Die Polizei und der Rettungsdienst waren mit einem Großaufgebot in Trier. Foto: AFP/Jean-CHristophe Verhaegen

Trier steht unter Schock: Fünf Menschen sind am Dienstag bei einer Amok-Fahrt in der rheinland-pfälzischen Stadt ums Leben gekommen. Zahlreiche weitere wurden verletzt. Der Fahrer des silberfarbenen Range Rover, ein 51-jähriger Mann aus dem Kreis Trier-Saarburg, wurde festgenommen.

Bei dem dem Vorfall mit einem Auto in der Innenstadt  sind fünf Menschen im Alter zwischen 9 Monaten und 73 Jahren getötet worden. Zu den Opfern zählen neben einem Baby und einer 73-jährigen Frau eine 25 Jahre alte Frau und ein 45 Jahre alter Mann aus Trier, sagte Polizeivizepräsident Franz-Dieter Ankner am Dienstagabend. Später teilte die Polizei mit, dass eine weitere Frau starb (52). Die Mutter des Babys liegt den Behördenangaben zufolge im Krankenhaus.

Erschütterndes Fotos aus Trier. Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der von «einem Bild des Grauens» spricht, sagt: «Ich glaube, es ist der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg.» Ein in Trier geborener Mann habe mutmaßlich Triererinnen und Trierer getötet. Dieses Trauma werde die Stadt aufarbeiten. «Ich will wissen, warum jemand das tut», betont Leibe. 
Foto: AP/Michael Probst

Das PS-starke Fahrzeug, so die Erkenntnisse der Polizei, soll in der historischen Stadt an der Mosel von der Basilika über den Hauptmarkt bis zur Porta Nigra gerast sein, dem weltberühmten Stadttor aus der Römerzeit. In der nahen Christophstraße sei der Wagen nach etwa 200 Metern von der Polizei gestoppt und der Fahrer überwältigt worden - «vier Minuten nach Ersthinweis», wie der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Abend in Trier sagt. 

Lewentz spricht von einem «sehr langen Tatweg», der Meter für Meter untersucht werde. «Es geht den Menschen enorm nahe, auch den Einsatzkräften.» Lewentz ist zusammen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gekommen, die in Trier wohnt. Beide stehen sichtbar erschüttert im fahlen Licht der TV-Kameras.

«Es ist einfach nur furchtbar», sagt Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Das Allerschlimmste sei, dass Menschen ihr Leben verloren hätten. Unweit schlagen die Glocken des mächtigen Doms. Bischof Stephan Ackermann hat für den Abend zum Gebet für die Opfer in die Mutterkirche des Bistums eingeladen.  
Foto dpa/Oliver Dietze 

Die Polizei schließt inzwischen eine politische oder religiöse Motivation des Fahrers aus. Man könne nicht von einem Terrorakt sprechen. Nach Angaben vom Dienstagabend hatte der in Trier geborene Mann die vergangenen Tage nicht in einer Wohnung, sondern in seinem Fahrzeug verbracht. Oberstaatsanwalt Peter Fritzen zufolge soll er  betrunken gewesen sein - er nennt einen Atemalkoholwert von 1,4 Promille. Es gebe Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Krankheitsbild. Und es gebe dringenden Tatverdacht wegen Mordes in vier Fällen. Den Ermittlungen zufolge soll der Wagen Zick-Zack-Linien gefahren sein - möglicherweise, um so Menschen zu treffen.

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte in einem Interview kurz nach der Amokfahrt berichtet: „Alle sind damit beschäftigt, Verletzte und Schwerstverletzte im Moment in die Krankenhäuser zu bringen.“ Leibe bezeichnete die Tat als eine Amok-Fahrt, nach der es in der Fußgängerzone aussehe „wie im Krieg“. Der Politiker brach während des Gesprächs mit Medien in Tränen aus.

„Ich bin gerade durch die Innenstadt gelaufen und es war einfach nur schrecklich. Es bot sich ein Anblick des Grauens. Da steht ein Turnschuh … das Mädchen dazu ist tot.“ 

In der Trierer Fußgängerzone sah es nach der Amokfahrt verwüstet aus.  Foto: AFP/Sebastian Schmitz

Augenzeugen berichten dem „Trierer Volksfreund“, dass sie gesehen hätten, wie am Hauptmarkt ein Kinderwagen durch die Luft geflogen sei. Die Zeugin hatte die Amok-Fahrt aus ihrem Geschäft heraus beobachtet. Menschen hätten geschrien und seien in Panik in ihren Laden geströmt. 

Dieser Kinderwagen flog durch die Wucht des Aufpralls durch die Luft. 
Foto:  STEIL-TV / STEIL-TV / AFP

Auf Twitter kursiert derzeit ein Video, dass die Festnahme des Amok-Fahrers zeigen soll. Wie die Polizei berichtet, habe sich der Mann seiner Festnahme widersetzt. Laut dem „Volksfreund“ soll sich der 51-Jährige in der Vergangenheit oft an einer Dönerbude in Trier betrunken haben.

Polizei und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Der gesamte Bereich wurde abgesperrt. Zwar bestand laut Polizei seit der Festnahme keine Gefahr mehr, doch die Polizei sicherte noch bis in den Abend hinein Spuren am Tatort.

Mit Einbruch der Dunkelheit stellen Bürger einige Kerzen auf. An der Porta Nigra flackern kleine Teelichter, die eine junge Frau aufgestellt hat. Sie wolle damit ihr Mitgefühl für die Betroffenen ausdrücken, sagt sie. «Es ist alles so schrecklich.»

Sichtbar erschüttert schildern Augenzeugen, wie Menschen bei dem furchtbaren Zwischenfall durch die Luft geschleudert wurden. «Es ist unfassbar. Wir sind fassungslos», sagt eine Bewohnerin eines Hauses, das an die Fußgängerzone grenzt, durch die der Täter gefahren ist. Auf den Kopfsteinpflastern sieht man einen Blutfleck, blutgetränkte Tücher. «Dass so etwas hier in Trier passieren kann, hätte ich nie gedacht», sagt sie.

Regierungssprecher Steffen Seibert drückte stellvertretend für die Bundesregierung sein Entsetzen aus.  „Was in Trier geschehen ist, ist erschütternd“, erklärte er via Twitter. „Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer, bei den zahlreichen Verletzten und bei allen, die in diesem Moment im Einsatz sind, um die Betroffenen zu versorgen.“

Am Abend nach der Amokfahrt haben mehr als 100 Menschen im Dom für die Opfer und ihre Angehörigen gebetet. «Ein für Trier schrecklicher Tag geht zu Ende», sagte der Trierer Bischof Stephan Ackermann. «Fassungslos und traurig sind wir an diesem Abend hier im Dom und in anderen Kirchen unserer Stadt versammelt.» Nicht nur Trier stehe «unter Schock angesichts der brutalen Gewalttat».

Auf den Treppenstufen vor dem Altar waren Lichter aufgestellt. Auch in aller Stille wurde gebetet. Man denke zu allererst an die Toten, die «einer blindwütigen Tat zum Opfer gefallen» seien. «Und wir denken an ihre Angehörigen», sagte der Bischof. Auch für die Verletzten, die Rettungskräfte und durch die Tat traumatisierte Menschen wurde gebetet.