Die Angeklagte verdeckt während des Gespräches mit ihrem Anwalt ihr Gesicht mit einem Aktendeckel. Foto: dpa/Philipp Schulze

Vor dem Landgericht Lüneburg hat am Donnerstag ein Mordprozess gegen eine 22-Jährige aus Niedersachsen begonnen. Die junge Frau muss sich wegen des Todes ihres Babys verantworten. Dass es überhaupt zu einer Anklage kam, ist einem Zufall zu verdanken.

Im August vergangenen Jahres wurde der Leichnam eines Babys eingewickelt in Handtücher und einen blauen Plastiksack bei Malerarbeiten an einem Schuppen auf dem Grundstück der Eltern der Angeklagten entdeckt. Den Angaben nach soll es sich um einen kleinen Jungen gehandelt haben. Schnell kamen die Ermittler darauf, dass die heute 22-Jährige, die zum Zeitpunkt des Fundes mit ihren Eltern in dem Haus in Bardowick bei Lüneburg lebte, die Mutter ist und nahmen sie fest.

Nach Gerichtsangaben brachte die Frau ihr Kind schon im September 2019 im Badezimmer ihres Elternhauses zur Welt. Eine Obduktion hatte bestätigt, dass das Kind lebend zur Welt kam und mindestens eine Woche lang gelebt hat. Laut Gutachten spätestens dreieinhalb Wochen nach der Geburt soll die Angeklagte das Baby erstickt oder erwürgt haben. Danach soll die junge Frau die Leiche an einem unbekannten Ort gelagert haben. Der Leichnam wurde dabei offenbar gekühlt. Erst kurz vor der Entdeckung im August 2020, soll sie die Kinderleiche im Gartenschuppen ihrer Eltern deponiert haben. 

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Zum Prozessauftakt gestand die junge Frau die Tat. In einer Erklärung, die ihr Verteidiger verlas, schilderte sie, dass sie ihre Schwangerschaft zunächst nicht realisiert habe. Eines Nachts habe sie dann starke Schmerzen verspürt. Als sie dann zur Toilette ging, habe sie plötzlich das Kind zur Welt gebracht. Danach sei sie in einer Art Trancezustand gewesen und könne sich nicht mehr an alles erinnern. Sie erinnerte nur noch, dass sie das Kind in Handtücher eingewickelt, in Plastiktüten gesteckt und im Garten abgelegt habe. Zum Motiv machte der Anwalt der Angeklagten keine Angaben. 

In der Anklageschrift hingegen wird ein mögliches Motiv formuliert. Darin heißt es, dass die Angeklagte ihr Baby deshalb kurz nach der Geburt getötet habe, weil es ihr dabei im Weg gestanden habe, ihren bisherigen Lebensstil beizubehalten und bei der Suche nach neuen Partnern hinderlich gewesen wäre. 

Der Prozessauftakt musste nach 45 Minuten unterbrochen werden, da die Angeklagte am Rande eines Nervenzusammenbruchs gestanden haben soll. Im Verlauf des Prozesses sollen mehrere Zeugen gehört werden. Bis zum 24. Februar sind vier weitere Gerichtstermine angesetzt.