Trauer um Halyna Hutchins (42). Die Kamerafrau wurde von Hollywood-Star Alec Baldwin erschossen, in seiner Film-Pistole war scharfe Munition. imago/Nadav Soroker

Es ist eine noch immer unfassbare Tragödie: Hollywoodstar Alec Baldwin erschoss während der Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ die Kamerafrau, als er bei einer Probe eine Requisitenwaffe abfeuerte. Sie war mit scharfer Munition geladen. Halyna Hutchins (42) starb wenig später. Ihre letzten Worte, die erschütternden Szenen nach dem tödlichen Schuss wurden jetzt bekannt. 

„That was no good. That was no good at all.“ - „Das war nicht gut. Das war überhaupt nicht gut.“ Das waren die letzten Worte von Halyna Hutchins. Nachdem sie von der Kugel aus Alec Baldwins Film-Pistole in die Brust getroffen wurde, versuchten Mitarbeiter der Crew, ihre Blutung zu stoppen. Ihre letzten Worte hatte die 42-Jährige laut eines Berichts der Los Angeles Times an einen Ton-Assistenten gerichtet, der sie im Arm hielt.

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Kamerafrau Halyna Hutchins AFP/Sonia Recchia

„Ich nehme die Waffe raus, ziehe den Abzug und mache ‚Bang‘?!“

Die Zeitung hatte die Ereignisse durch Interviews, Emails und SMS-Nachrichten von 14 Crew-Mitgliedern vom „Rust“-Set rekonstruiert. Sekunden vor dem Unglück habe Baldwin für eine Schießerei-Szene in einer Kirche geübt, wie er seine Waffe aus dem  Holster zieht. Laut Bericht wollte der 63-Jährige sichergehen, dass die Kamera-Crew es genau im richtigen Winkel aufnimmt, wenn er seinen 45-kalibrigen FD Pietta-Colt abfeuert.

„Also“ , sagte Alec Baldwin zu Regisseur Joel Souza, „ich nehme an, ich hole ihn heraus, ziehe den Abzug und mache ‚Bang‘?! “ Der Schauspieler zog dann die Waffe – wobei ihm vom Regieassistenten des Films, David Halls, versichert wurde, dass es sich um eine „kalte Waffe“ handele – und feuerte. Aber statt einer leeren Kugel flog eine scharfe Kugel aus dem Lauf.

Alle schrien „Sie ist angeschossen“

Die tödlich getroffene Halyna Hutchins stolperte rückwärts und wurde von dem Chef-Elektriker aufgefangen, während Blut aus einer Wunde in der Brust sickerte. Ein Tontechniker berichtet: „Ich konnte sehen, wo die Kugel wieder ausgetreten war und wie sofort das Blut aus der Wunde schoss. Alle schrien ‚Sie ist angeschossen‘. Es war nur crazy!“  

Die ausgetretene Kugel traf Regisseur Joel Souza, der direkt dahinterstand, direkt ins Schlüsselbein. Er ging zu Boden und schrie laut Los Angeles Times auf: „Was zum Fuck war das? Es brennt!“

Alec Baldwin legte seinen Colt wie in Zeitlupe auf eine der Kirchenbänke und fragte mehrmals: „Was ist gerade fucking passiert?“ In derselben Sekunde stürmten andere Crewmitglieder heran, einer schrie „Rettungssanitäter“. Der Ton-Assistent beugte sich dann über Hutchins, schaute ihr laut Bericht in die Augen und sagte: „Oh, das war nicht gut.“ Worauf die gebürtige Ukrainerin antwortete: „Nein, das war nicht gut. Das war gar nicht gut.“ Wenige Stunden später wurde sie offiziell nach Einlieferung in die Notaufnahme der Uniklinik von Albuquerque für tot erklärt.

Alec Baldwin kurz nach der Tragödie am Film-Set in Santa Fe AP/Jim Weber

Laut der Los Angeles Times hatte es von Seiten der Crew schon vorher Zweifel gegeben, dass die Waffenmeisterin – die erst 24-jährige Hannah Gutierrez-Reed – ihrer Aufgabe gewachsen war. Ihr fehlte die Erfahrung. Selbst Baldwin soll vor dem Unglück wegen der vielen Waffen am Set eine böse Vorahnung gehabt haben. Ein Kamera-Techniker wird zitiert: „Alec hat sich wirklich ziemlich Sorgen um die Sicherheit am Set gemacht. Er wollte von mir wissen, wo ich stehen würde, wenn er seine Waffe zieht. Ich sagte ihm, dass es außerhalb der Schussrichtung sei. Er meinte ‚Gut!‘“.

Das Foto zeigt Halyna Hutchins mit ihrem Mann und ihrem neunjährigen Sohn. Instagram

Unterdessen hat sich Regieassistent David Halls, der Baldwin die Pistole überreicht hatte, erstmals öffentlich zu dem tödlichen Vorfall geäußert, zu seiner eigenen Rolle dabei jedoch geschwiegen. In einer von der New York Times veröffentlichten Erklärung schrieb Halls, er sei „erschüttert und traurig“ über den Tod der Kamerafrau.

„Halyna Hutchins war nicht nur eine der talentiertesten Personen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sondern auch eine Freundin“, schrieb Halls weiter. Er hoffe, dass die Tragödie die Filmindustrie dazu bewege, „ihre Werte und Praktiken zu überarbeiten um sicherzustellen, dass nicht erneut jemand beim kreativen Prozess zu Schaden kommt“.

Nach dem tödlichen Schuss hatte Regieassistent Halls gegenüber der Polizei eingeräumt, nicht alle Kugeln in der Trommel des Colts überprüft zu haben, bevor er ihn Baldwin mit der Versicherung überreichte, die Waffe sei sicher.