„Uno“, das amerikanische Spiel, dessen primäres Ziel es ist, seine Karten möglichst schnell abzulegen, feiert in diesem Jahr Geburtstag.  Hauke-Christian Dittrich/dpa

Es war ein Tag im Mai vor zwei Jahren, als für manch einen die heile Karten-Welt ins Wanken geriet. Zumindest kurzfristig. Der Hersteller des weltweit beliebten Ablegespiels „Uno“ stellte klar: Man darf keine Zieh-Karte auf eine andere Zieh-Karte legen. Wer nach der Karte dran ist, muss ziehen und aussetzen. Kein Verlängern möglich. „Wir wissen, dass ihr es probiert habt“, ergänzte man bei Twitter.

Bei kaum einem anderen Spiel existieren so viele Sonderregeln

Ja, natürlich! Bei kaum einem anderen Spiel existieren so viele Sonderregeln – jeweils abhängig von der Runde, die die Karten in der Hand hält. Zieh-Karten verlängern – also quasi die eigene Strafkarte verdoppeln und an den nächsten Spieler weiterreichen – ist nur ein Stichwort. Zwischenschmeißen ein anderes. Gerade Erwachsenen-Runden pimpen gerne die Regeln, was daran liegt, dass „Uno“ in seiner Grundversion nicht allzu aufregend ist. Bei dem internationalen Klassiker aus den USA, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, handelt es sich schließlich um eine Variante von „Mau-Mau“, die man mit farbigen Nummern und einigen Sonderkarten wie eben den Zieh-Karten spielt.

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Dass viele mit diesen anders umgehen, als es die Regeln vorsehen, findet natürlich auch Hersteller Mattel keineswegs verwerflich. Die Nummer mit dem „Verlängern verboten“ ist eher kokettierend zu verstehen. Man weiß die „Hausregeln“ der Spielerinnen und Spieler sehr zu schätzen: „Die einzige Grenze dafür ist eure Fantasie und die Zustimmung der anderen Spieler“, heißt es dazu in einem Post des offiziellen „Uno“-Twitter-Accounts. Und man trägt dieser Kreativität auch praktisch Rechnung: mit Blanko-Sonderkarten, auf denen man jede Spezial-Regel der Welt festlegen kann.

Die Erfinder des Spiels ahnten vor 50 Jahren sicher nichts von dem Erfolg. Hauke-Christian Dittrich/dpa

Apropos Welt: Die Erfinder des Spiels ahnten vor 50 Jahren sicher nichts von dem Erfolg, den „Uno“ weltweit erzielen sollte. Heute ist es in mehr als 80 Ländern erhältlich und wird weltweit durchschnittlich 17-mal pro Minute verkauft, so Hersteller Mattel, der das Spiel 1992 mit dem Kauf des Unternehmens International Games übernahm.

Ein Friseur aus Cincinnati entwickelte „Uno“

Ein Friseur aus Cincinnati entwickelte „Uno“ mit seiner Familie für die gemeinsamen Kartenspiel-Abende, zunächst ohne Ambitionen, es zu vermarkten. Als es auch bei Freunden gut ankam, investierte die Familie 1971 einige Tausend Dollar und brachte „Uno“ unter anderem vom Friseursalon aus unter die Leute. Ein Jahr später verkaufte man die Rechte an International Games – kein schlechtes Geschäft für die Familie. Das Unternehmen gab den Karten ein neues Design und legte die bis heute charakteristische Farb-Kombination der Rückseiten fest.

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Inzwischen muss man die „Uno“-Karten längst nicht mehr physisch in der Hand halten. Das Spiel ist für alle gängigen Konsolen erhältlich, und eine App gibt es selbstverständlich auch. In der sind die gängigsten Sonderregeln hinterlegt und auswählbar, darunter auch jene, nach der man auf eine Zieh-Karte eine weitere Zieh-Karte legen kann. „Für eine neue Art zu spielen“, kommentiert „Uno“ bei Twitter. Neue Art? Das trifft es nicht wirklich. Egal. Hauptsache alle spielen „Uno“ einfach so, wie sie wollen.