Der Vater des Hanau-Attentäters bedrängt immer wieder Angehörige der Opfer.
Der Vater des Hanau-Attentäters bedrängt immer wieder Angehörige der Opfer. Imago/Michael Schick

Nicht einmal drei Jahre ist der Terroranschlag von Hanau her, bei dem ein Rechtsextremist neun junge Menschen aus rassistischen Motiven ermordet hat. Seither sind von den Hinterbliebenen der Opfer und verschiedenen Initiativen zahlreiche Ungereimtheiten aus der Tatnacht, aber auch aus den Monaten vor und nach dem Anschlag angeprangert worden.

Da geht es um einen verschlossenen Notausgang, der geöffnet mehreren Opfern das Leben hätte retten können, da geht es um die unbeantworteten Notrufe von Vili-Viorel Paun, es geht um den zögerlichen Zugriff am Haus des Täters – und es geht auch um den Vater des Attentäters, der die Familien der Opfer seit der Terror-Nacht immer wieder bedrängte. In der vergangenen Woche nahm die Polizei ihn in Gewahrsam.

Hanau: Vater des Terroristen nähert sich Opfer-Familien

Grund dafür war, dass sich Hans-Gerd R. wiederholt vor dem Haus von Serpil Unvar, der Mutter des beim Anschlag getöteten Ferhat Unvar, aufgehalten hatte, und das trotz eines Annäherungsverbots. Das war erlassen worden, weil der Vater des Terroristen, der sich im Februar 2020 nach seinen rassistischen Morden selbst das Leben genommen hatte, sich immer wieder vor dem Haus von Serpil Unvar aufgehalten hatte, sich mit seinem Schäferhund vor ihr Fenster stellte und sie beobachtete. Einmal soll er sie auch gefragt haben, wie sich Unvar das Haus leisten könne und warum sie nach Deutschland gekommen sei.

Bereits in den Monaten nach der Tat fanden Polizei und Presse heraus, dass der Attentäter und sein Vater ein rassistisches Weltbild mit extremistischen und verschwörungstheoretischen Tendenzen teilten. Hinweise für eine Tatbeteiligung des Vaters sah man bei der Generalbundesanwaltschaft allerdings nicht.

Vater von Hanau-Terrorist sucht immer wieder Angehörige der Opfer auf

Sicher ist hingegen, dass Hans-Gerd R. weiterhin ein umtriebiges Leben in Kesselstadt führt, wo er und viele der Opferfamilien leben. Laut mehreren von der Polizei bestätigten Presseberichten, forderte der Vater des Terroristen beispielsweise die Polizei auf, die Tatwaffen seines Sohnes zurückzugeben. Er soll zudem mehrere Angehörige von Opfern bedroht haben. Auch Kinder soll er ganz gezielt beleidigt und bedroht haben.

Lesen Sie auch: 4247 falsche Masken-Atteste: Haftstrafe und Berufsverbot für Ärztin Monika J. >>

Dass seine erneute Grenzüberschreitung bei Serpil Unvar nun mit einer Nacht im Polizeigewahrsam geendet hat, scheint keinerlei Spuren hinterlassen zu haben. Nur einen Tag später soll er wieder vor dem Haus gestanden haben. Unvar macht das große Angst. Dem Hessischen Rundfunk sagte sie, solange die Polizei vor Ort sei, sei alles gut, doch R. suche jeden Tag ihr Haus auf. „Und leider kann niemand etwas machen.“