Der britische Polizist David Carrick hat über Jahre seine Macht ausgenutzt und Frauen vergewaltigt.
Der britische Polizist David Carrick hat über Jahre seine Macht ausgenutzt und Frauen vergewaltigt. Police

Viele Jahre fand ein Vergewaltiger in seiner machtvollen und vermeintlich vertrauenswürdigen Rolle als Polizist Schutz, doch nun steht David Carrick (48) endlich vor Gericht. Der Brite hatte in den vergangenen 18 Jahren zwölf Frauen mindestens 24-mal vergewaltigt, sie erniedrigt, eingesperrt und verletzt. Dabei hatte er auch seine Stellung bei der Metropolitan Police ausgenutzt. Nun kommt es zum Prozess.

Vergewaltiger-Cop: Polizist nutzte seine Macht aus

David Carrick war sich seiner Machtposition, die von seinem Job als Polizist herrührte, bewusst. Das zeigt der Fall ganz deutlich. „Ich bin Polizist. Sie sind bei mir sicher“, soll sein Standardspruch gewesen sein, mit dem er sich das Vertrauen von Frauen erschlich und es später ausnutzte. Die Taten, die im Prozess, der am Montag begonnen hatte, verhandelt werden, erstrecken sich vom Jahr 2003 bis 2021. Neben 24 Fällen von Vergewaltigung werden auch weitere sexuelle Übergriffe, Freiheitsberaubung und Körperverletzung verhandelt.

Eine Anzeige brachte die Ermittlungen ins Rollen. Dass es vorher keine offizielle Anzeige gegeben hatte, hing offenbar auch damit zusammen, dass Carrick seinen Opfern erklärte, man würde ihnen nicht glauben, wenn sie Anzeige erstatteten. Schließlich sei er Polizist. Dass er damit offenbar nicht ganz unrecht hatte, wird dadurch deutlich, dass es zumindest Beschwerden gegen Carrick gegeben hatte. Doch die wurden ebenso wenig beachtet wie die Vorwürfe häuslicher Gewalt und Vergewaltigung aus der Zeit bevor Carrick bei der Polizei anheuerte.

Vergewaltiger-Cop: Polizeibehörde entschuldigt sich

Entsprechend kleinlaut gab sich Barbara Gray von der Metropolitan Police zum Prozessauftakt. „Wir hätten sein Muster missbräuchlichen Verhaltens erkennen sollen, und weil wir dies nicht getan haben, haben wir Gelegenheiten verpasst, ihn aus der Organisation zu entfernen“, sagte sie. „Es tut uns wirklich leid, dass die Möglichkeit, seine Rolle als Polizeibeamter weiterhin auszuüben, das Leiden seiner Opfer verlängert haben könnte.“

Dass sich im Oktober 2021 ein Opfer von Carrick traute, doch die Polizei einzuschalten, hing mit dem Verbrechen eines anderen Metropolitan-Polizisten zusammen: Wayne Couzens, der im März 2021 die junge Sarah Everard getötet hatte. Die Berichte darüber und die Bekundungen der Behörde, so etwas nicht mehr geschehen zu lassen, hatten sie dazu ermutigt, ihrerseits zur Polizei zu gehen. Bei den Ermittlungen traten dann die anderen Fälle zutage, die nun vor Gericht verhandelt werden. Ermittler halten es aber für möglich, dass sich noch weitere Opfer melden. 

Wayne Couzens, Ex-Polizist der Metropolitan Police, tötete eine junge Frau.
Wayne Couzens, Ex-Polizist der Metropolitan Police, tötete eine junge Frau. Social Media

Zum Prozessauftakt am Montag hatte Carrick zunächst gestanden, im Jahr 2003 eine damals 40 Jahre alte Frau viermal vergewaltigt zu haben. Auch bekannte er sich im Fall der Frau der Freiheitsberaubung und Körperverletzung schuldig. Wie die BBC nun berichtet, hatte sich der Polizist, der mit dem Beginn der Ermittlungen suspendiert wurde, bereits im Dezember im Rahmen einer Voranhörung in 43 von 49 Fällen schuldig bekannt. Darunter waren 20 Vergewaltigungen.

Vergewaltiger-Cop: Einer Frau verbot er den Kontakt mit ihrem Kind

Carrick habe gestanden, dass er über Monate und Jahre Frauen vergewaltigte und sie auch immer wieder körperlich und physisch angegriffen hatte. Dabei soll er sie in einen kleinen Schrank unter der Treppe in seinem Haus gezwungen und einer Frau auch den Kontakt mit ihrem Kind verboten haben. 

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Harriet Wistrich vom Zentrum für Frauengerechtigkeit prangerte die mangelnde Überprüfungskultur bei der Metropolitan Police an. „Dass Carrick nicht nur Polizist werden, sondern so lange im Dienst bleiben konnte, während er diese schrecklichen Verbrechen gegen Frauen begangen hat, ist erschreckend“, sagte sie. Londons Bürgermeister Sadiq Khan erklärte, er sei „absolut angewidert und entsetzt“ über das Verhalten des Polizisten. Ein Urteil soll im Februar fallen.