Ein Mann, der sich trotz vorheriger Bewährungsauflagen der Vergewaltigung von vier Teenagern schuldig bekannt hat, wurde wieder nur auf Bewährung verurteilt. IMAGO/Sabine Gudath

Diese Geschichte klingt einfach unglaublich, ist aber genauso passiert. Ein Mann, der sich der Vergewaltigung und des sexuellen Übergriffs von vier Teenagern schuldig bekannt hat, umgeht eine Gefängnisstrafe, weil ein Richter des Staates New York der Meinung ist, dass der Knast unangemessen sei.

„Ich habe mich gequält mit der Entscheidung“, erklärt Richter Matthew J. Murphy. Er habe gebetet und Gott um Hilfe gebeten, ein richtiges Strafmaß festzulegen. „Es gab große Schmerzen. Es gab großen Schaden. In dem Fall wurden mehrere Verbrechen begangen“, so der Richter. „Es scheint mir, dass eine Strafe, die eine Inhaftierung oder eine teilweise Inhaftierung beinhaltet, nicht angemessen ist. Also werde ich Sie zu einer Bewährungsstrafe verurteilen.“

Lesen Sie auch: Babysitter Oleg S. missbraucht die achtjährige Tochter seines besten Freundes, der findet die Bilder auf dessen Handy und ersticht ihn >>

Vergewaltiger bekommt acht Jahre auf Bewährung

Acht Jahre auf Bewährung, eine Registrierung als Sexualstraftäter – aber eben kein Gefängnis. Wie kann das sein?

Immerhin hatte Christopher B. 2019 zugegeben, insgesamt vier Mädchen missbraucht und vergewaltigt zu haben. Auch sein junges Alter kann als Begründung nicht herhalten. Zwar ist der Mann erst 20 Jahre alt. Laut Gerichtsakten hat er jedoch gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. Richter Matthew J. Murphy verweigerte ihm deshalb den Status eines jugendlichen Straftäters und entschied, dass er als Erwachsener verurteilt würde, heißt es in den Dokumenten.

Lesen Sie auch: Mann (71) vergewaltigt 13-Jährige: Als sie plötzlich ein Baby bekommt, fliegt der Missbrauch auf. Das Neugeborene stirbt >>

Ein Opfer – in den Medien wird es M.M. genannt – sprach in einer Gerichtsverhandlung über den Vorfall. Sie war 16 Jahre als, als sie vom Täter vergewaltigt wurde. Er sagte ihr, sie solle aufhören, so ein Baby zu sein, heißt es in Gerichtsdokumenten. Sie habe „während des Angriffs geweint“.

In seiner letzten Stellungnahme vor dem Urteil hieß es seitens des Täters in Richtung Opfer: „Durch die Reflexion empfinde ich tiefe Scham und Bedauern für meine Taten. Keine von euch hat es verdient, in dieser Situation zu sein. Ich hoffe, jede von euch konnte die Wunde schließen, die ich aufgerissen habe. Ich weiß jedoch, dass eine Narbe zurückbleiben wird, die an das Böse dieser Nacht erinnern wird.“

Opfer des Vergewaltigers können Strafmaß kaum glauben

M.M. empfindet das Urteil jedoch als „ekelhaft“. „Der Richter hatte die Möglichkeit, das Feuer zu löschen, aber er entschied sich, es weiterbrennen zu lassen“, sagte sie. „Ich hatte nicht erwartet, so emotional zu sein, wie ich war, aber ich bin einfach zusammengebrochen.“

Lesen Sie auch: Fünffach-Mutter packt aus: Nachbarn erstochen, weil er ihren Sohn missbraucht hat – „Habe getan, was jede Mutter tun würde“ >>

Auch der Bezirksstaatsanwalt von Niagara County, Brian Seaman, kritisierte auch die fehlende Haftzeit in der Strafe. „Angesichts der Schwere dieser Verbrechen, der sehr eindringlichen und emotionalen Aussagen der Opfer und der Tatsache, dass Christopher B. bereits einer vorläufigen Bewährung ausgesetzt war und er scheiterte, wäre eine Gefängnisstrafe völlig angemessen gewesen“, sagte er.

Lesen Sie aktuelle Berliner Kriminalfälle hier  im Polizeiticker >>

Der Richter, der diese Entscheidung traf, kann sich bald noch einmal in Ruhe Gedanken darüber machen, was er für ein Urteil gesprochen hat. Murphy soll nächsten Monat im gesetzlichen Rentenalter von 70 Jahren in den Ruhestand gehen.