in den letzten Jahrzehnten, dass er unschuldig sei. Das kann er heute in Hamburg in Freiheit behaupten, denn er ist im November 2019 auf Bewährung aus dem amerikanischen Knast entlassen worden.

Seine Freiheit erlebt er sehr intensiv. Gerade in Kleinigkeiten, die er Jahrzehnte vermisst hat. „Wenn Regen auf die Erde fällt – das riecht gut“, sagte Söring dem „Spiegel“. Rückblickend sei er stolz darauf, wie er die Zeit im Gefängnis geschafft habe. „Ich bin nicht an der Haft zugrunde gegangen. Ich habe niemanden zum Opfer gemacht. Ich habe mich nicht zum Opfer machen lassen. Ich bin zufrieden.“ Er erzählt von Vergewaltigungen im Männerknast, von der Einsamkeit in seiner 2,60 x 3,30 Meter kleinen Zellen. Einsam ja – aber nie allein, weil man ständig unter Beobachtung ist. Privatsphäre hat er nie gehabt. Über 33 Jahre lang in verschiedenen Gefängnissen. Söring beschreibt diese Zeit als Krieg, den er gewonnen habe.

Söring muss sich an neues Leben gewöhnen

Der deutsche Diplomatensohn war 23 Jahre jung, als er wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom (damals 25) zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte die Morde aus dem Jahr 1985 zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Er beteuert bis heute seine Unschuld. Er habe die Morde auf sich genommen, um seine Freundin zu schützen – auch in der Hoffnung, als Diplomatensohn nicht ins Gefängnis zu kommen, sondern nach Deutschland abgeschoben zu werden. Diese Rechnung ging nicht auf.

Im November 2019 nun hatte das zuständige US-Gremium entschieden, Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. In die USA darf er nie wieder einreisen. Elisabeth will er nicht wieder sehen. „Um Gottes willen, nein. Ich habe der Frau nichts zu sagen“.

Um nun in Deutschland anzukommen, arbeitet Söring, um sich in der Gesellschaft zu integrieren und sich ein neues Leben aufzubauen. Geld vom Staat hat er nicht beantragt.

Söring muss sich jetzt an ein neues Leben gewöhnen – mit schnurlosen Telefonen und elektrisch fahrenden Autos. 33 Jahre sind eine lange Zeit. Und er muss mit den Fragen und den Zweifeln der Menschen um sich herum leben: War er es nun? Oder war er es nicht?