In Pforzheim gab es für Supermarkt-Besucher vor dem Einkaufen eine Impfung. Imago/MiS, Imago/Jochen Tack

Viele Berliner versuchen dieser Tage verzweifelt, einen Impftermin in einem der großen Impfzentren oder bei ihren Hausärzten zu bekommen. Ein Vorhaben, das aufgrund der großen Nachfrage häufig zum Scheitern verurteilt ist. Anders in Pforzheim: Hier beklagt sich eine Hausärztin darüber, dass zu wenig Leute nach einem Termin fragten. Deshalb startete Nicola Buhlinger-Göpfarth kurzerhand ein schräges Experiment – und impfte Passanten vor einem Supermarkt!

„Wir hatten letzte Woche 250 Dosen AstraZeneca in unsere Hausarztpraxis geliefert bekommen. Meine Helferinnen haben 50 Patienteninnen von unserer Priorisierungsgruppe angerufen“, erzählte sie in einem Interview mit RTL. Das Ergebnis: Nur zwei der Patienten wollten sich impfen lassen! Sie sei entsetzt gewesen, sagt Buhlinger-Göpfarth – doch dann machte sie sich ans Werk. „Bevor wir den Impfstoff wegschmeißen, werden wir ihn definitiv verimpfen, denn wir wollen ja alle raus aus der Pandemie.“ Also startete sie die Impf-Aktion vor einem Supermarkt.

Die Supermarkt-Kunden konnten sich vor dem Einkaufen impfen lassen

Vor dem Einkaufen konnten sich somit Menschen, die zu den Priorisierungsgruppen 1 bis 3 gehören und damit impfberechtigt sind, den Pieks verpassen lassen – ohne Termin und unbürokratisch. Die Supermarkt-Kunden freut’s. „Das ist für uns Ältere das beste überhaupt. Wenn man irgendwo anruft, kriegt man keinen Termin – da heißt es nur: belegt, belegt“, sagt ein Passant im Gespräch mit dem Sender. Auch in anderen Länden gibt es solche Angebote bereits – unter anderem in Amerika. Auch in Russland gehören Impf-Stationen in Einkaufszentren schon zur Normalität. In Israel werden die Spritzen beispielsweise vor Partys verteilt.

Die FDP forderte bereits Impfungen in den Supermärkten. „Israel zeigt uns, dass eine schnelle Impfkampagne der Schlüssel zur Pandemie-Bekämpfung ist. Leider hat die Bundesregierung den Impfstart verstolpert und gibt noch immer nicht richtig Gas. Wir müssen jetzt alles tun, um zu impfen wie die Weltmeister“, sagte die Abgeordnete Christine Aschenberg-Dugnus. „Ab Sommer sollten auch Impfungen in Supermärkten, Stadien und auf Parkplätzen möglich sein. So bekommen wir alle schnell unsere Freiheit zurück.“