Dramatische Bilder: Ganze Städte wurden überschwemmt - und auch Hunde mussten in den Fluten ums Überleben kämpfen. Foto: Tierrettung Essen, imago/Future Image

Das Hochwasser im Westen Deutschlands hält unzählige Menschen in Atem, viele verloren ihr Hab und Gut, ihre gesamte Existenz, unzählige sogar ihr Leben. Doch nicht nur Menschen leiden unerträglich unter der Horror-Flut. Auch für viele Tiere kam mit dem Wasser der nackte Kampf ums Überleben. In den betroffenen Gebieten sind überall Tierschützer am Werk – und versuchen, wehrlose Vierbeiner vor den Wassermassen zu retten.

Es ist ein Bild, das alle Tierfreunde zu Tränen rührt: Ein verzweifelter Hund klammert sich mit den Pfoten an einer Leitplanke fest, überall um ihn herum strömt die braune Brühe, die Flut reißt alles weg. Das Foto tauchte auf der Facebook-Seite der Tierrettung Essen e.V. auf. Der Verein kümmert sich auch während der Horror-Flut um Tiere in Not. „2013 in Sachsen Anhalt konnten wir eindrucksstark beweisen, dass es sinnvoll ist zur Rettung von Haustieren und anderen Nutztieren, professionelle Tierretter mit vor Ort zu haben“, heißt es dort.

Dramatische Szenen spielten sich bei einer Pony-Rettung ab

Dramatische Szenen spielten sich etwa bei Linnich ab. Hier alarmierte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eine Ponyhalterin die Tierretter, weil ihre neun Ponys von den Wassermassen eingeschlossen waren. „Gegen 1.20 Uhr trafen die sechs Tierretter aus dem 115 Kilometer entfernten Essen mit zwei Einsatzfahrzeugen vor Ort ein. Sofort wurde die kritische Lage beurteilt und Spezialausrüstung zur Wasserrettung angelegt“, informiert die Tierrettung Essen.

Die Helden der Tierrettung Essen retteten unter anderem mehrere vom Wasser eingeschlossene Ponys. Foto: Facebook/Tierrettung Essen

Die Retter stiegen ins Wasser, befreiten zwei Ponys aus der prekären Situation. „Der Einsatz musste abgebrochen werden, da akute Lebensgefahr nun auch für die Tierretter bestand. Überglücklich nahmen die Halter ihre beiden geretteten Ponys entgegen.“ Die anderen sieben Tiere retteten sich auf eine Anhöhe.

In Trier retteten Feuerwehrleute 60 zurückgelassene Haustiere

Eine besondere Evakuierungsaktion gab es auch in Trier: Hier rettete die Feuerwehr rund 60 Tiere aus Häusern im überschwemmten Stadtteil Ehrang. Tierbesitzer, die wegen der Flut schnell ihre Häuser verlassen mussten, hätten um ihre zurückgelassenen Haustiere gebangt, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). „Ich kann das total gut nachvollziehen, weil es ein Tier ist, das man einfach gerne hat und das zum Leben gehört.“ Feuerwehrleute hätten eine Liste erstellt und seien dann mit Gummistiefeln in die entsprechenden Häuser gegangen, um die Tiere zu holen, erklärte der Sprecher der Stadt.

Auch für einige Tierheime waren die Wassermassen katastrophal. Etwa in Solingen: Hier musste die Einrichtung kurzerhand geräumt werden. „Aufgrund der starken Regenfälle und großen Wassermassen musste unser Tierheim in der Nacht zum Donnerstag innerhalb kurzer Zeit evakuiert werden“, schreiben die Tierschützer auf Facebook. „Leider hat uns die Nachricht über das zu erwartende Ausmaß der Hochwasserlage zu spät erreicht, sodass wir nicht früher reagieren konnten. Nur dank der vielen engagierten Helfer konnten unsere Schützlinge schnell gesichert und dann auch sicher untergebracht werden!“

Wie durch ein Wunder sei der große Teil des Tierheims aber unbeschädigt geblieben. „Die Holz-Gartenhäuser, die als Unterschlupf für unsere Hunde in den Ausläufen stehen, sind als einziges in Mitleidenschaft gezogen worden“, hieß es später.

Auch der Deutsche Tierschutzbund zeigt sich bestürzt vom Ausmaß der Katastrophe. „Wir sind in Gedanken bei allen Menschen und Tieren, die in den Fluten ums Leben gekommen sind, ihre Liebsten verloren haben oder anderweitig von den Folgen der Katastrophe betroffen sind. Es ist eine entsetzliche Tragödie“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Tierschutzbundes. „Die Lage ist derzeit noch unübersichtlich, die genauen Schäden noch nicht abzusehen. Einige Tierheime in betroffenen Regionen sind wegen Stromausfällen nicht erreichbar.“

Vor allem für Tierheime sei die Lage schlimm. Denn: Sie litten bereits unter der Coronakrise, hätten zudem mit einem Haustierboom zu kämpfen, weil viele nach dem Lockdown ihre kurzfristig angeschafften Vierbeiner zurückgeben. Schröder: „Wir als Dachverband tun alles in unserer Macht stehende, um bestmöglich zu helfen und hoffen auf die Unterstützung von Tierfreunden im ganzen Land. Die Solidarität und Hilfsbereitschaft, die wir unter Tierfreunden bereits erleben können, bewegt uns sehr.“