Ein selbst gebasteltes Plakat mit dem Schriftzug „Corona = Lüge!“ hängt an einem Zaun an der Bundesstraße B96 bei Bergen auf der Insel Rügen. Für rund jeden siebten Bundesbürger (15 Prozent) gibt es nach einer repräsentativen Umfrage keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Coronavirus. Foto: Stefan Sauer/dpa

Das generelle Vertrauen in Wissenschaft und Forschung ist in Deutschland weiterhin hoch. 60 Prozent der Menschen geben an, dass sie eher oder voll und ganz in Wissenschaft und Forschung vertrauen. Das sind etwas weniger als im Frühjahr 2020. So waren es im April noch 73 Prozent und im Mai 66 Prozent. Es sind jedoch deutlich mehr als in den Vorjahren. 2019 waren es zum Beispiel 46 Prozent. Dies sind bevölkerungsrepräsentative Daten aus dem Wissenschaftsbarometer 2020, einer repräsentativen Umfrage vom November zur öffentlichen Meinung zu Wissenschaft und Forschung. Vorgestellt hat sie jetzt die Organisation Wissenschaft im Dialog (WiD).

Relativ hohe Zahl an Unentschiedenen und Zweifelnden

Es gibt dabei auch bedenkenswerte Ergebnisse. So sind etwa 40 Prozent der Deutschen der Meinung, „dass Wissenschaftler uns nicht alles sagen, was sie über das Coronavirus wissen“. 15 Prozent glauben, dass es keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Virus gibt. Die relativ hohe Zahl der Unentschiedenen und Zweifelnden sollte beunruhigen, sagte der WiD-Geschäftsführer Markus Weißkopf. „Die Wissenschaft muss sich noch stärker öffnen und auch mit denjenigen ins Gespräch kommen, die unsicher sind. Damit das gelingen kann, müssen wir alle Forschenden dabei unterstützen, ihr Wissen, ihre Werte und ihre Arbeitsweise zu vermitteln.“ Ähnlich wie in früheren Umfragen des Wissenschaftsbarometers ist ein Drittel der Befragten überzeugt, dass Wissenschaftler sich zu wenig bemühen, die Öffentlichkeit über ihre Arbeit zu informieren. 29 Prozent stimmen dieser Aussage nicht zu.

Lesen Sie auch unseren Corona-Newsblog >>

Immerhin wollen 77 Prozent der Deutschen, dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Zum Vergleich: Bei den Erhebungen des Wissenschaftsbarometers Corona Spezial im April 2020 erklärten dies 81 Prozent, im Mai 2020 73 Prozent. Außerdem: 42 Prozent der Befragten sehen es nicht als Aufgabe von Wissenschaftlern an, sich in die Politik einzumischen. Im April 2020 erklärten dies lediglich 32 Prozent. „Es ist bemerkenswert, wie klar eine große Mehrheit der Befragten erwartet, dass die Politik ihre Entscheidungen unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse fällen sollte, nicht aber dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst in die Politik einmischen sollten“, sagte Rainer Bromme, Professor für pädagogische Psychologie an der Universität Münster. Zwei Drittel der Deutschen sind zudem der Auffassung, dass Kontroversen zwischen Wissenschaftlern zu Corona hilfreich sind, damit sich die richtigen Forschungsergebnisse durchsetzen.

55 Prozent wollen sich impfen lassen

Das Wissenschaftsbarometer ist eine Meinungsumfrage, die seit 2014 die Einstellungen der Bevölkerung in Deutschland gegenüber Wissenschaft und Forschung betrachtet. Die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2020 basieren auf 1016 Telefoninterviews, die vom 3. bis zum 9. November 2020 im Auftrag von Wissenschaft im Dialog geführt wurden. Befragt wurden deutschsprachige Bürger, die älter als 14 Jahre sind. Wissenschaft im Dialog ist eine Initiative, die im Jahre 2000 gegründet wurde und sich für den Austausch über Forschung in Deutschland einsetzt. Förderer und Unterstützer sind unter anderem die Robert-Bosch-Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft.

Zu den weiteren Ergebnissen der Umfrage im November gehört, dass 55 Prozent der Deutschen sich wahrscheinlich impfen lassen würden, wenn es einen in Deutschland zugelassenen Impfstoff gibt. Knapp 30 Prozent sagen, das sei unwahrscheinlich.

Die meisten Menschen orientieren sich noch immer an klassischen Nachrichtenmedien, um sich zu informieren. 80 Prozent erklärten, sich im Netz über Wissenschaft und Forschung zu informieren. 57 Prozent der Onlinenutzer greifen dafür häufig oder sehr häufig auf Webseiten von klassischen Nachrichtenmedien zurück, darunter Zeitungen, Magazine und Fernsehsender. Zum Vergleich: 2018 waren es noch 41 Prozent. 15 Prozent derjenigen, die sich online über Wissenschaft und Forschung informieren, tun dies häufig oder sehr häufig in den sozialen Medien.

Lesen Sie auch: Corona-Pandemie: Massive Übersterblichkeit: In diesem Bundesland sogar 27 Prozent mehr Tote!

„Wir freuen uns über das unverändert große Interesse an Wissenschaft und Forschung“, sagte Tina Stengele, kommissarische Leiterin des Bereichs Wissenschaft der Robert-Bosch-Stiftung. „Zugleich gibt es Menschen, die sich in der Corona-Pandemie lieber auf ‚den gesunden Menschenverstand‘ verlassen als auf wissenschaftliche Studien.“ Umso wichtiger sei es, wissenschaftliche Fakten und Handlungsempfehlungen über vielfältige Formate zu vermitteln, um auch diejenigen zu erreichen, die unsicher sind und zweifeln.

Weitere Informationen finden sich im Internet unter: www.wissenschaftsbarometer.de