Jan Böhmermann und sein Team haben Fynn Kliemann unter die Lupe genommen. Imago/Future Image(1)/Eventpress(1)

Jan Böhmermann ist längst nicht mehr nur der ins Spartenprogramm verbannte Spaßmacher des ZDF. Der Bremer und seine Redaktion vom „ZDF Magazin Royale“ haben sich längst in ganz Deutschland mit ihrer journalistischen Arbeit einen Namen gemacht. Mit ihren Recherchen und Enthüllungen haben Sie es gar ins Hauptprogramm des Mainzer Senders geschafft. Und nun nahm sich das Team den Unternehmer und Youtube-Star Fynn Kliemann vor und kratzte damit ordentlich am Saubermann-Image des 34-Jährigen - der hatte vorher noch versucht, alles abzuwenden.

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Jan Böhmermann und sein Team recherchieren zu Fynn Kliemann

Jan Böhmermann und seine Redaktion recherchieren offenbar schon sehr lange im Fall Kliemann. Das legen Videos auf der Instagram-Seite des „ZDF Magazin Royale“ nahe. Seit zehn Wochen parodiert Böhmermann dort im „Böhmermannsland“, was bei Fynn Kliemann im „Kliemannsland“ so Tagesordnung ist – oder zumindest zeitweise war: Unbezahlte Arbeitskräfte, kleinere Arbeitsunfälle und das Einstecken von Lorbeeren anderer.

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Fynn Kliemann ist im Internet vielschichtig unterwegs. Imago/Horst Galuschka

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Doch das „ZDF Magazin Royale“ beließ es nicht beim Parodieren. Wie aus der neuen Folge hervorging, wälzte die Redaktion von Jan Böhmermann „Geschäftsunterlagen, WhatsApp-Nachrichten, iMessages, E-Mails, Lieferscheine, Auftragsbestätigungen, Fotos, Videoaufnahmen, Anruflisten, Excel-Tabellen, ganz viele Screenshots von Webseiten.“ Und die Redation schickte unter anderem Fynn Kliemann auch einen Fragenkatalog zu. Doch statt den wie üblich in schriftlicher Form zu beantworten, schien er die Recherche sabotieren zu wollen.

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Fynn Kliemann versuchte die Böhmermann-Recherche zu sabotieren

Kliemann, den seine Fans als so etwas wie ein modernes Universalgenie verstehen, und der unter anderem als Unternehmer, Musiker, Autor, Heimwerker, Modemacher, Investor und Immobilienbesitzer unterwegs ist, beantwortete den Fragenkatalog des „ZDF Magazin Royale“ mündlich in einem Video auf Instagram – und schien dabei auf entscheidende Fragen eher ausweichend zu antworten oder gab an, schlicht keine Ahnung zu haben.

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Von seinen Fans wurde Kliemann für diese vermeintliche Offenheit gefeiert, zahlreiche Journalisten sahen seinen Sabotage-Versuch der Recherche jedoch kritisch. Fynn Kliemann versuche die Recherche zu untergraben, schätze beispielsweise Günter Bartsch, Geschäftsführer beim Berliner Netzwerk Recherche den Fall ein. Hajo Seppelt, Investigativ-Journalist der ARD, bezeichnete das Video als „lumpigen Trick“. Und Correctiv-Mitgründer Daniel Drepper nennt das Veröffentlichen des Fragenkatalogs „rechtlich mindestens grenzwertig“.

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Fynn Kliemann konnte Böhmermann-Recherche nicht verhindern

Die Veröffentlichung der Recherche konnte Kliemann aber auch mit dem Video nicht verhindern. Da ging es zunächst einmal um Kliemanns Ferienhäuser „LDGG“. Bei denen können Mieter mehr zahlen, als die eigentliche Miete, um bedürftigen Menschen einen Urlaub zu ermöglichen, so die Idee des Unternehmers. Doch in der Umsetzung gibt es Schwächen. Es sind zwar bereits mehr als 10.000 Euro für diesen Zweck zusammengekommen, eingesetzt wurden sie noch nicht – und das offenbar, weil Kliemann das Geld zwar schon einsammelt, aber keine Ahnung hat, wie er es an den Mann oder die Frau bringen will.

Das legt Böhmermann ziemlich deutlich in seinem neuen Video offen. Und er zeigt, dass Kliemann es mit der Wahrheit und Transparenz offenbar nicht immer so genau nimmt. Denn während der Recherche ändert Kliemann immer wieder den Text auf der Website. So wird aus dem Wort „Spende“ einfach „Soli-Beitrag“ oder aber die NGOs, die vermeintlich mit ihm zusammenarbeiten, werden von einem Tag auf den anderen ausgetauscht.

Hauptthema des Videos sind aber die Masken, die Fynn Kliemann zusammen mit der Firma Global Tactics, an der er Anteile hält, im Jahr 2020 produzieren und im großen Stil vertreiben ließ. Kliemann stellte es in seinem Video so dar, als hätte er damit wenig zu tun. Die Recherche von Böhmermann und seinem Team scheint etwas anderes zu zeigen.

In zahlreichen Whatsapp-Nachrichten scheint Kliemann sehr involviert in den Prozess zu sein. Und noch etwas deckt das „ZDF Magazin Royale“ auf: Anders als von Kliemann angegeben, wurde zumindest ein Teil der Masken nicht in Portugal produziert, sondern in Bangladesch und Vietnam – oft von Arbeiterinnen und Arbeitern, die zu Hungerlöhnen ihr Tagwerk verrichteten.

Böhmermann: Fynn Kliemanns Masken kommen nicht aus Portugal

Das sollte offenbar verschleiert werden. Böhmermann zitierte einen Chat von Kliemanns Geschäftspartner Tom Illbruck, der in mehreren Nachrichten darauf drang, dass die Kartons aus Asien nicht mit dem Herkunftsort beschriftet werden sollten. In einer Mail, in der es darum ging, war Kliemann auch im CC.

Mit diesen vermeintlich in Europa hergestellten Masken soll mit einer Marge von über 100 Prozent ein Riesengewinn erzielt worden sein, so Böhmermann. Im Jahr 2020 gab es bei Global Tactics erwiesenermaßen einen riesigen Umsatzsprung – vor allem durch die Stoffmasken.

Doch allein der offensichtliche Masken-Betrug war noch nicht die Spitze des Eisbergs. Denn die ersten 100.000 Masken aus der Bangladesch-Lieferung sollen offenbar minderwertig gewesen sein, wie Böhmermann mit Chatprotokollen belegt. Da diese nicht verkauft werden konnten, wurden die minderwertigen Produkte offenbar an Flüchtlingscamps in Griechenland und Bosnien verschickt. Und während Kliemann und Illbruck dafür positive Schlagzeilen machten, versuchten sich Geflüchtete mit unbrauchbaren Masken zu schützen.

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Als der Vorwurf laut wurde, der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn wolle unbrauchbare Masken an Obdachlose verteilen war der Aufschrei groß. Nun, da rauskam, das Fynn Kliemann und sein Partner tatsächlich minderwertige Masken an Geflüchtete verteilte, dürfte die Reaktion ähnlich ausfallen.

Diese Recherche, die Böhmermann und sein Team auf einer eigens gebauten Website auch verschriftlichten, dürfte ordentlich an dem Weltretter-Image von Fynn Kliemann kratzen. Sein Versuch, die Arbeit des „ZDF Magazin Royale“ zu sabotieren, lief jedenfalls ins Leere. Ein neues Statement zur Böhmermann-Recherche gibt es von Fynn Kliemann noch nicht.

Update: Am Freitagabend hat Fynn Kliemann ein Statement veröffentlicht. Alle Infos dazu finden Sie hier >>