Zur ersten Quarantäne-Barbie gehören Schnaps, Süßigkeiten und Toilettenpapier. Foto: Tonya Ruiz

Für lange Zeit war sie die Spielzeug-Variante der idealen Frau – doch realistisch war sie nie: Die Barbie. Unzählige Kinder auf der ganzen Welt wuchsen mit ihr auf. Doch nun krempelt eine Amerikanerin das perfekte Bild mächtig um: Tonya Ruiz entwirft schon seit 2017 realistische Barbie-Puppen – und landete mit ihren „Quarantäne-Barbies“ jetzt einen weltweiten Hit.

Die erste Barbie, mit der Tonya Ruiz im Internet für Furore sorgte, wird immer ihre liebste bleiben, verriet sie dem KURIER. Das „Quarantäne Starter-Pack“ beinhaltet eine der Plastik-Puppen mit denkwürdigen Accessoires:  Stretch-Hosen, Whiskey, Snacks, Feuchttücher und Toilettenpapier – unter anderem. „Ich mag sie am meisten, weil ich mich selbst durch die Quarantäne futterte“, sagt Ruiz. 

Das „Quarantäne Starter-Pack“ beinhaltet eine Barbie mit Stretch-Hosen und diversen Snacks. Foto: zVg/Tonya Ruiz

Die Amerikanerin arbeitete früher als Model, ärgerte sich immer über den unrealistischen Look der Spielzeug-Püppchen. „Ich bemerkte, wie mein Leben von Schönheitsidealen beeinflusst wurde. Als ich später Kinder hatte, wollte ich keine Barbies im Haus haben“, sagte sie in einem Interview. Sie habe nicht gewollt, dass ihre Kinder mit dem Gedanken aufwachsen, dass sie so aussehen müssen wie die Plastik-Puppe. Ruiz schrieb und hielt Vorträge zum Thema Schönheitsideale, sammelte im Laufe der Zeit auch einige Barbies. Doch als ihr Mann zum Pflegefall wurde, hängte sie den Job an den Nagel.

Die „Brot-Back-Barbie“ ist von oben bis unten mit Mehl bekleistert. Foto: zVg/Tonya Ruiz

Jahre später, als ihre Enkelkinder zu Besuch waren, kam die Kiste mit den Barbies wieder ans Tageslicht. Inzwischen hatte sich auf dem Spielzeug-Markt einiges getan, es gab kurvige Barbies, große und kleine, in allen Hautfarben und Körperformen. Die Firma Mattel habe einen guten Job gemacht, sagt Ruiz. Sie begann, eigene Barbie-Szenen zu entwickeln, die sie auf Instagram veröffentlichte – und nun, zu Corona-Zeiten, entwickelte sich eine neue Idee. „Im Internet stieß ich auf Pandemie-Barbies. Ich dachte: Das ist witzig, vielleicht sollte ich eine Barbie entwerfen, die meinem momentanen Leben entspricht.“ Die Reaktionen auf das „Quarantäne Starter-Pack“: gigantisch. „Weil ich während der Quarantäne viel Zeit hatte, begann ich, immer mehr Parodie-Barbies zu basteln.“

„Videokonferenz-Ken“ ist nur oberhalb der Gürtellinie vernünftig gekleidet. Foto: zVg/Tonya Ruiz

Inzwischen gibt es diverse Sets. Die „Wie spät ist es“-Edition beinhaltet eine Barbie mit Augenringen und verschiedenen Schlafanzügen, außerdem Mini-Snacks, eine Kaffeemaschine und einen Wecker. Die „Brot-Back-Barbie“ enthält Backzutaten – und ist von oben bis unten mit Mehl bekleistert. Zur „Homeschooling-Barbie“ gehört nicht nur die Barbie, sondern auch vier Kinder, Süßigkeiten, Bücher und Schulmaterial. Und: Auch für die Herren ist etwas dabei. „Videokonferenz-Ken“ ist,wie im Homeoffice üblich, nur obenrum bekleidet und verziert mit Babys und Arbeitsgeräten. Alle Ideen werden zunächst gesammelt, dann bastelt Ruiz die Einzelteile. „Dann verbringe ich einen Tag damit, alles zusammenzustellen und zu fotografieren“, sagt sie dem KURIER.

Im Video erklärt Tonya Ruiz die Entstehung ihrer Püppchen.

Video: Youtube

Zeitungen auf der ganzen Welt berichteten über die skurrilen Spielzeuge, Millionen Menschen lieben sie. „Ich bekomme dazu Kommentare aus allen Ländern“, sagt Ruiz. „Jeder kann sich in den Barbies sehen, denn jeder hat mit irgendeiner Form von Quarantäne oder Lockdown zu tun.“ Dass die Leute ihre Püppchen mögen, macht auch Ruiz glücklich. „Es gibt einen Spruch: Ein glückliches Herz ist so gut wie Medizin“, sagt sie. „Ich freue mich, dass meine Quarantäne-Barbies die Menschen zum Lächeln gebracht haben. Ich wünsche allen gute Gesundheit!“