Seit dem Jahr 2000 gibt es diese Flagge, die damals erstmals auf einer Pride Parade der US-Metropole Phoenix gezeigt wurde. imago

Auf Twitter trendet am Donnerstag ein Hashtag, unter dem sich viele kaum etwas vorstellen können: #TransDayOfVisibility. Zugleich weht am Donnerstag an vielen Orten Berlins und anderen Städten eine Flagge, deren Bedeutung etliche Menschen nicht kennen. Gemeint ist nicht die blau-gelbe Flagge der Ukraine, die derzeit von vielen Berliner Balkonen als Zeichen der Solidarität mit dem von Russland attackierten Land gezeigt wird. Die Fahne, von der hier die Rede ist, hat fünf Streifen. Außen hellblau, in der Mitte weiß und dazwischen rosa.

Als trans Personen aus Schwulen- und Lesbenbars geworfen wurden

Erstmals zu sehen war diese Fahne bei einer Pride Parade in der US-Millionenstadt Phoenix im Jahr 2000. Jeder kennt die Regenbogenflagge, die die Vielfalt von queeren Menschen symbolisiert, allerdings in erster Linie von Schwulen und Lesben verwendet wird, allerdings auch von der Friedensbewegung, häufig beschriftet mit „Peace“ oder italienisch „Pace“. Unter dem Zeichen des Regenbogens gibt es vielerlei Menschen, die sich als „queer“ verstehen, aber nicht notwendigerweise schwul oder lesbisch sind.

Eine Minderheit, die die ersten Proteste in den USA gegen die Diskriminierung von auch heute so abgekürzten LGBT (lesbian, gay, bisexual, transgender) 1969 mit anführte, waren trans Personen. Diese Menschen, die sich nicht mit ihrem Geschlechtseintrag im Geburtenregister und Pass identifizieren, sind lange ausgegrenzt worden, im Alltag, im Beruf, aber selbst von anderen queeren Minderheiten: Die Netflix-Kultserie „Pose“ erzählt auch davon, wie trans Frauen und Männer in den 1970er- und 80er-Jahren aus Schwulen- und Lesbenbars in New York geworfen wurden, weil man sie nicht dabei haben wollte.

31. März ist der #TransDayOfVisibility: Diese Promis zeigen Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit

Trans Personen bildeten dann ihre eigene Kultur, zogen in trans WGs zusammen („houses“), die eine „Mutter“ fürsorglich zusammenhielt. Die Tanzabende der trans Community („ballrooms“) in den 80ern wurden zu einem Höhepunkt der Popkultur. Und die Fahne, die damals auf der Pride Parade neben der Regenbogenfarbe wehte, sorgte für die Sichtbarkeit nach außen.

Monica Helms, die Frau, die die Fahne entworfen hat, erklärte die Bedeutung der Farben so: Hellblau und rosa sind die traditionellen Klischeefarben, in die Babys gehüllt werden. Die weiße Farbe in der Mitte steht für diejenigen, die eine Transition von einem Geschlecht zum anderen durchleben, aber auch für diejenigen, die sich keinem Geschlecht klar zuordnen – aber auch für intersexuelle Menschen.

Nun hängt sie auch unter anderem am Roten Rathaus, am Donnerstagnachmittag wird sie vor dem Bundestag wehen: Denn der Donnerstag, 31. März wurde zum Tag der Sichtbarkeit für trans Personen erklärt. Wie jedes Jahr zeigen sich trans Personen, die sich nicht verstecken, sondern mit ihrer Identität selbstbewusst in der Öffentlichkeit stehen.

Dazu gehören inzwischen die beiden Bundestagsabgeordneten Nyke Slawik und Tessa Ganserer, der Leistungssportler Balian Buschbaum, die Gewinnerin von „Germany’s Next Topmodel“ Alex Mariah Peter. Zu einer Demo vor dem Deutschen Bundestag am Donnerstagnachmittag hat sich unter anderem eine Finalistin der ukrainischen Version von „The Voice“ angekündigt: Zi Faámelu, vor wenigen Wochen unter abenteuerlichen Umständen nach Deutschland geflohen.