Der Angeklagte (mit dem Ordner im Gesicht) hat versucht, seine Frau mit einer vergifteten Zimtschnecke umzubringen. dpa/Daniel Karmann

Kaum jemand kann zu einer Zimtschnecke nein sagen. Und das machte sich ein Mann (39) aus Franken für seinen teuflischen Plan zu Nutze. Um seine Ex loszuwerden, präparierte er ein Gebäckteil mit Schlafmitteln. Nur durch Glück überlebte die Frau. Der Mann muss nun hinter Gitter.

Vergiftete Zimtschnecke: 6 Jahre Knast

Sechs Jahre und drei Monate muss der Angeklagte nun in den Knast. Er hatte den versuchten Mord als Verzweiflungstat darstellen wollen, doch dem folgte die 19.  Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth nicht. Sie wertete den Giftanschlag mit der mit Schlafmitteln versetzten Zimtschnecke als heimtückischen Mordversuch.

Dass die Frau heute noch lebt, war nämlich purer Zufall! Ein Rückblick: Im November 2020 lebten die noch verheirateten Eheleute bereits getrennt. Beim Angeklagten gab es damals finanzielle und gesundheitliche Probleme. Zudem habe er darunter gelitten, dass er seinen Sohn (5) nicht so oft sehen konnte, wie er wollte. Das wollte er nach eigener Aussage mit den vergifteten Zimtschnecken ändern. Dennoch bestritt er eine Tötungsabsicht. Er habe seine Ex nur für eine gewisse Zeit außer Gefecht setzen wollen, um mehr Zeit mit seinem Sohn zu haben.

Mordversuch mit Zimtschnecke: Opfer überlebte durch einen Zufall

Also habe er eine seiner in der Familie berühmten Zimtschnecken mit Schlafmitteln versetzt. Dass seine Ex nicht an dem Giftgebäck starb, lag allein daran, dass sie sich die Zimtschnecke mit ihrer Mutter teilte. Experten sagten im Prozess aus, dass sie gestorben wäre, wenn sie das komplette Gebäck gegessen hätte. So blieb sie am Leben, erkrankte aber dennoch schwer. Noch schlimmer traf es ihre Mutter, die im Krankenhaus intubiert und künstlich beatmet werden musste. Tagelang kämpfte sie um ihr Leben. Heute sind beide Frauen wieder so fit, dass sie im Prozess als Nebenklägerinnen auftreten konnten.

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß, obwohl sie Heimtücke als Mordmotiv ausmachte, unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von neun Jahren Haft. Dennoch sah es als erwiesen an, dass der Mann den Tod seiner Frau zumindest billigend in Kauf genommen habe, als er die Zimtschnecken mit dem Schlafmittel Etizolam versetzte. Das Mittel ist in Deutschland nicht erhältlich. Dort wo es verwendet wird, erfolgt die Ersteinnahme vorsorglich unter ärztlicher Kontrolle. Der Mann hatte die Wirkung des Medikaments gekannt: Er hatte sich nicht nur im Internet informiert, sondern das Schlafmittel auch selbst – in geringerer Dosis – eingenommen.

Mordversuch mit Zimtschnecke: Knast und Drogenentzug

Das Gericht verurteilte den Mann auch wegen der unerlaubten Einfuhr und des Besitzes von Betäubungsmitteln und wegen gefährlicher Körperverletzung. Wegen seines Drogenkonsums muss er in eine Entziehungsanstalt – das hatte neben der Staatsanwaltschaft auch die Verteidigung für ihren Mandanten vorgeschlagen. 

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Auch dieser versuchte Mord fällt dabei in die Kategorie versuchter Femizid – also der versuchten Tötung einer Frau wegen ihres Geschlechts. Laut einer BKA-Statistik versucht in Deutschland jeden Tag ein Mann ein solches Verbrechen an seiner (Ex-)Partnerin zu verüben. Alle zwei bis drei Tage gelingt es einem.