Ein Absperrband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“ ist vor einem Polizeiwagen aufgespannt. 
Ein Absperrband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“ ist vor einem Polizeiwagen aufgespannt.  dpa/David Inderlied

Er wurde wegen des Mordes an der 17-jährigen Zoe aus Ludwigshafen schuldig gesprochen – nun muss ein 19-jähriger Triebtäter aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Der Grund: Das Urteil war noch nicht rechtskräftig, das Revisionsverfahren dauerte zu lange. Die Familie des Opfers ist schockiert.

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Ein unter anderem wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilter 19-Jähriger kommt wegen zu langer Verfahrensdauer aus der Untersuchungshaft frei. Der junge Mann befand sich seit März 2020 in Untersuchungshaft, wie das Pfälzische Oberlandesgericht Zweibrücken mitteilte. Vor zwei Monaten wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte legte Revision gegen das Urteil ein, und auch die Staatsanwaltschaft zeigte sich mit dem Schuldspruch nicht zufrieden: Sie forderte eine Sicherungsverwahrung für Lukas V. 

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Doch nun musste der Täter frei gelassen werden. Das Urteil des Landgerichts Frankenthal vom August 2022 ist noch nicht rechtskräftig. Formal dauerte die Untersuchungshaft daher noch an. Lukas V. legte Haftbeschwerde ein und bekam recht. 

Verhandlung begann vor zwei Jahren 

Der inzwischen 19-Jährige hatte dem ersten Richterspruch zufolge am 12. März 2020 eine 17-Jährige an einem Weiher in Ludwigshafen vergewaltigt und erwürgt. Zudem missbrauchte er nach Überzeugung der Richter drei weitere Mädchen sexuell. Das Gericht stellte fest, dass er insgesamt dreimal mit zwei Mädchen Geschlechtsverkehr hatte, die damals noch jünger als 14 Jahre waren.

Die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Frankenthal gegen den damals 17-Jährigen hatte im September 2020 begonnen. Im August 2022 war der dann 19-Jährige wegen Mordes, Vergewaltigung mit Todesfolge und sexuellen Kindesmissbrauchs in drei Fällen zu einer Jugendstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Frankenthal legten Revision ein.

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Das Pfälzische Oberlandesgericht Zweibrücken gab nach Mitteilung von Donnerstag nun der Haftbeschwerde des Mannes recht, hob den Haftbefehl auf und ordnete die Freilassung des Angeklagten an. Die Fortdauer der Untersuchungshaft sei mit dem Anspruch des Angeklagten auf eine beschleunigte Verurteilung nicht mehr vereinbar, hieß es zur Begründung. Die Verzögerungen seien nicht von ihm verschuldet und die Dauer der Untersuchungshaft unverhältnismäßig, so das Gericht.

Familie des Opfers entsetzt

In der mehr als 22 Monate dauernden Hauptverhandlung sei lediglich an 57 Tagen verhandelt worden. An 20 dieser Verhandlungstage hätten die Sitzungen weniger als zwei Stunden gedauert. Die dadurch eingetretene Verzögerung betrage insgesamt knapp sechs Monate.

Die Familie des ermordeten Mädchens ist entsetzt über die Freilassung. „Der Typ ist eine Bestie“, sagte die Schwester des Opfers, Vivian Z., bei ntv. „Er fühlt sich viel zu sicher. Und die Gefahr ist viel zu hoch, dass er so was wieder macht.“

Zoe lernte ihren Mörder im Internet kennen 

Der Täter hatte am Willersinnweiher, einem beliebten Badegewässer im Ludwigshafener Norden, die 17-jährige Zoe gewürgt, bis sie schließlich im Krankenhaus starb. Zuvor hatte Zoe ihren Peiniger im Internet kennengelernt, mit ihm gechattet. 

„Sie sah so schlimm aus, sie war überall gewürgt“, erzählte damals die Schwester der Toten dem Sender RTL. „Wir haben sie nicht wiedererkannt. Die Augen waren total geschwollen, die gingen gar nicht mehr zu.“ 36 Stunden später hörte Zoes Herz für immer auf zu schlagen.