Grönlands Regierungschef Mute Bourup Egede, Dänemarks Außenminster Jeppe Kofod und die kanadische Außenministerin Melanie Joly (v. l. n. r.) bei der Unterzeichnung des Vertrags über die Teilung der Hans-Insel. dpa/The Canadian Press/Justin Tang

Kanada und das Königreich Dänemark haben einen fast 50 Jahre währenden, wenngleich meist ohne allzu großen Ernst ausgetragenen diplomatischen Streit um eine unbewohnte kleine Insel in der Arktis endgültig beigelegt.

Die Hans-Insel ist ein winziger Fels im Meer

Die Hans-Insel liegt zwischen dem kanadischen Ellesmere Island und Grönland, das ein autonomer Teilstaat von Dänemark ist. Das winzige Eiland in der Nares-Straße wird nun gemäß einer im kanadischen Ottawa unterzeichneten Vereinbarung geteilt.

Lustiger Nebeneffekt: Dadurch entsteht erstmals eine Landgrenze zwischen Kanada und der Europäischen Union. Kanada grenzte vorher nur an die USA, und die einzige Landgrenze Dänemarks war bislang die zu Deutschland.

Lesen Sie auch: Prinz Charles besucht Kanada und spricht über den Genozid der Kolonialzeit >>

Die beiden Nachbarinseln der Hans-Insel, Die Franklin- und die Crozier-Insel, liegen näher an Grönland, weshalb ihre Zugehörigkeit zu Dänemark nie in Zweifel gezogen wurde. Dass sich das 1,3 Quadratkilometer kleine Stückchen Fels im Meer aber genau in der Mitte zwischen Ellesmere Island und Grönland befindet, fiel erst 1973 so richtig auf, als die Seegrenze zwischen Dänemark und Kanada festgelegt wurde. Auf einer damals erstellten Karte wurde die Grenzlinie im Bereich der Insel daher kurzerhand weggelassen.

Die Hans-Insel liegt zwischen Grönland und Kanada. dpa

Lesen Sie auch: Forscher aus Kanada entwickeln Corona-Impfstoff aus Tabak-Pflanze >>

Die Medien nannten den Grenzstreit um die Hans-Insel „Whiskey War“

Beide Länder unterstrichen die Bedeutung der jetzt erfolgten friedlichen Beilegung eines Territorialstreits im Angesicht des Ukraine-Kriegs. „Für Demokratien wie Kanada und Dänemark ist es wichtiger denn je, (...) Differenzen im Einklang mit dem Völkerrecht zu lösen“, sagte die kanadische Außenministerin Melanie Joly. „Die Arktis ist ein Leuchtturm für internationale Zusammenarbeit, in dem Rechtsstaatlichkeit herrscht.“

Seit der Grenzziehung hatten Delegationen der beiden Staaten das für den größten Teil des Jahres schneebedeckte Stück Land immer wieder besucht, um ihre Ansprüche zu untermauern. Sie hinterließen neben der eigenen Flagge meist eine Flasche heimischer Spirituosen für den nächsten Besuch einer Delegation des jeweils anderen Landes dort, weshalb die Medien dem Streit den Namen „Whiskey War“ verpassten.

Lesen Sie auch: Dänische Forscher entdecken wohl nördlichste Insel der Welt >>