Ein Athener Luxus-Hotel wird während des Lockdowns renoviert. Andere werden verkauft. Foto:  Imago/ANE Edition

Ein schmuckes Boutique-Hotel mit acht Etagen im Athener Touristenviertel Plaka samt herrlichem Blick auf die Akropolis für 13 Millionen Euro, ein glamouröses Fünf-Sterne-Hotel in Chania auf Kreta mit 127 Zimmern für 65 Millionen Euro, eine Luxus-Herberge mit 300 Zimmern und 100 Suiten auf der Halbinsel Chalkidiki für 28 Millionen Euro: Die schweren Turbulenzen in der Corona-Pandemie und die Unwägbarkeiten mit Blick auf die Zukunft bewegen viele griechische Hotelunternehmer dazu, sich aus der krisengebeutelten Tourismusbranche zu verabschieden. Nach einer Auswertung einschlägiger Immobilien-Plattformen im Internet stehen gegenwärtig mehr als 300 Hotels in ganz Griechenland zum Verkauf, wie griechische Medien berichten.

Insidern zufolge ist die wirkliche Zahl der zum Verkauf stehenden Hotelbetriebe in Hellas indessen noch höher. Wegen des sich abzeichnenden verspäteten Starts in die diesjährige Reisesaison sei die Tendenz zudem steigend. Die Preise der zum Verkauf stehenden Hotels seien wiederum niedriger, als sie noch 2019 waren, wie Marktbeobachter konstatieren. „Eines ist sicher: Eine verlorene Reisesaison in diesem Jahr würde uns das Genick brechen. Das würde uns in den Ruin treiben“, warnt der Präsident des Griechischen Hotelverbandes (POX), Grigoris Tasios.

Griechenland hat 2020 insgesamt ein katastrophales Tourismusjahr erlebt. Einer Studie der Athener Notenbank (Trapeza tis Ellados, kurz TTE) zufolge sind die Direkterlöse im griechischen Tourismus von Januar bis Oktober 2020 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 77 Prozent auf rund 4 Milliarden Euro eingebrochen. Die Zahl der nach Griechenland einreisenden Urlauber ging von Januar bis Oktober 2020 um 76 Prozent auf rund 7 Millionen Urlauber zurück.

Seit dem 7. November gilt in Griechenland ein neuerlicher harter Lockdown. Das Reisen von einer Region in Griechenland zu einer anderen ist verboten. Ferner bleibt die Gastronomie geschlossen. Für die Einreise nach Griechenland braucht man zudem einen negativen PCR-Test auf Covid-19, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Obendrein hat man sich nach der Ankunft in Griechenland obligatorisch in eine siebentägige Quarantäne zu begeben. Die unweigerliche Folge: Die griechische Tourismusbranche ist seit dem 7. November faktisch zum Erliegen gekommen.

Kein Land ist so abhängig vom Tourismus wie Griechenland

Kein Land in Europa ist dabei so abhängig vom Tourismus wie Griechenland. Laut dem Forschungsinstitut des griechischen Touristikverbandes (Insete) trugen allein die direkten Erlöse (Gewinne, an denen kein Vermittler wie ein Reisebüro beteiligt ist) der Reisebranche im Jahr 2018 knapp 12 Prozent zur jährlichen griechischen Wirtschaftsleistung bei. Rechnet man die indirekten Erlöse dazu, steigt der Beitrag des Tourismus zum griechischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 25,7 bis 30,9 Prozent.

Nach Angaben der Athener Notenbank (TTE) besuchten noch 2019 rund 31 Millionen ausländische Urlauber Griechenland (ohne Kreuzfahrttouristen) - ein Allzeitrekord. Die meisten von ihnen kamen 2019 mit knapp 4 Millionen Touristen aus Deutschland. Es folgten Briten (3,5 Mio.), Italiener (1,5 Mio.), Franzosen (1,5 Mio.), Rumänen (1,4 Mio.) sowie US-Amerikaner (1,2 Mio.). Ferner reisten 583.000 Österreicher und 540.000 Schweizer 2019 nach Griechenland.

Die Direkterlöse im griechischen Tourismus betrugen im Rekordjahr 2019 laut offiziellen Angaben 18 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Griechenlandurlauber gab dabei 564 Euro aus. Die ausgabefreudigsten Touristen stammten aus den Ländern der Eurozone. Sie gaben für ihren Griechenlandurlaub im Jahr 2019 im Schnitt 700 Euro pro Kopf aus. Bei den Deutschen betrugen die Ausgaben 734 Euro pro Kopf.

Zum Vergleich: Im Jahr 2010 zählte Griechenland erst 15 Millionen Urlauber aus dem Ausland. Also hatte sich die Zahl der ausländischen Urlauber in Griechenland von 2010 bis 2019 mehr als verdoppelt. Die Tourismusbranche avancierte so zum Wachstumsmotor im seit dem Beinahe-Staatsbankrott im Frühjahr 2010 chronisch krisengeschüttelten Mittelmeerstaat.