Restauratorin Sylvia Morgenstern reinigt mit Pinsel und Pinzette eine 79 Jahre alte Nusstorte. dpa/Marcus Brandt

Normalerweise restauriert Sylvia Morgenstern archäologische Funde aus Holz, Metall oder Leder. Das jüngste Fundstück der Lübecker Stadtarchäologen stellt die Restauratorin jedoch vor besondere Herausforderungen.

Es geht um eine 79 Jahre alte Nusstorte, die bei Ausgrabungen in der Lübecker Altstadt gefunden wurde. Mit Pinsel, Pinzette und Skalpell befreit sie die Torte im ersten Schritt von anhaftendem Schmutz und Erdreich. „Letztendlich geht es darum, sie zu stabilisieren und zu konservieren“, sagt Morgenstern.

Gefunden wurde die Torte im April bei Schachtarbeiten in der Alfstraße im Lübecker Gründungsviertel. „Dabei stießen erfahrene Grabungstechniker im Keller auf eine zwar rußgeschwärzte, aber noch gut erkennbare Torte“, erinnert sich der Leiter des Bereiches Archäologie der Hansestadt Lübeck, Manfred Schneider, an den aufsehenerregenden Fund.

Archäologen hatten die Torte bei Schachtarbeiten im Lübecker Gründungsviertel gefunden. dpa/Marcus Brandt

Das Haus in der Alfstraße war im März 1942 bei einem alliierten Bombenangriff auf Lübeck zerstört worden. „Es hatte sich offenbar unter den Trümmern ein Hohlraum gebildet, der verhinderte, dass die Torte zu viel Hitze abbekam und zerquetscht wurde“, sagt Schneider.

„Tortenmumie“ durch Flüssigkeitsverlust stark geschrumpft

„Aus Sicht einer Restauratorin ist das das spannendste Objekt, das ich je bearbeitet habe“, sagt Morgenstern. „Ich muss zunächst die Laboranalysen abwarten. Erst dann kann ich entscheiden, ob ich das Fundstück mit Wasser säubern kann und welche Substanz zur Stabilisierung geeignet ist“, sagt sie.

Doch ebenso wie die Frage der Konservierung der Torte beschäftigt die Archäologen die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Neben der verkohlten Torte wurden auch ein Kaffeeservice und mehrere Schallplatten gefunden. „Möglicherweise war das Gebäck für eine Konfirmationsfeier bestimmt. Die fand früher meist am Palmsonntag statt“, sagte Schneider. „Wir hoffen, dass wir das mithilfe des Stadtarchivs irgendwann klären können.“