Ein Andenken an die gestorbene Greta (3). Ein Zettel mit dem Handabdruck eines Kindes und der Aufschrift „Liebe Grüße Greta" hängt im Eingangsbereich einer Kita. Foto: Federico Gambarini/dpa

Nach dem Mordverdacht gegen eine Erzieherin und einer möglichen Serie weiterer Gewalttaten in Kitas stehen nun mehrere Institutionen im Fokus. „Sollten sich die schrecklichen Vorwürfe bewahrheiten, muss auch im Detail vor Ort der Frage nachgegangen werden, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden“, teilte das NRW-Familienministerium mit. 

Die Vorfälle müssten gründlich und umfassend aufgeklärt werden. Das zuständige Landesjugendamt sei um einen Bericht gebeten worden. „Der Verdacht gegen die 25-Jährige wiegt schwer und ist unerträglich“, teilte das Ministerium mit. „Unser Mitgefühl gilt den Eltern und Angehörigen.“ Eltern müssten die Erkenntnis, dass ihre Kinder scheinbar nirgendwo sicher sind, erst einmal verkraften, sagte Manfred Joch, Leiter der Direktion Kriminalität der Polizei Mönchengladbach: „Die Angehörigen machen eine schwierige Zeit durch.“

Greta war das einzige Kind  in der Kita - allein mit der Erzieherin

Was war passiert? Die Mutter der kleinen Greta hatte ihr Kind am 21. April nach Wochen wieder einmal in die Corona-Notgruppe einer Kita gebracht, wie der Leiter der Mordkommission Guido Roßkamp sagte. Davor war das Kind gut behütet bei der Patentante: ein robustes, fröhliches und gesundes Mädchen. An jenem Tag war Greta das einzige Kind in dieser Notgruppe - betreut von der 25-jährigen tatverdächtigen Erzieherin und einem Kollegen.

Die 25-jährige Erzieherin war nun allein mit dem Kind. In Abständen von 15 Minuten will sie den Atem geprüft haben, indem sie die Hand auf Gretas Brust legte, wie sie laut Roßkamp in einer Vernehmung angab. Um 14.45 Uhr will die Erzieherin keine Atmung mehr festgestellt haben. Das Kind war nicht ansprechbar, der Körper blass und blau.

Auch der Notarzt konnte nicht mehr helfen

Der Notarzt brachte die Kleine in die Kinderklinik nach Viersen. Das Kind wurde mit Maschinen am Leben erhalten. Greta hatte einen Hirnschaden aufgrund von Sauerstoffmangel. Am 4. Mai trat der Hirntod des vorher so fröhlichen und gesunden Kindes ein.

Wie Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach berichteten, sind die Behörden auf weitere Vorfälle in drei früheren Kindergärten gestoßen, in denen die als „wenig geeignet“ eingestufte Erzieherin tätig war. Die Stadt Kempen hat nach einem früheren Dementi eingeräumt, dass es vier Vorfälle in der Kita gab, in der die Erzieherin gearbeitet hat.

Viermal sei der Notarzt gerufen worden, weil ein Kind über Atemnot geklagt habe, berichtete ein Stadtsprecher. Es seien, wie vorgeschrieben, Unfallanzeigen über das Jugendamt an die Unfallkasse geleitet worden. Diese seien auch nicht zu beanstanden.

„Es lagen keine Anzeichen vor, in eine andere Richtung zu denken“, hieß es. Die Stadt Krefeld teilte mit, bei ihr habe die Beschuldigte ein Berufspraktikum absolviert. Alles, was dazu mitzuteilen sei, hätten die Ermittler bereits mitgeteilt. Der Kreis Viersen, in dem Tönisvorst liegt, wo die Erzieherin ebenfalls gearbeitet hat, verwies auf Anfrage an das Landesjugendamt.