Tropensturm „Eta“ hat Kurs auf Florida genommen. Das vorläufige Resultat: Eine geflutete Straße in Miami. Foto: Chandan Khanna/AFP

Der Sturm „Eta“ nähert sich der US-Küste – und das Ausmaß der Schäden in Mittelamerika offenbart sich allmählich. Die Zahl der bestätigten Todesfälle in der Region stieg am Montag auf mehr als 130. Gut 170 weitere Menschen wurden noch vermisst, die Mehrheit davon in Guatemala. In Honduras waren nach Angaben der Regierung rund 65.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Hinzu kamen Schäden durch Regen, Wind und Erdrutsche. Diese trafen eine in großen Teilen arme Region, die durch die Coronavirus-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen bereits zusätzlich geschwächt war.

Nach Sturm „Eta“: Rettungskräfte suchen nach verschütteten Überlebenden in Queja, Guatemala. 
Foto: Esteban Biba/Pool Photo via AP

Der Kampf gegen das Virus werde von „Eta“ zurückgeworfen, teilte die Hilfsorganisation Caritas International mit. Die Situation in den Notunterkünften sei äußerst schwierig: Es fehle an Masken und Desinfektionsmittel, und ein Abstandhalten sei nicht möglich, sagte demnach Julia Wiget, Caritas-Referentin für Guatemala und Honduras. Zehntausende Menschen verloren ihre Zuhause, viele der Millionen Betroffenen hatten nicht genug Trinkwasser und Essen.

„Eta“ war am Dienstag voriger Woche als Hurrikan auf die Küste Nicaraguas getroffen. Später schwächte er sich zu einem Tropensturm (weniger als 118 Kilometer pro Stunde) ab. Die Zahl der Todesopfer wegen Überschwemmungen und Erdrutschen wurde in Mittelamerika und Mexiko auf insgesamt mehr als 200 Menschen geschätzt. Am Sonntag zog „Eta“ mit heftigen Regenfällen über Kuba – das Ausmaß der Schäden dort war zunächst nicht bekannt. Am Montag nahm der Sturm Kurs auf den US-Bundesstaat Florida. Das US-Hurrikanzentrum in Miami warnte vor schweren Regenfällen und lebensgefährlichen Überflutungen in Teilen des Südostens der Halbinsel.

In Mittelamerika zerstörte das Unwetter Infrastruktur und Ernten. Rettungsarbeiten gingen am Montag weiter. In Guatemala, wo ein Erdrutsch ein ganzes Dorf verschüttete, waren einige Gemeinden wegen der Überschwemmungen für die Helfer nur schwer erreichbar, wie die Organisation Aktion gegen den Hunger mitteilte. Der Präsident von Honduras, Juan Orlando Hernández, bezeichnete in einer Fernsehansprache am Sonntagabend (Ortszeit)die Kombination aus Covid-19 und „Eta“ als schwerste Krise in der modernen Geschichte des Landes. Mexikos Südosten bekam nach Worten des Präsidenten Andrés Manuel López Obrador die heftigsten Regenfälle seit 50 Jahren ab.

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In der diesjährigen Hurrikan-Saison im Atlantik, die von Juni bis November dauert, haben sich so viele starke Stürme gebildet, dass die 21 Namen, die in alphabetischer Reihenfolge dafür vorgesehen waren, längst aufgebraucht sind. Die Meteorologen griffen deshalb auf das griechische Alphabet zurück, was zuletzt 2005 nötig war. Die zunehmende Intensität tropischer Wirbelstürme, die für ihre Entstehung warmes Wasser brauchen, ist Experten zufolge eine Folge des Klimawandels.