Coronavirus-Modell und Erdkugel (Symbolfoto). Foto: imago images/Christian Ohde

In Garmisch-Partenkirchen ist offenbar eine neue, bisher unbekannte Variante des Coronavirus aufgetaucht. Wie die Zeitung Münchner Merkur und das Onlineportal des Bayerischen Rundfunks BR24 berichten, wurde die Variante bei einem Corona-Ausbruch am Klinikum Garmisch-Partenkirchen entdeckt. Das Virus werde nun im Konsiliarlabor für Coronaviren an der Charité Berlin untersucht, dessen Leiter Christian Drosten ist. Für Montagnachmittag wurde eine Pressekonferenz angekündigt.

Bei dem Ausbruch wurden 73 Patienten und Mitarbeiter positiv getestet. Bei drei dieser Proben liegt offenbar die neue Variante vor. Was daran anders ist und ob diese Variante gefährlicher oder krankmachender ist, lässt sich allerdings noch nicht sagen. Generell ist es nicht ungewöhnlich, dass im Genom von Sars-CoV-2, das insgesamt 30.000 Genbausteine enthält, einzelne Veränderungen (Mutationen) auftreten. Bei solchen Mutationen handelt es sich um Kopierfehler bei der Vermehrung des Virus – die laufend auftreten und zur Evolution der Viren gehören.

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Neue Linien in Großbritannien, Südafrika und Brasilien

Die meisten Mutationen sind für die Viren eher ungünstig. Lediglich wenn eine genetische Veränderung dem Virus einen Vorteil bringt, hat diese Variante gute Chancen, sich weiter zu verbreiten und vielleicht auch zur dominanten Variante zu werden. Seit der Entdeckung von Sars-CoV-2 wurden etliche Veränderungen einzelner Erbgutbausteine dokumentiert.

Zurzeit beobachten Forscher drei neue Varianten weltweit, deren rasche Verbreitung sie mit Sorge betrachten. Es sind die in Großbritannien entdeckte Linie B.1.1.7 sowie andere neue Varianten in Südafrika und Brasilien. Bei ihnen geht man davon aus, dass sie deutlich ansteckender sind als die bisher kursierenden Varianten von Sars-CoV-2. Für B.1.1.7 schätzen Experten eine um 56 Prozent höhere Ansteckungsfähigkeit.

Vor allem die in Brasilien entdeckte Linie mit der Bezeichnung P.1 könnte es zudem womöglich geschafft haben, sich derart zu verändern, dass Antikörper, die nach einer Covid-Erkrankung vor neuerlichen Infektionen schützen, gegen sie machtlos sind. Zumindest treten derzeit im brasilianischen Manaus, wo das Virus bereits derart gewütet hat, dass bereits rund 75 Prozent der Bevölkerung infiziert waren, zurzeit wieder viele neue Infektionen auf. Ein Grund dafür könnte aber auch schlicht ein nachlassender Immunschutz sein, heißt es einem Bericht im Wissenschaftsmagazin Science zufolge.

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Deutschland baut molekulare Surveillance auf

In Deutschland soll nach diesen besorgniserregenden Entdeckungen nun besser überwacht werden, welche Viruslinien im Umlauf sind. Bislang wurden die Genome der hier kursierenden Coronaviren recht spärlich sequenziert. Am Montag kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, dass die molekulare Surveillance von Sars-CoV-2 nun derart gefördert wird, dass je nach Infektionslage mindestens fünf Prozent der positiven Proben sequenziert werden. Dazu soll ein bundesweites Netzwerk von Laboren beitragen, das diese Probenauswahl an das Robert-Koch-Institut (RKI) oder an das Konsiliarlabor für Coronaviren an der Charité einsendet.

„Schon jetzt gibt es ein Netzwerk an Laboren, das Mutationen des Coronavirus analysiert. Aber das reicht in der aktuellen Lage nicht, um ein genaues Lagebild zu erhalten. Wir wollen noch besser nachvollziehen können, wo sich bekannte Mutationen verbreiten und ob es neue Mutationen gibt“, sagte Spahn.

Bisher wurden in Deutschland die britische und die südafrikanische Linie nachgewiesen. Allerdings hatten alle diese Fälle mit Reisen in die betroffenen Länder zu tun. Es gibt also bis jetzt noch keine Indizien dafür, dass sich B.1.1.7 oder die in Südafrika entdeckte Variante hierzulande stark ausbreiten.