Von der 14-jährigen Josefine H. aus Aschersleben fehlte seit dem 4. November 2021 jede Spur. Nun ist sie tot gefunden worden.  Polizeirevier Salzlandkreis

Alles Hoffen hat nichts genützt. Eine Woche nach ihrem Verschwinden ist Josefine aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt tot. Nach dem Fund der toten 14-Jährigen wurde ein gleichaltriger Junge festgenommen. Die Leiche des Mädchens war am Mittwochnachmittag in einem Garagenhof der Kleinstadt im Salzlandkreis entdeckt worden. Zu den näheren Umständen machte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst keine Angaben. Auch zur Todesursache äußerten sich die Ermittler nicht. Die Umstände deuteten aber auf ein Verbrechen hin, hieß es.

Inzwischen ist gegen den Gleichaltrigen Haftbefehl wegen dringenden Verdachts auf Totschlag erlassen worden. Dies teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Magdeburg mit. Der 14-Jährige wurde in eine Jugendanstalt gebracht, nachdem das Amtsgericht Magdeburg auf Antrag der Staatsanwaltschaft den Haftbefehl erlassen hatte. Ein zweiter 14-Jähriger kam den Angaben zufolge mangels Tatverdachts wieder auf freien Fuß. Ob es sich bei dem dringend tatverdächtigen 14-jährigen Deutschen um den Ex-Freund handelt, blieb zunächst unklar.

Das Mädchen war seit Donnerstag voriger Woche vermisst worden. An diesem Tag hatte sie sich mit ihrem Ex-Freund treffen wollen, um persönliche Gegenstände abzugeben. Gegen halb vier an dem Tag hatte sie noch mit einem anderen Bekannten telefoniert, danach war sie nicht mehr zu erreichen. Ihre Eltern meldeten sie später vermisst.

Seit Tagen wurde nach Josefine H. gesucht

In den vergangenen Tagen war intensiv nach der 14-Jährigen gesucht worden. Dabei wurden auch Bekannte, Angehörige und der Ex-Freund befragt. Eine Polizeisprecherin betonte, dass man behutsam vorgehen müsse. Es handele sich um Minderjährige. Bis tief in die Nacht zum Donnerstag hatte die Polizei im Fundbereich Spuren gesichert. Das Gebiet war weiträumig abgesperrt. Danach wurde eine Sonderkommission (SoKo) zu dem Fall gegründet.

Absperrband der Polizei sperrt einen Teil eines Garagenkomplexes ab. Dort war die Leiche der 14-Jährigen gefunden worden, die seit Tagen als vermisst galt. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Auf dem Holzmarkt in Aschersleben - einer Stadt mit knapp 27 000 Einwohnern - hatten am Donnerstag Hunderte Menschen ihre Trauer über den Tod von Josefine zum Ausdruck gebracht. Sie zündeten Kerzen an, legten Blumen und Stofftiere nieder. In einem gerahmten Brief heißt es: „Viel zu früh wurdest du aus dem Leben gerissen.“ In einem anderen: „Für immer beste Freunde.“

Blumen, Kerzen, Bilder und Stofftiere liegen am Holzmarkt in Aschersleben um ein Denkmal. Seit dem Vormittag kamen Menschen in die Innenstadt, um dort der getöteten 14-Jährigen zu gedenken und um Blumen niederzulegen oder Kerzen zu entzünden.  dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Einen ähnlichen Fall hatte es vor zwei Monaten im sächsischen Großröhrsdorf gegeben: Wiktoria (16) war am 15. September nach einem Hinweis schwer verletzt in einem Garagenkomplex der Kleinstadt östlich von Dresden gefunden worden. Sanitäter und Notärzte hatten sie reanimiert, sie starb aber im Krankenhaus - nach dem Obduktionsergebnis an Stichverletzungen. Gut eine Woche später war ein 15-Jähriger in der Kleinstadt östlich von Dresden festgenommen worden.

Wie der Pfarrer bei Wiktorias Beerdigung sagte, war die Schülerin lebensfroh, „von Familie und Freunden geliebt und geschätzt“. Schmerz und Trauer seien für diese kaum auszuhalten. Auf die Frage „warum bloß?“ gebe es leider keine Antwort. Was bleibe, sei zusammenzurücken, einander beizustehen und zu trösten. Das Leben könne niemand zurückgeben, aber alle könnten ab jetzt noch mehr Mitmenschlichkeit zeigen. „Alles ist besser als Selbstjustiz und Rache.“ Die Anwesenden, darunter viele Jugendliche, zündeten Kerzen an, einige weinten in der Kirche.

Motiv und Hintergründe der brutalen Tat sind noch ungeklärt. Auch nach Unterbringung des 15 Jahre alten Tatverdächtigen in der Psychiatrie wird weiter wegen Verdachts des Totschlags ermittelt, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Görlitz auf Anfrage sagte. Der Teenager habe sich bisher nicht geäußert. Laut einem Bericht der Bild ist sich die Staatsanwaltschaft aber sicher, dass der 15-Jährige seine Ex-Freundin umgebracht hat. 

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Der 15-Jährige und das Mädchen, das in einem nahen Dorf lebte, kannten sich aus der Oberschule, wo er in die Parallelklasse ging. Sie sollen sich auch näher gekannt haben, wie es hieß. Die genaue Art ihrer Beziehung ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht klar. Die Ermittler befragen Mitschüler, Freunde und Zeugen, sie werten Chats und anderes aus.