Mit diesem Bild warb Simão Peixoto für seinen Kampf. Facebook/Simão Peixoto

In der Politik ist häufig von Kampf die Rede: Wahlkampf, Schlagfertigkeit, schlagende Argumente: Ein brasilianischer Bürgermeister hat diese Begriffe wörtlich genommen. Seinen politischen Streit mit einem ehemaligen Stadtratsmitglied trug er jetzt im Boxring aus. Simão Peixoto, Bürgermeister von Borba im Amazonasgebiet, forderte Ex-Stadtrat Erineu da Silva zu einem Mixed-Martial-Arts-Kampf heraus, nachdem dieser wiederholt Peixotos Management eines städtischen Fluss-Strandbads kritisiert hatte. Das Spektakel wurde zum Zuschauerhit, sorgte jedoch auch für Kritik.

Peixoto lag schon seit längerem mit da Silva im Streit. Als dieser ihm in einem Video „Prügel“ angedroht hatte, reichte es Peixoto. Medienberichten zufolge konterte der 39-jährige Bürgermeister mit einer Aufforderung an seinen politischen Kontrahenten, in den Ring zu steigen. Der Kampf - auf drei Runden angesetzt, mit Punktrichtern und vollen Zuschauerrängen - wurde am frühen Sonntagmorgen in der städtischen Sporthalle ausgetragen.

Bürgermeister ging zweimal zu Boden, doch Punktrichter entschieden für Peixoto

Peixoto, ein ausgewiesener Kampfsport-Fan, der in politischen Werbespots gerne mit Kampfhandschuhen auftritt, betrat den Ring bewusst aggressiv und siegessicher. Die beiden Männer verschwendeten keine Zeit und stürzten sich aufeinander. Dann aber schien ihnen recht schnell die Puste auszugehen.

Im folgenden Gerangel brachte da Silva den Bürgermeister zwei Mal zu Boden. Am Ende erklärten die Punktrichter aber Peixoto zum Gewinner. Die Kontrahenten umarmten sich sportsmännisch, die politischen Feindseligkeiten schienen vergessen.

Peixoto sagte hinterher, die Veranstaltung habe der Förderung des Sports gedient. Gleichzeitig wurden Spenden für wohltätige Zwecke gesammelt: Das Publikum wurde gebeten, Lebensmittel für Bedürftige zu spenden.

Fans ohne Schutzmasken, Corona-Abstände missachtet

Kritik an dem Spektakel ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Die Gesundheitsbehörde des Bundesstaates Amazonas forderte eine Erklärung von den Behörden der Kleinstadt, warum sie eine Menge Fans ohne Schutzmasken und Hinweis auf die Corona-Abstandsregeln in die Sporthalle gelassen hätten.

Andere monierten, die Politiker hätten im Kontext einer ohnehin bereits stark aufgeheizten politischen Debatte im Land ihre Meinungsverschiedenheit wortwörtlich mit den Fäusten ausgetragen. „In diesem Kampf gab es nur Verlierer - darunter die vernünftige öffentlichen Debatte und - vor allem - der Wähler“, kommentierte das Nachrichtenmagazin „Veja“.

Andere schlugen ironisch vor, den sportlichen Wettkampf als Vorbild für den Präsidentschafts-Wahlkampf zwischen Amtsinhaber Jair Bolsonaro und seinem Erzrivalen Luiz Inácio Lula da Silva zu nehmen. „Könnt Ihr euch Bolsonaro und Lula im Ring vorstellen“, fragte ein Twitter-Nutzer. „Ohne Rücksicht auf Verluste, versteht sich“.