Trümmer liegen vor der katholischen Kirche St. Clemens in Hellinghausen bei Lippstadt, deren Spitze zerstört wurde. Ein mutmaßlicher Tornado hat in Lippstadt am Freitagnachmittag massive Schäden verursacht. dpa/Frisco Gentsch

Mehrere Unwetterfronten sind am Freitag über Deutschland gezogen. Es gab Starkregen, Gewitter, Hagelschauer, Orkanböen. Mindestens ein Tornado zog über Nordrhein-Westfalen. 

Die durch Tief „Emmelinde“ bedingten Gewitter trafen zuerst Nordrhein-Westfalen. Für Teile des Bundeslandes gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) am frühen Nachmittag eine erste amtliche Unwetterwarnung wegen schwerer Gewitter heraus. Die Meteorologen weiteten die Warnung später auf Teile von Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Baden-Württemberg aus.

In Paderborn in NRW sind durch ein schweres Unwetter mit Orkanböen dutzende Menschen verletzt worden. 30 bis 40 Menschen seien verletzt, „davon zehn schwer“, sagte ein Sprecher der Kreispolizei am Freitagabend der Nachrichtenagentur AFP. Demnach zog „eine Windhose quer durch die Stadt“ in Nordrhein-Westfalen und verursachte millionenschwere Schäden. Die Polizei sprach von einer „Schneise der Verwüstung“ und einem Millionenschaden. Nach dem Unwetter schaufelten geschockte Mieter in Paderborn am Abend Ziegel ihrer zerstörten Dächer in Mülltonnen.

Im gesamten Kreisgebiet kam es den Angaben zufolge zu schweren Schäden, unzählige Dächer wurden abgedeckt, zahlreiche Bäume entwurzelt. In einem Gewerbegebiet seien Dächer von Hallen angerissen worden. Bleche, Dämmung und andere Materialien seien kilometerweit geflogen. Der öffentliche Nahverkehr inklusive der Bahn war schwer beeinträchtigt. Die Polizei forderte die Menschen zunächst auf, möglichst zu Hause zu bleiben.

Ein mutmaßlicher Tornado hat in Lippstadt (NRW) am Freitagnachmittag gegen 17.00 Uhr massive Schäden verursacht. Betroffen sei das gesamte Stadtgebiet, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zahlreiche Dächer seien abgedeckt worden und Bäume auf Autos gestürzt. Es habe aber weder Tote noch - nach bisherigen Meldungen - Verletzte gegeben.

Beim Deutschen Wetterdienst gingen mehrere Meldungen über mutmaßliche Tornados ein, sagte ein DWD-Sprecher. Diese Meldungen müssten aber noch überprüft werden.

Im Lippstadter Freizeitbad Cabrioli wurden zeitweise etwa 120 Badegäste eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten. Später seien die Eingeschlossenen befreit worden, berichtete die Feuerwehr. Im Ortsteil Hellinghausen sei durch den Sturm die Spitze einer Kirche heruntergestürzt. Etwa 200 bis 300 Kräfte der Feuerwehr seien im Einsatz. Die Lippstadter Feuerwehr werde dabei von Kräften mehrerer Nachbarorte unterstützt.

Fernverkehr durch schwere Unwetter beeinträchtigt

Infolge der schweren Unwetter müssen sich Reisende derzeit auch auf Einschränkungen im Fernverkehr der Deutschen Bahn einstellen. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen entfallen mehrere Halte, wie der Konzern am Freitagabend mitteilte. Demnach werden etwa auf der Strecke Köln - Wuppertal - Dortmund/Hamm die ICE- und IC-Züge zwischen Köln und Dortmund über Düsseldorf umgeleitet. „Die Halte Solingen, Wuppertal und Hagen entfallen“, hieß es. Empfohlen wird der Umstieg auf Regionalzüge. Tief „Emmelinde“ hat in Teilen des Landes mit Starkregen, Gewittern und Orkanböen starke Schäden angerichtet.

Auf der Fernverkehrsstrecke zwischen Köln/Düsseldorf und Berlin verkehren derzeit aufgrund eines Notarzteinsatzes keine ICE zwischen Bielefeld und Hannover. Ob der Einsatz mit dem Unwetter zusammenhängt, wurde zunächst nicht bekannt.